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Wechsel im Aufsichtsrat In der Munich Re endet eine Ära

 ·  Hans-Jürgen Schinzler macht an der Spitze des Aufsichtsrats überraschend Platz für Bernd Pischetsrieder. Der Nachfolger soll eine ruhige Hand beweisen, Schinzler bleibt dem Konzern in der Stiftung erhalten.

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Für jemanden, der sein ganzes Berufsleben, immerhin 44 Jahre, bei demselben Arbeitgeber verbracht hat, klingt dieser Satz etwas merkwürdig. Hans-Jürgen Schinzler, der Aufsichtsratsvorsitzende der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, bei der Chefwechsel seltener sind als Papstwahlen, sagt ihn dennoch: „Ich bin immer für die Veränderung gewesen, für den Wechsel.“

Schinzler war 13 Jahre lang Finanzvorstand gewesen, 11 Jahre Vorstandsvorsitzender, und in den vergangenen 8 Jahren leitete er das Aufsichtsgremium. Dieser hochaufgeschossene, drahtige Mann sieht mit seinen 72 Jahren nicht amtsmüde aus. Schinzler hätte noch zwei Jahre weitermachen können, doch wollte er sich, wie er gegenüber dieser Zeitung recht humorvoll erklärt, lieber vorzeitig und aus freien Stücken verabschieden. „Mir war immer klar, dass ich aufhören wollte, bevor andere sagen: ,Wie lange hockt der Schinzler noch da oben?‘“

Einen Nachfolger gibt es auch: Es ist Bernd Pischetsrieder. Anders als Schinzler blickt er auf eine berufliche Laufbahn außerhalb der Versicherungswirtschaft zurück; Pischetsrieder war Vorstandsvorsitzender von BMW und Volkswagen. Immerhin sitzt er seit zehn Jahren im Aufsichtsrat der Munich Re und dürfte mit den besonderen Risiken des Rückversicherungsgeschäfts vertraut sein.

Viel Erfahrung und eine ruhige Hand

Vor einem Jahr sorgte ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung für Aufsehen. Pischetsrieder soll in einem Immobiliengeschäft dem Fiskus mehr als 230000 Euro vorenthalten haben. Das Münchner Landgericht glaubte jedoch nicht, dass der Vierundsechzigjährige das Finanzamt absichtlich betrogen hatte, und stellte das Verfahren gegen Zahlung von 100000 Euro an soziale Institutionen ein. Der öffentliche Wirbel hat so manchen Beobachter irritiert. Für Schinzler zählt der Freispruch. Ohnedies findet er freundliche Worte für seinen Wunschnachfolger: „In der heutigen Zeit muss ein Aufsichtsrat Ruhe bewahren. Herr Pischetsrieder ist in seiner Karriere durch dick und dünn gegangen. Von ihm kann man eine ruhige Hand erwarten.“

Eine ruhige Hand, selbst in turbulenten Zeiten, hat auch Schinzler ausgezeichnet, als er 1993 den Vorstandsvorsitz übernahm. Der Vorgänger von Nikolaus von Bomhard war bei dem 1880 gegründeten Unternehmen erst der siebte Vorstandsvorsitzende - Johannes Paul II. seit 1880 dagegen schon der neunte Papst. Schinzler kann für sich in Anspruch nehmen, den traditionsreichen Münchner Rückversicherungskonzern in all den Jahren stärker verändert zu haben als jeder seiner Vorgänger.

Schinzler weiterhin Vorsitzender der Stiftung

Mit dem damaligen Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle vereinbarte Schinzler schon 1996 einen ersten Ringtausch der wechselseitigen Beteiligungen beider Konzerne. Später tauschten Schulte-Noelle und Schinzler Beteiligung um Beteiligung, bis sie am Ende das Dickicht der gesamten Deutschland AG entflochten hatten. Freilich nutzten Allianz und Münchener Rück die vom damaligen Finanzminister Hans Eichel beschlossene Steuerfreiheit beim Verkauf von Unternehmensbeteiligungen. Allerdings konnten die Abschreibungen im Geschäftsjahr 2002, das letzte, das Schinzler zu verantworten hatte, steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden.

Obendrein fiel in Schinzlers Amtszeit mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 der größte versicherungstechnische Schaden der Welt. Und so endete seine Ära als Vorstandschef von Munich Re mit einem hohen Jahresfehlbetrag, dem zweiten seit 1906, dem Jahr des schweren Erdbebens von San Francisco. Schinzlers Abschied von der Aufsichtsratsspitze fällt in eine unternehmerisch bessere Zeit. „Die guten Unternehmenszahlen in diesem Jahr sind eine sehr erfreuliche Begleiterscheinung. Aber die Arbeit hat der Vorstand geleistet. In der öffentlichen Wahrnehmung scheint der Aufsichtsratsvorsitzende mehr, als er ist. Der Aufsichtsrat ist in erster Linie ein Rat“, sagt er in aller Bescheidenheit.

Schinzler verlässt die Munich Re nicht ganz. Als Vorsitzender der Stiftung bleibt er seinem Konzern weiterhin verbunden. Von dieser Position aus wird er sich das Wirken der nächsten Manager-Generation anschauen. Er beneidet sie nicht um ihre Aufgabe, in welcher Branche auch immer. „Die Globalisierung hat die Wirtschaftswelt dramatisch verändert, der Druck auf die Manager ist eindeutig sehr viel größer geworden“, sagt Schinzler. „Aber ich vermisse bei manchem Manager den Anspruch an sich selber, zu sagen: ,So was tut man nicht.‘“

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