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Krauss Maffei : Was Chinesen aus einem deutschen Konzern machen

Im Allacher Werk von Krauss Maffei. Bild: dpa

Chinesen haben den Maschinenbauer Krauss Maffei gekauft – und beteuern: Er bleibt ein deutsches Unternehmen. Doch jetzt verliert er nach und nach an Selbständigkeit. Handelt es sich um eine chinesische Taktik?

          Der Münchner Maschinen- und Anlagenbauer Krauss Maffei (KM) will alle Sorgen zerstreuen. Keine Rede ist davon, dass der seit Anfang 2016 regierende chinesische Chemiekonzern Chem China die Leine straff anziehen könnte. Dieser Eindruck entsteht allerdings, nachdem jüngst die Einverleibung von KM in eine börsennotierte Chem-China-Tochtergesellschaft – die Qingdao Tianhua Institute of Chemistry Engineering – bekanntgegeben wurde. Vergleichbare Vorgänge in Deutschland würden mit dem Komplettverlust der Selbstständigkeit gleichgesetzt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Nicht so für Frank Stieler: „Krauss Maffei bleibt ein deutsches Unternehmen mit Firmensitz in München“, betont der Vorstandsvorsitzende von Krauss Maffei. „Die operative und unternehmerische Verantwortung bleibt in Europa, insbesondere für die Produktion, die Technologie einschließlich der Patente sowie die Forschung und Entwicklung.“ Und er versichert: „Alle Arbeits- und Betriebsvereinbarungen, Tarif- und Standortzusagen bleiben unverändert bestehen.“ Versüßt wird die Nachricht der Eingliederung sogar damit, dass das deutsche Unternehmen via Qingdao Tianhua an die Börse gebracht werde, um das künftige Wachstum zu finanzieren.

          Dabei könnte KM (sie hat nichts mit dem Rüstungskonzern Krauss Maffei Wegmann zu tun) auch ein Beispiel dafür werden, wie langfristig, mit Geduld und in Trippelschritten eher unauffällig Ziele verfolgt und mögliche Widerstände reduziert werden können. Das Thema ist sensibel, besonders seitdem sich chinesische Konzerne in Europa einkaufen. Hoch schlugen die Wellen 2016, als der chinesische Hausgerätehersteller Midea den Augsburger Roboterbauer Kuka erwarb. Die Wogen haben sich wieder geglättet. Dabei ist Kuka längst nicht auf der sicheren Seite, trotz umfangreicher Zusagen. Bei der früheren Osram-Gesellschaft Ledvance greifen die Eigentümer aus China mit einem radikalen Stellenabbau durch.

          Eigentlich gilt dieser Kauf als mustergültig

          Bei Krauss Maffei gilt der Erwerb durch Chem China eigentlich als mustergültig. Denn die Chinesen haben den Hersteller von Gummi- und Spritzgießmaschinen – etwa zur Produktion von Stoßfängern und Armaturentafeln für Autos oder von PET-Flaschen für die Getränkeindustrie – aus den Klauen von Finanzinvestoren befreit. So erhielten die Münchner wieder eine strategische Perspektive.

          In das Bild passt die Geschichte mit dem angekündigten „Börsengang“ von Krauss Maffei, wie es das Unternehmen vermittelt. Chem China nutzt den Börsenmantel einer kleinen Aktiengesellschaft mit 150 Millionen Euro Umsatz, um KM mit mehr als 1,3 Milliarden Euro Umsatz einzugliedern. Hinzu kommen noch drei Werke für Maschinen zur Gummi- und Reifenproduktion mit einem Umsatzvolumen von rund 200 Millionen Euro, die bis dato Chem China direkt betrieben hat und sich in einem recht armseligen Zustand befunden haben sollen. Am Ende wird die neue Gesellschaft einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erzielen, der nach Aussagen von Stieler mittelfristig auf 2 Milliarden Euro steigen soll.

          Begleitet wird die Transaktion von einer Kapitalerhöhung im Volumen von etwa 200 Millionen Euro. Chem China wird mit 51 Prozent an der Qingdao Tianhua Mehrheitsaktionär bleiben. „Da 85 Prozent des Geschäfts der zukünftigen Gesellschaft von Krauss Maffei beigesteuert werden, besteht Konsens, dass die Gesamtverantwortung dem entsprechen wird“, versichert Vorstandschef Stieler. Die KraussMaffei GmbH werde auch weiterhin bestehen – als 100-prozentige Tochter der Qingdao Tianhua. Es wechsle lediglich die Eigentümerschaft innerhalb des Verbundes von Chem China.

          Es kann sich aber genauso um einen kleinen von vielen noch möglichen Schritten handeln, um KM enger und weniger auffällig anzubinden. So steht die Transaktion nur unter der Obhut chinesischer Behörden, die die Pläne von Chem China bereits prüfen und gar schon erste Freigaben vorlegen. Genehmigungen deutscher Behörden sind nicht erforderlich.

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