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Washington Mutual : Größte Bankenpleite in der Geschichte Amerikas

  • Aktualisiert am

Einst war sie eine einfache Sparkasse - jetzt ist die Washington Mutual unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen Bild: REUTERS

Nicht nur Investmentbanken brechen in diesen Tagen zusammen. Jetzt ist die einst führende amerikanische Privatkundenbank Washington Mutual pleite. In einem Notverkauf wird sie zu weiten Teilen vom Finanzkonzern J.P. Morgan Chase übernommen.

          Größte Banken-Pleite der amerikanischen Geschichte: Die einst führende amerikanische Privatkundenbank Washington Mutual ist unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen. In einem Notverkauf wird sie zu weiten Teilen vom Finanzkonzern J.P. Morgan Chase übernommen. Das teilte die amerikanische Sparkassenaufsicht am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York mit. Inmitten des politischen Tauziehens um das staatliche Milliarden-Rettungspaket für die Bankenbranche hat die Finanzkrise damit einen neuen dramatischen Höhepunkt erreicht.

          J.P. Morgan Chase, die drittgrößte amerikanische Bank, zahlt 1,9 Milliarden Dollar für die von Washington Mutual (WaMu) übernommenen Einlagen und Filialen. Die Bank mit Sitz in Seattle (Bundesstaat Washington) erlitt in der Kreditkrise Milliardenverluste.

          WaMu habe keine ausreichende Liquidität mehr gehabt, so die Sparkassenaufsicht OTS (Office of Thrift Supervision). Das Institut wurde deshalb zunächst unter staatliche Kontrolle gestellt. Der anschließende Verkauf an J.P. Morgan habe keine Auswirkungen für die Kunden und deren Einlagen von knapp 190 Milliarden Dollar. Die Filialen würden am Freitag wie gewohnt ihre Türen öffnen. Aktionäre und Gläubiger der Sparkasse gehen allerdings den Angaben zufolge leer aus.

          Stark auf dem Hypothekenmarkt engagiert

          Die Bank hatte sich während des Immobilienbooms auf dem Hypothekenmarkt verhoben. Zuletzt fielen der Aufsicht zufolge in drei Quartalen hintereinander insgesamt 6,1 Milliarden Dollar Verlust an. Verschärft wurden die Probleme durch den Kurssturz der Aktie und eine Herabstufung durch Ratingagenturen auf „Schrott“-Niveau. Am Schluss wurde die Lage lebensbedrohlich: In den vergangenen zehn Tagen hätten Kunden scharenweise ihr Guthaben abgehoben, so die Aufsicht.

          Dank der Übernahme werde der Einlagensicherungsfonds der Branche durch den Zusammenbruch nicht belastet, teilten die Behörden mit. Sonst hätte dies laut Analysten über 20 Milliarden Dollar gekostet. Es hatte Befürchtungen gegeben, dass die Versicherung, die bei der Pleite der Indymac Bank zu Beginn des Sommers schon in Anspruch genommen wurde, durch einen WaMu-Zusammenbruch aufgebraucht werden könnte. WaMu habe unter akuten Liquiditätsenpässen gelitten, erklärte die FDIC-Vorsitzende Sheila Bair. Der Aktienkurs von WaMu hatte in diesem Jahr 87 Prozent an Wert verloren. Neben J.P. Morgan Chase waren zuletzt offenbar unter anderem Wells Fargo, Citigroup, HSBC und Banco Santander aus Spanien an WaMu interessiert.

          Als einfache Sparkasse begonnen

          Washington Mutual hatte als einfache Sparkasse begonnen, mit dem Immobilienboom der vergangenen Jahre ihre Aktivitäten aber besonders auf den Hypothekenmarkt ausgerichtet. Im Zuge der Krise um faule Immobilienkredite verlor die Aktie des Konzerns seit Jahresanfang etwa 80 Prozent ihres Werts. Die angeschlagene Bank hatte Berichten zufolge auch bei Investmentfonds wie Carlyle und Blackstone wegen einer möglichen Übernahme vorgefühlt.

          Die Bank beschäftigte zur Jahresmitte mehr als 43.000 Mitarbeiter in über 2200 Zweigstellen verteilt auf 15 amerikanische Bundesstaaten. Zuletzt strich WaMu tausende Stellen und kürzte das Geschäft mit Hauskrediten radikal. Wegen ihrer Probleme stand die Sparkasse bereits unter verschärfter staatlicher Aufsicht und hatte ihren Chef ausgewechselt.

          J.P. Morgan Chase übernahm in diesem Jahr schon Bear Stearns

          J.P. Morgan Chase übernahm im Zuge der Finanzkrise in diesem Jahr bereits die notleidende amerikanische Investmentbank Bear Stearns. Auch damals war der Staat am Zustandekommen des Geschäfts beteiligt. Der Finanzkonzern gab zudem schon vor einigen Monaten ein Angebot für WaMu ab, blieb damals aber erfolglos.

          Allein seit Anfang vergangener Woche fielen der Kreditkrise reihenweise große amerikanische Finanzhäuser zum Opfer. Die Investmentbank Lehman Brothers meldete Teilinsolvenz an und wird zerschlagen. Wettbewerber Merrill Lynch rettet sich in die Arme der Bank of America. Der Versicherungsriese AIG musste vom Staat durch einen Mega-Kredit vor dem Aus bewahrt werden und steht vor dem Verkauf weiterer Konzernteile. Im laufenden Jahr war in den Vereinigten Staaten vor WaMu zudem schon ein Dutzend kleinerer und mittelgroßer Banken zusammengebrochen.

          Die Rettungsaktion für WaMu wurde an der Wall Street in ersten Reaktion noch in der Nacht zwiespältig aufgenommen. Der Kauf sei ein Zeichen der Stärke von J.P. Morgan Chase und damit positiv für den Finanzmarkt. Zugleich zeige die jüngste Notübernahme aber auch, dass die Kreditkrise noch lange nicht ausgestanden sei, so Experten. J.P.-Morgan-Chef Jamie Dimon erfüllt sich mit dem Zukauf den langgehegten Wunsch, seine Bank im Westen der Vereinigten Staaten zu einer starken Kraft im breiten Privatkundengeschäft zu machen.

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