http://www.faz.net/-gqe-927gs

Weltwirtschaftsforum : Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Gelobt wird Deutschland für seine Innovationen und die hohen Forschungsausgaben von Konzernen. Bild: obs/BASF SE

Das Weltwirtschaftsforum hat bewertet, wie gut Staaten wirtschaftlich dastehen. In diesem Jahr landet Deutschland auf Rang 5 – und erhält auch Verbesserungsvorschläge.

          Die globalen Finanzsysteme haben sich immer noch nicht von dem Schock der Finanzkrise erholt, die vor zehn Jahren ihren Lauf nahm. In ihrem „Global Competitiveness Report 2017–2018“ weist das Schweizer Weltwirtschaftsforum (WEF) warnend darauf hin, dass die Banken noch nicht so solide dastünden wie in der Zeit vor der großen Krise. Zugleich sei die Verwundbarkeit durch die erhöhte private Schuldenlast in Schwellenländern sowie durch das Wachstum unregulierter Kapitalmärkte gestiegen. Dabei wäre es aus Sicht der Autoren der Studie sehr wichtig, einen gesunden und stabilen Finanzsektor zu haben. Ein solcher hülfe nicht nur dabei, für wirtschaftlichen Fortschritt zu sorgen und etwaige Rezessionen zu verhindern, sondern auch Neuentwicklungen auf die Sprünge zu helfen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Innovative Ideen angemessen finanziell zu unterstützen sei essentiell, um von den Vorteilen der vierten industriellen Revolution (Industrie 4.0) zu profitieren. Länder, die sich darauf einstellten und gleichzeitig ihre politischen, ökonomischen und sozialen Systeme stärkten, könnten in der Zukunft zu den Gewinnern zählen, erklärte Klaus Schwab, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Weltwirtschaftsforums. „Globale Wettbewerbsfähigkeit hängt immer stärker von der Innovationskraft eines Landes ab.“ In einem Rückblick auf die zurückliegende Dekade beschäftigen sich die Autoren der diesjährigen WEF-Studie auch mit der Frage, welchen Einfluss die Regulierung oder Deregulierung von Arbeitsmärkten auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes hat.

          Die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt mit Deutschland auf Platz 5. (WEF) Bilderstrecke
          Die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt mit Deutschland auf Platz 5. (WEF) :

          In der Europäischen Union seien die Arbeitsmärkte älterer EU-Mitglieder in den vergangenen zehn Jahren deutlich flexibler geworden, nachdem zwischen 2004 und 2007 neue Mitglieder mit weniger rigiden Arbeitsgesetzen aufgenommen wurden. Dies habe in vielen Ländern zu sinkender Arbeitslosigkeit geführt. Zugleich habe diese Entwicklung aber auch eine Gegenreaktion provoziert: Die EU sei zuweilen als Projekt wahrgenommen worden, das die Rechte der Arbeitnehmer nicht genügend schütze. Ein flexibler Arbeitsmarkt und ein angemessener Schutz der Arbeitnehmerrechte schlössen einander allerdings nicht aus – im Gegenteil: Länder wie Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, die Schweiz und die Niederlande zeigten, dass Regierungen, die beide Ziele verfolgten, sowohl einen effizienten Arbeitsmarkt als auch ein geringes Niveau von Ungleichheit erreichen könnten.

          In der vom WEF veröffentlichten Rangliste der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt steht Deutschland 2017 wie im Vorjahr auf Platz fünf. Besonders gut schneidet Deutschland auf den Feldern Innovation, Technologiebereitschaft, Infrastruktur, Kartellrecht, Bildungsqualität und Konzern-Forschungsausgaben ab. Negativ ins Kontor schlagen unter anderem hohe Steuersätze, Kosten der Landwirtschaftspolitik und Hürden für Firmengründer. Beim Unterpunkt „Anzahl der Vorgänge bis zum Start eines Geschäfts“ liegt Deutschland auf Rang 105.

          Die Schweiz hat ihre Spitzenposition als wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt abermals verteidigt. Der flexible Arbeitsmarkt, die Schulbildung und das öffentliche Gesundheitssystem zählen laut der Studie zu den größten Stärken des Landes. Frankreich ist um einen Platz auf Rang 22 zurückgefallen. Als Pluspunkte werden die Infrastruktur und die Größe des Marktes aufgeführt. Erhebliche Punktabzüge gab es für das schwache makroökonomische Umfeld und den verkrusteten Arbeitsmarkt, den der neue Staatspräsident Emmanuel Macron gerade etwas aufzubrechen sucht.

          Italien landete auf Rang 43 und machte damit einen Platz gut. Die größten Wettbewerbsschwächen sehen die Studienautoren trotz der jüngsten Reformen im Arbeits- und Finanzmarkt des Landes. Die Türkei liegt auf Platz 53. Gegenüber 2012 hat sich das Land damit um zehn Plätze verschlechtert.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          China, Reich der Ideen

          Eigene Innovationen : China, Reich der Ideen

          Bisher haben die Chinesen nur kopiert. Jetzt versuchen sie es mit eigenen Innovationen. Könnte die Weltwirtschaft bald aus dem Reich der Mitte heraus regiert werden?

          Glyphosat, angezählt

          Streit um Herbizid : Glyphosat, angezählt

          Ein brisantes Thema der vergangenen Jahre könnte in der kommenden Woche ein Ende finden. In Brüssel stimmen die Staaten über die weitere Zulassung für das Herbizid ab. Bleibt Deutschland Enthaltungsweltmeister? Die Befürworter von Glyphosat in der EU werden weniger.

          Dogan Akhanli bei Rückkehr nach Deutschland bedroht Video-Seite öffnen

          Düsseldorf : Dogan Akhanli bei Rückkehr nach Deutschland bedroht

          Der deutschtürkische Schriftsteller Dogan Akhanli ist bei Rückkehr nach Deutschland am Flughafen in Düsseldorf beschimpft und bedroht worden. Am Ausgangsbereich rief ihm ein unbekannter Mann auf türkisch zu, er sei ein Landesverräter. Auch dieses Land, gemeint war wohl Deutschland, könne ihn nicht beschützen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.