http://www.faz.net/-gqe-9c8q0

Vor harten Einschnitten : Was wird aus dem Zulieferer Neue Halberg Guss?

„Halberg Guss muss leben“, fordern die Beschäftigten am Donnerstag in Frankfurt. Bild: Martin Gropp / F.A.Z.

Seitdem Volkswagen weniger Teile von der Neuen Halberg Guss kauft, steckt der Zulieferer in großen Schwierigkeiten. Der umstrittene Eigentümer will hunderte Stellen streichen – und die Gewerkschaft rechnet mit dem Schlimmsten.

          Mehrere hundert Mitarbeiter des Autozulieferers Neue Halberg Guss haben am Donnerstagvormittag in Frankfurt für einen Sozialtarifvertrag und gegen den Eigentümer ihres Unternehmens demonstriert, die Prevent-Gruppe. Gegen 10.30 Uhr setzte sich ein Zug von Polizeiangaben rund 600 Menschen Richtung Opernplatz in Bewegung. Dort verhandeln an diesem Donnerstag die Geschäftsführung, Arbeitnehmervertreter sowie Abgesandte der Gewerkschaft IG Metall darum, ob es doch noch zu einem Sozialtarifvertrag für das in wirtschaftliche Not geratene Unternehmen kommt. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen für den Fall, dass es zu den Stellenstreichungen kommt, die ihr Arbeitgeber angekündigt hat.

          Bevor sich die Demonstration vom Hauptbahnhof zum Opernplatz in Frankfurt in Bewegung setzte, gaben sich die Mitarbeiter kämpferisch. Wer mutwillig Arbeitsplätze aufs Spiel setze, müsse damit bestraft werden, Abfindungen zu zahlen, sagte ein IG-Metallvertreter. Ein Sozialtarifvertrag sei allerdings nur die zweitbeste Lösung nach dem Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze.

          Seit einem Monat im Dauerstreik

          Die Arbeitgeberseite und die Arbeitnehmervertreter ringen um einen Sozialtarifvertrag für die Neue Halberg Guss, weil der Produzent von Motorblöcken und Kurbelwellen in wirtschaftlicher Not steckt. Der Grund: Der größte Kunde, der Volkswagen-Konzern aus Wolfsburg, hat seine Abnahmemenge reduziert. Als Reaktion darauf hatte das Unternehmen seine Preise für Volkswagen von einen Tag auf den anderen verzehnfacht. Trotzdem hatte der Eigentümer der Neuen Halberg Guss, die Prevent-Gruppe, angekündigt, das Werk in Leipzig Ende nächsten Jahres schließen zu wollen. Davon wären 700 der insgesamt 2200 Arbeitsplätze betroffen. Im Stammwerk in Saarbrücken plant das Unternehmen, wegen der mangelnden Auftragslage 300 von 1500 Stellen zu streichen.

          Kundgebung vor dem Frankfurter Hauptbahnhof

          Damit Mitarbeiter, die entlassen werden, abgesichert sind, wollen Betriebsrat und Gewerkschaft einen Sozialtarifvertrag erstreiten. Sie fordern eine Weiterqualifizierungsgesellschaft und Abfindungen. Die Beschäftigten der Neuen Halberg Guss stehen deshalb seit nunmehr rund einem Monat im Dauerstreik, seitdem steht auch die Produktion still in dem Unternehmen, das seit dem Jahreswechsel der bosnisch-deutschen Unternehmerfamilie Hastor gehört. Sie hatte vor zwei Jahren Bekanntheit erlangt, nachdem sie sich mit dem Volkswagen-Konzern eine Auseinandersetzung um die Fortsetzung der Zusammenarbeit geliefert hatte. Damals ging es um die sächsischen Zulieferer ES Automobilguss und Cartrim, die im Zuge des Streits Lieferungen aussetzten, wodurch Volkswagen gezwungen war, zeitweise die Produktion zu stoppen.

          Erstes Angebot unterbreitet

          Bei der Neuen Halberg Guss könnten sogar noch mehr Stellen wegfallen als die bisher genannten rund 1000 Arbeitsplätze. Am Mittwoch wurden Sorgen laut, dass sich weitere Kunden von dem Zulieferer abwenden könnten. Dem Vernehmen nach erwägen mehrere Kunden, Werkzeuge von der Neuen Halberg Guss abzuziehen. In der Zuliefererbranche ist es mitunter üblich, dass der Auftraggeber dem Auftragnehmer spezielle Maschinen oder Utensilien mitfinanziert oder gleich ganz zur Verfügung stellt. Sollten die Kunden die Werkzeuge tatsächlich aus Saarbrücken und Leipzig zurückholen, würde dies das Unternehmen hart treffen.

          Die Verhandlungen um den Sozialtarifvertrag sollten am späten Donnerstagvormittag beginnen. Ob es zu einer Lösung kommt, war nach Gewerkschaftsangaben offen. Am frühen Nachmittag wurden die Verhandlungen zunächst unterbrochen, nachdem die Geschäftsleitung ein erstes Angebot unterbreitet hatte.

          Es sieht vor, dass der letzte Bruttolohn mit den Jahren der Betriebszugehörigkeit multipliziert wird, die Abfindung je Mitarbeiter betrage dann 40 Prozent dieses Ergebnisses. Zusätzlich sollen Mitarbeiter mit Kindern oder mit einer Schwerbehinderung Einmalzahlungen erhalten in Höhe von 2500 Euro je Kind oder 3000 Euro im Falle einer Schwerbehinderung. Zudem soll in Abstimmung mit der Bundesagentur für Arbeit eine Transferagentur gegründet werden für Mitarbeiter, die ihre Stelle verlieren. Laut Gewerkschaftskreisen ist das Angebot auf 50.000 Euro gedeckelt. In einer Mitteilung des Unternehmens hieß es lediglich, es handle sich um ein gedeckeltes Angebot. Das Unternehmen verpflichtet sich in dem Angebot darüber hinaus dazu, auf betriebsbedingte Kündigungen in Saarbrücken in diesem und im nächsten Jahr zu verzichten, sollten nicht weitere Kunden Aufträge abziehen. Das Angebot steht ferner unter dem Vorbehalt, dass die Mitarbeiter der Neuen Halberg Guss in Saarbrücken und in Leipzig am nächsten Montag wieder an die Arbeit gehen und den Streik beenden.

          Aus der Gewerkschaft IG Metall verlautete unterdessen, dass das am Donnerstag vorgelegte Angebot das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite noch unterschreite. Bisher sei das Produkt aus Lohnsumme und Jahren der Betriebszugehörigkeit mit dem Faktor 0,6 multipliziert worden, jetzt gehe es um den Faktor 0,4. Am Nachmittag dauerten die Verhandlungen an.

          Weitere Themen

          Stufenweise Fortschritte erarbeiten Video-Seite öffnen

          Merkel zu autonomen Fahren : Stufenweise Fortschritte erarbeiten

          Die Kanzlerin besucht ein Prüfzentrum des Daimler-Konzerns. Um nicht hinter China, Japan und den Vereinigten Staaten liegen zu bleiben, setzt die Kanzlerin auf stufenweise Fortschritte beim autonomen Fahren.

          Topmeldungen

          Kommentar zur Causa Maaßen : Lächerliche SPD

          Aus der Causa Maaßen wird eine Causa SPD. Die Sozialdemokraten sind überzeugt, dass sie Standhaftigkeit im antifaschistischen Kampf zeigen. Tatsächlich offenbart ihr Verhalten tiefe Verunsicherung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.