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Warmer Winter : Tristesse auf der Piste und im Ski-Handel

Einsam auf der Piste: Wintersport-Liebhaber im Ferienressort Leysin in den Schweizer Alpen Bild: AFP

Der Winter ist bislang ausgeblieben und hat nicht nur die Laune der Skiurlauber verdorben. Sondern auch die im Sportfachhandel.

          Flipp Flopps für den Strandurlaub hatte die Verkäuferin von Sport Bittl im vergangenen August, als die Sommerhitze mehr als 30 Grad erreichte, nicht mehr im Angebot. Auf die eher scherzhaft gemeinte Frage, ob man nicht dann besser schon Skier kaufen sollte, antwortete sie lächelnd, aber ernst gemeint: „Können Sie haben.“ Es gab noch genügend auf Lager – aus der verkorksten Wintersaison 2014/2015.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          In diesen Tagen stehen sich die Verkäufer des Münchner Sportfachgeschäfts wie auch die von Sportscheck oder dem Sporthaus Schuster in der Innenstadt meist die Beine in Bauch. Ruhig geht es in den Ski-Abteilungen zu, während in den umliegenden Abteilungen etwa für Outdoor- und Wandermode reges Treiben herrscht und Fußgängerzonen in den letzten Tagen der Weihnachtsferien gut gefüllt sind. Etwas Betriebsamkeit ist allenfalls in Abteilungen für Ski-Schuhe und -Bekleidung zu beobachten; von Gerangel, wie es in früheren Jahren einmal zu beobachten war, jedoch keine Spur.

          Knallorange Preisschilder der in den Auslagen gestapelten Hartware – egal ob Freerider-, Telemark-, Touren-, Renn- oder einfach nur Allroundski – zeigen gegenüber den durchgestrichenen „Originalpreisen“ und dem darunterstehenden rabattierten eine noch kleinere Zahl an. Zwanzig bis dreißig Prozent Nachlass sind keine Seltenheit. Manchmal gibt es noch ein Jahr Ski-Versicherung dazu. Sport Bittl bietet im Onlineshop Nachlässe von bis zu 70 Prozent für bestimmte Freerider-Modelle an.

          „Es läuft ziemlich mau“, sagt in gedämpfter Stimme eine Verkaufskraft bei Sportscheck in der Münchner Einkaufsmeile Neuhauser Straße. Namentlich will sie nicht genannt werden. Verständlich: „Die Stimmung ist, vorsichtig ausgedrückt, sehr zurückhaltend“, formuliert es Kim Roether noch diplomatisch. Er muss es wissen. Roether ist Vorsitzender der Geschäftsführung des größten europäischen Sporthandelsverbundes Intersport.

          „Überhaupt nicht zufrieden“

          Andreas Rudolf, Geschäftsführer von Sport2000, einem anderen großen Einkaufsverbund, sagt es drastischer: „Wir sind überhaupt nicht zufrieden, was den Abverkauf angeht, insbesondere von Textilien; die Stimmung im Wintergeschäft ist angespannt.“ Der Handel stöhnt unter dem ausgebliebenen Winter. Der Blick auf den Schneebericht zeigt Tristesse auf: Lech und Zürs am Arlberg hält den Betrieb auf 162 seines 348 Kilometer langen Netzes aufrecht; Ischgl bietet 180 von 238 Kilometern; Kitzbühel schafft es auf 80 von 170 Kilometern.

          Es ist die zweite Wintersaison in Folge, die schlecht läuft und abermals dem Sporthandel Kopfzerbrechen bereitet. Mit einem Unterschied: In diesem Jahr läuft es noch schlechter. In der vergangenen Saison 2014/2015 hatte der Wettergott noch ein Einsehen und bescherte am zweiten Weihnachtstag und den Tagen darauf mit ausreichend Schnee. Das konnte damals die in den wichtigsten Verkaufsmonaten Oktober bis Dezember entstandene Delle zwar nicht ausmerzen. Doch sorgten dann noch einsetzende gute Verkäufe für einen versöhnlichen Abschluss.

          Dieses Mal ist selbst nach Neujahr kein Winter in Sicht. „Auch wenn die Pisten präpariert sind, das ,Autobahnfahren‘ ist bei solchen Verhältnissen nicht gerade berauschend, zumal es rechts und links der Pisten grün ist und das Winterfeeling fehlt“, sagt Intersport-Chef Roether. „Für die Händler ist es eine schwierige Situation, ihnen fehlt seit drei Monaten der interessante Bon“, beschreibt er die bescheidenen Durchschnittsverkäufe.

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