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Warren Buffett Das Orakel hat jetzt einen Makel

03.05.2009 ·  Jahrzehntelang galt Warren Buffett als Investmentlegende. Jetzt kratzt die Wirtschaftskrise an seinem glanzvollen Image. Der Aktienkurs seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hat sich binnen eines halben Jahres halbiert. Und dann muss Buffett noch einräumen, ein paar „dumme Dinge“ gemacht zu haben.

Von Dyrk Scherff
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Im vergangenen Oktober blitzte der Glanz von Warren Buffett noch einmal auf: Nach der Lehman-Pleite stürzten ringsherum die Kurse, Panik breitete sich aus - und die Aktie von Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway schoss fast auf alte Rekordhochs: Die Investmentlegende war die letzte Instanz, der die Anleger noch trauten. Schließlich hatte er schon viele Anleger reich gemacht, weil er ein gutes Händchen mit seiner Strategie besaß, Unternehmen billig einzukaufen, lange dabei zu bleiben und dann teuer abzustoßen. Doch diesmal wurde das Vertrauen enttäuscht. Rasch nach dem Kursfeuerwerk stürzte seine Aktie ab und halbierte sich in etwa. Damit war er noch schlechter als der Gesamtmarkt. Diesen Absturz musste er nun rechtfertigen. Am Wochenende trafen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung in der Kleinstadt Omaha.

Doch zum ersten Quartal erfuhren die 32.000 anwesenden Anteilseigner nichts. Zufall oder nicht: Die - wohl schlechten - Geschäftszahlen werden anders als üblich diesmal erst nach dem Aktionärstreffen bekanntgegeben. Stattdessen gestand der sonst so allwissende Buffett ein, dass er auch nicht vorhersagen könne, wann sich Konjunktur und Märkte wieder nachhaltig erholen würden. Schon kurz vor dem Treffen hatte er die Euphorie gedämpft. Er sehe anders als andere keine Zeichen der Besserung auf dem amerikanischen Häusermarkt, dem Ursprung der Finanzkrise.

„Die Möglichkeit eines Verlustes ist gestiegen“, räumte er ein

Seit ihrer Verschärfung im Herbst haben sich auch die negativen Nachrichten von Berkshire gehäuft und am guten Image gerüttelt. Seine vielen Beteiligungen an Finanzdienstleistern und Versicherungen, etwa an Wells Fargo oder American Express, haben Buffett mit in die Krise gerissen. Richtig skeptisch sind die Anleger in Bezug auf seine Transaktionen mit spekulativen Derivaten. Zum Jahresende hielt er üppige 67 Milliarden Dollar in solchen Geschäften. Darüber gab er wenig preis, was die Märkte misstrauisch machte. "Die Möglichkeit eines Verlustes ist gestiegen", räumt Buffett lediglich in einem Brief an seine Aktionäre selbst ein.

Und schreibt weiter, dass er ein paar "dumme Dinge" gemacht habe. Zum Beispiel hat er im Sommer 2008 seine Beteiligung am Ölkonzern Conoco Philips erhöht, als die Ölpreise Rekordstände erreichten. Mit dem Preisrückgang des Rohstoffs fiel auch der Wert der Anteile. Auch zwei irische Banken kaufte er zu früh. Und die Einstiege bei Goldman Sachs und dem Mischkonzern General Electric im vergangenen Jahr waren bisher ebenso wenig vom Erfolg gekrönt.

Buffett ist nicht mehr der reichste Mann der Welt

Der Buchwert der Berkshire-Aktie sank durch seine Fehlgriffe kräftig - erst das zweite Mal nach 2001, als die Terroranschläge seine Versicherungsaktien trafen. Als Strafe entzogen ihm die Ratingagenturen im März und April seine bisherige Bestbewertung "AAA" für hervorragende Schuldnerqualität - eine für Unternehmen äußerst seltene Auszeichnung. Das Top-Rating sei angesichts der Rezession nicht mehr gerechtfertigt. Berkshire ist unter anderem an Sanofi-Aventis, Walmart, Procter & Gamble, Kraft Foods und Coca-Cola beteiligt.

Und auch persönlich trafen ihn seine Fehlgriffe. Buffett ist nicht mehr der reichste Mann der Welt. Microsoft-Gründer Bill Gates hat ihn überholt. Aber Buffett wäre auch nicht Buffett, wenn er nicht überraschen könnte. Schon um die Jahrtausendwende hatten alle ihn abgeschrieben, weil er sich weigerte, Internet-Unternehmen zu kaufen. Später erwies sich das als klug. Und auch jetzt ist noch Hoffnung. Steigen die Aktienkurse wieder, was langfristig zu erwarten ist, werden seine Derivate und auch die Bankbeteiligungen Gewinne abwerfen. Buffett ist eben immer noch ein Langfristinvestor. Das soll auch sein Nachfolger sein. Der wird aus dem eigenen Unternehmen stammen, sagte der 78-Jährige.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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