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Mögliche Übernahme : Warum Opel die Wende verpasst hat

Im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim arbeiten mehr als 15.000 Mitarbeiter. Bild: dpa

Warum hat es Opel in den vergangenen Jahren nicht geschafft, wieder Gewinne zu erwirtschaften? Wettbewerber Ford macht schließlich vor, wie es besser geht.

          Eigentlich hatte der Autohersteller Opel in diesem Jahr Großes vor. Unter dem Motto „7 in 17“ wollte die Tochtergesellschaft des amerikanischen General-Motors-Konzerns sieben neue oder zumindest neugestaltete Modelle auf den Markt bringen – und im besten Fall auch an den Kunden. Seit diesem Dienstag ist die Modelloffensive in den Hintergrund gerückt. Die Verkaufsgespräche zwischen General Motors und dem französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroën haben die Neuheiten erst einmal von der Tagesordnung verdrängt und eine alte Frage wieder zum Vorschein gebracht: Warum hat es Opel in den vergangenen Jahren nicht geschafft, in einem an sich guten Marktumfeld wieder Gewinne zu erwirtschaften? Schließlich schreibt das Unternehmen nun schon seit 18 Jahren Verluste. Im vergangenen Jahr belief sich das Minus auf 257 Millionen Dollar. Immerhin war das weniger als ein Jahr zuvor, als das Unternehmen noch mehr als 800 Millionen Dollar verlor.

          Die Antwort auf diese Frage liegt nicht unbedingt auf der Hand. Denn eigentlich war das vergangene Jahr ein gutes für Opel. Nach Angaben des Unternehmens stiegt die Zahl der verkauften Autos in Europa um 4 Prozent auf 1,16 Millionen Fahrzeuge. Das sei der höchste Absatz seit fünf Jahren gewesen, hieß es Anfang Januar. Ein Blick in die Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes verdeutlicht zudem, dass in manchen Fahrzeugsegmenten Autos mit dem Opel-Blitz zu den beliebtesten ihrer Klasse zählen. So war der Kleinwagen Opel Corsa nach Neuzulassungen im vergangenen Jahr mit 11,3 Prozent Marktanteil hinter dem Polo von Volkswagen das zweitbeliebteste Auto. In der Kompaktklasse, die nach dem alles dominierenden Platzhirsch auch Golf-Klasse genannt wird, landete der Astra mit 7,7 Prozent Marktanteil ebenfalls auf dem zweiten Rang. Und auch im stetig wachsenden SUV-Segment reichte es für den sportlichen Geländewagen Mokka zu einem zweiten Platz.

          Russland-Geschäft belastete die Bilanz

          Dass Opel es dennoch wieder nicht über die Gewinnschwelle geschafft hat, liegt zuerst einmal daran, dass das Unternehmen nicht erst mit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor neun Jahren in Schieflage geriet. Wegen ausbleibenden Erfolgs begann General Motors schon kurz nach der Jahrtausendwende damit, sein Europageschäft zu sanieren. Damals strich der Mutterkonzern 12.000 Arbeitsplätze, die meisten davon in Deutschland. Als im Zuge der Finanzkrise vor neun Jahren General Motors selbst in Geldnöte geriet, musste Opel gar bei der Bundesregierung um staatliche Unterstützung bitten. Vor acht Jahren kam es dann schon einmal zu einem Beinahe-Verkauf, als General Motors erwog, Opel an den österreichischen Autozulieferer Magna zu veräußern. Später kam es zu einer zweiten Sanierungsphase und der Werksschließung in Bochum, wo mehr als 3000 Menschen beschäftigt waren.

          Opel ist das Schlusslicht Bild: FAZ.NET / Statista - Lizenz: CC BY-ND

          In der jüngeren Vergangenheit litt Opel dagegen unter externen Faktoren. Vor zwei Jahren belastete das stillgelegte Russland-Geschäft die Bilanz. Im vergangenen Jahr kam schließlich die Entscheidung der Briten hinzu, aus der Europäischen Union auszutreten. Im Herbst bezifferte die Opel-Muttergesellschaft General Motors die Sonderkosten für den Brexit auf 400 Millionen Dollar. Opel betreibt in Großbritannien zwei Produktionsstandorte. Wegen des schwachen Pfunds steigen dort die Herstellungskosten.

          Ford mit besserer Preispolitik

          Hinzu komme, dass Opel als Hersteller von günstigeren Autos für eine breite Kundschaft in einem harten Wettbewerb stehe. Der Massenmarkt sei ein Geschäft, mit dem sich nur eine niedrige Gewinnmarge erzielen lasse, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Zudem gebe es aber auch weiter hausinterne Schwierigkeiten. „Der Ruf der Marke hat sich zwar verbessert, aber eben nicht so stark wie vielleicht nötig.“ Andere Hersteller stünden nicht nur in dieser Frage in Europa besser da, zum Beispiel der amerikanische Hersteller Ford.

          In der Tat war das Europageschäft von Ford in Europa in der jüngeren Vergangenheit zunächst ähnlich wie bei Opel ein Verlustbringer. Zwischen den Jahren 2012 und 2014 belief sich das Minus von Ford auf dem Kontinent auf fast 4 Milliarden Dollar. Anders als Opel hat das Unternehmen allerdings in den vergangenen beiden Jahren wieder Gewinne in Höhe von fast 1,5 Milliarden Euro geschrieben, während Opel verlustreich blieb.

          Laut Bratzel liegt das auch daran, dass das Ford-Management unter dem bis zum Jahr 2014 amtierenden Präsidenten Alan Mulally das Unternehmen nachhaltiger umstrukturiert habe. „Für das Europageschäft gab es damals strikte Vorgaben. Auch harte Einschnitte blieben nicht aus, etwa die Werksschließung in Belgien.“ Doch habe diese Vorgehensweise das Unternehmen eben gesunden lassen. Zudem hat Ford dem Autofachmann zufolge eine bessere Preispolitik betrieben. „Das Unternehmen hat die ,Rabattitis‘ gestoppt und weniger Nachlässe auf seine Produkte gegeben.“ Opel gewähre dagegen heute immer noch Preisabschläge und lasse einen Anteil seiner Fahrzeuge erst einmal auf sich selbst zu, um die Absatzzahlen künstlich in die Höhe zu treiben. „Das ist vor allem in einem Wettbewerbsumfeld mit geringen Margen ungünstig“, sagt Bratzel. All diese Gründe zusammengenommen haben nun offensichtlich bei General Motors die Frage aufkommen lassen, ob sich diese Herausforderungen im laufenden Jahr bewältigen lassen.

          Quelle: F.A.Z.

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