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Geldhäuser im Umbruch : Warum es gerade jetzt um eine Riesenlandesbank geht

Die Landesbank Baden-Württemberg sitzt in Stuttgart. Bild: dpa

Digitalisierung, Größenvorteile, niedrige Zinsen: In die deutsche Bankenlandschaft gerät Bewegung. Auf dem Weg zu einem einzigen Sparkassen-Spitzeninstitut steht aber mindestens eine Hürde.

          Die deutschen Bankenbranche befindet sich im Umbruch, die Zahl der Geldhäuser geht zurück, in der Fläche verschwinden viele Filialen, an der Spitze ist das große Thema: Zusammenschluss. Die Genossenschaftsbanken haben das vorgemacht, indem sie nach mehreren, zum Teil sehr kontrovers verlaufenen Versuchen im vergangenen Jahr die DZ Bank mit der WGZ Bank verschmolzen haben und nun über ein Spitzeninstitut verfügen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Regelmäßig gibt es mittlerweile Spekulationen darüber, ob sich die beiden großen Privatbanken des Landes, die Deutsche Bank und die Commerzbank, irgendwann für eine Fusion entscheiden – und die ernüchternde Geschäfts- und Aktienkursentwicklung wird dazu beitragen, diese Spekulationen weiter zu befördern, auch wenn der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Christian Sewing intern die Parole ausgegeben hat, zumindest in den kommenden 18 Monaten wolle sich die Deutsche Bank auf ihre eigene Neuausrichtung konzentrieren.

          Nun erreicht die Welle offensichtlich auch die dritte Säule des deutschen Geldsektors, die Landesbanken: Die Sparkassen planen eine Riesenfusion ihrer Spitzeninstitute Helaba, LBBW und Nord LB, womöglich erweitert um die Fondsgesellschaft Deka und die Immobilienbank Berlin Hyp. Treibende Kraft dahinter ist der Sparkassenpräsident Helmut Schleweis.

          Je größer das Geschäft, desto effizienter

          Ähnliche Anläufe hat es in der Vergangenheit allerdings häufiger gegeben. Im Jahr 1989 waren die Verantwortlichen einmal kurz davor, eine einzige Landesbank zu bilden. Alle Versuche scheiterten bislang jedoch, entweder an den Ministerpräsidenten oder an den Sparkassenpräsidenten in den Bundesländern – schließlich ist die Sparkassengruppe eine regional verfasste Organisation.

          Das wird auch diesmal zumindest nicht leicht. Zu viele regionale und lokale Interessen dürften einem schnellen „Big Bang“ im Wege stehen. Aber, diese Prognose sei gestattet, das Thema wird nicht mehr verschwinden.

          Denn der Zug kommt nicht zufällig gerade jetzt in Fahrt und er gründet auf mehreren nachhaltigen Trends: Erstens ist ein großer Teil des traditionellen Bankgeschäfts, das mit weitgehend standardisierten Produkten betrieben wird, skalierbar. Mit anderen Worten: Je größer das Geschäft betrieben wird, um so effizienter ist es.

          Nicht nur die niedrigen Zinsen sorgen für Druck

          In dieser Hinsicht ähneln Banken in weiten Teilen ihres Geschäfts Versorgern. Zweitens sorgen niedrige Zinsen für Ertragsdruck vor allem in jenen Banken, die in diesem Geschäft stark vertreten sind. Für viele deutsche Banken ist das Zinsgeschäft bisher die wichtigste Ertragsquelle. Es spricht nichts dafür, dass sich am Szenario niedriger Zinsen in den kommenden Jahren viel ändern wird.

          Drittens sorgen Regulierungen für einen hohen Aufwand in Banken, den sie in einem wettbewerbsintensiven Markt nicht an ihre Kunden weitergeben können. Und viertens sorgt die Digitalisierung nicht nur für neue Wettbewerber, sie erfordert auch hohe Investitionen in den Banken, für das Geld aber knapp ist.

          Ein Gegenargument lautet: Große Banken sind schlecht, weil es großen Ärger gibt, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Das Argument ist im Prinzip richtig, muss aber im konkreten Fall überprüft werden. Weder aus einer Fusion aus Deutscher Bank und Commerzbank noch aus einer großen Landesbank würden im internationalen Vergleich große Banken entstehen.

          Ein besonders untaugliches Gegenargument ist schließlich, dass kein Gesunder entsteht, wenn man Kranke zusammenlegt, denn: Der Zusammenschluss von Unternehmen folgt nicht der Logik einer Erstklässler-Mathematik; vielmehr besteht der Sinn solcher Zusammenschlüsse darin, die Kostenbasis erheblich zu senken, ohne die Ertragskraft des gemeinsamen Instituts zu ruinieren.

          Richtig ist, dass jeder Zusammenschluss erhebliche praktische Probleme aufwirft. Und auch schlecht gemanagt werden kann. Aber dieses operationale Risiko kann kein Grund sein, strategisch richtige Projekte nicht anzugehen.

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