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Warenhauskette ist gerettet „Karstadt wird ein aufregendes Leben haben“

03.09.2010 ·  Aufatmen bei den rund 25.000 Karstadt-Beschäftigten: Die Übernahme der insolventen Warenhauskette durch den Investor Nicolas Berggruen ist perfekt. Das Essener Amtsgericht hat den Karstadt-Insolvenzplan wie erwartet angenommen. Am 1. Oktober soll Berggruen die Schlüsselgewalt für die Karstadt-Filialen erhalten.

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Das monatelange Ringen um die Rettung der Warenhauskette Karstadt ist zu einem guten Ende gekommen: Auch das Essener Amtsgericht hat den Karstadt-
Insolvenzplan angenommen. Damit ist die Übernahme der Warenhauskette durch den deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen in letzter Instanz bestätigt. Jetzt besteht nur noch eine 14-tägige Beschwerdefrist, in der mögliche Verfahrensfehler beanstandet werden können. Am 1. Oktober soll dann Berggruen die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH mit 120 Filialen und rund 25.000 Beschäftigten erhalten.

Das Bundesarbeitsministeriumhatte zuvor mitgeteilt, die Einigung auf die Übernahme des Karstadt-Konzerns sei durch alle nötigen Unterschriften bestätigt. Der künftige Karstadt-Eigentümer Berggruen hat sich optimistisch für die Zukunft der Warenhauskette geäußert. „Karstadt steht. Karstadt wird jetzt, glaube ich, ein sehr aufregendes Leben haben“, sagte er am Freitag im Karstadt-Haus am Kurfürstendamm in Berlin. „Ich bin irrsinnig glücklich, dass ich dabei bin.“ Die Mitarbeiter der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm hatten Berggruen zu der Pressekonferenz mit Applaus empfangen.

Die Gläubiger des Vermieterkonsortiums Highstreet hatten niedrigeren Mieten nach monatelangen Verhandlungen am Donnerstag grundsätzlich zugestimmt, es hatten jedoch am Freitag zunächst noch Unterschriften gefehlt, damit die Verträge auch tatsächlich in Kraft treten können.

Nach bisherigen Angaben will Berggruen die 120 Filialen und rund 25 000 Arbeitsplätze erhalten. Investieren will der 48 Jahre alte Finanzier, Sohn des legendären Kunstsammlers Heinz Berggruen, 70 Millionen Euro eigenes Kapital, die Marke Karstadt soll verjüngt und modischer werden. Der Warenhauskette bliebe damit das Schicksal des Schwesterunternehmens Quelle erspart. Dem Versandhändler blieb vor fast einem Jahr nach gescheiterten Rettungsversuchen nur die Schließung.

Der Investor hatte den Kaufvertrag bereits Anfang Juni unter Vorbehalt unterschrieben, nachdem er als Sieger aus einem Bieterverfahren hervorgegangen war. Die Einigung zwischen Berggruen und Highstreet zog sich jedoch über Monate hin. Das Konsortium, hatte unter der Ägide des früheren KarstadtQuelle-Chefs Thomas Middelhoff, der den Konzern in Arcandor umbenannt hatte, die meisten der Karstadt-Warenhäuser gekauft und dann an das Unternehmen zurückvermietet.

Für den Kauf lieh sich das Konsortium, hinter dem unter anderem die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank stehen, selbst Geld bei Kapitalgebern. Diese Gläubiger zögerten ihre Zustimmung zu den niedrigeren Mieten aber immer wieder hinaus. Der Donnerstag hatte jedoch als letzte Frist gegolten. Insolvenzverwalter Görg hatte für den Fall eines Scheiterns auch einen Plan zur Zerschlagung Karstadts in der Schublade.

Auch mit Berggruens Einstieg steht Karstadt nach Einschätzung von Branchenkenners eine ungewisse Zukunft bevor. Das Kaufhaus-Konzept für Innenstädte gilt als überholt, für die gesamte Warenhaus-Branche rechnen Experten in den kommenden Jahren allenfalls mit einer Stagnation. Entscheidend dürfte daher Berggruens Maßnahmen zur Neuausrichtung der Kette sein.

In die Röhre guckt nach dem Berggruen-Einstieg dessen Mailänder Widersacher Maurizio Borletti. Der Warenhaus-Unternehmer, der selbst an Highstreet beteiligt ist, hatte bis zuletzt auf ein Scheitern der Verhandlungen gepokert. Er wollte Karstadt selbst übernehmen. Insolvenzverwalter Görg lehnte die Offerte jedoch ab.

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Von Holger Steltzner

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