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Presse nicht zugelassen : Aktionäre von Heckler & Koch bleiben unter sich

  • -Aktualisiert am

Der Waffenhersteller Heckler & Koch hat seine Firmenzentrale im baden-württembergischen Oberndorf. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr dauerte die Hauptversammlung des Waffenherstellers nur eine Stunde. Dieses Jahr sieht das anders aus – wegen einiger weniger Friedensaktivisten.

          Der börsennotierte Waffenhersteller Heckler & Koch AG ist verschwiegen. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Oberndorf will partout keine Öffentlichkeit. Doch am Dienstag durchkreuzen rund zehn Rüstungsgegner die Pläne des Mittelständlers mit rund 800 Beschäftigten. Es ist Hauptversammlung angesagt. Treffpunkt ist ein Wellnesshotel in Sulz am Neckar, im Ortsteil Glatt. Rund eine Stunde vor Start des Treffens packen die Männer und Frauen rund um den Friedensaktivisten Jürgen Grässlin ihre Transparente aus. „Stoppt den Waffenhandel“ oder „Andere retten Leben – Wir helfen töten“ ist auf ihnen zu lesen.

          Die Gruppe steht auf dem Gehweg vor der Straße. Dezent im Hintergrund mehrere Polizeibeamte. Auf dem Hotelgelände, in einiger Entfernung, sind auch Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes zu sehen, die das Unternehmen wohl zum Schutz der Hauptversammlung engagiert hat. Grässlin und seine Anhänger sind im Besitz von einigen Aktien und nehmen an dem Aktionärstreffen teil – das ansonsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Medienvertreter sind nicht erwünscht. Sie werden von einer Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes freundlich, aber bestimmt vom Eingang wieder auf die Straße begleitet.

          Waffen nur noch an demokratische, nicht korrupte Länder

          Die letztjährige Hauptversammlung dauerte nur etwas über eine Stunde. Doch diesmal ist Kleinaktionär Grässlin mit von der Partie und das Ganze zieht sich wohl in die Länge. „Ich habe 45 Fragen“, sagt der Lehrer, bevor er zu dem Treffen geht, das seinen Angaben zufolge in einem Tagungsraum im Keller stattfindet. So fordert er die Schaffung eines Opferfonds aus Mitteln des Unternehmens, mit dem Menschen mit Schussverletzungen entschädigt werden sollen. Zuerst habe er überlegt, dass das Unternehmen zehn Millionen Euro einzahlen solle. Aber davon sei er wieder abgekommen. Nun verlange er „angemessene finanzielle“ Mittel.

          Vorstand und Aufsichtsrat hätten zugesagt, dass Thema zu diskutieren, so Grässlin nach der Veranstaltung. Er versichert, er wolle mit dem Management von Heckler & Koch in Dialog treten. Die Verantwortlichen oder andere Vertreter sind am Tag der Hauptversammlung, für die Medien nicht zu sprechen.

          Der Lehrer und seine Mitstreiter wollen im kommenden Jahr die Gruppe „Kritische Aktionäre Heckler & Koch“ gründen. Grässlin wurde nach
          eigenen Angaben auf der Hauptversammlung bestätigt, dass das Unternehmen mit einem früheren wichtigen Mitarbeiter in der
          Produktentwicklung einen Arbeitsgerichtsprozess führt. Die genauen Hintergründe für den Weggang des Mannes seien unklar. Das Unternehmen konnte für Nachfragen nicht erreicht werden. Die Kleinaktionäre monieren ferner, dass die Bezüge des Vorstands um Norbert Scheuch nicht offen gelegt werden.

          Der frühere Chef des Betonpumpenherstellers Putzmeisters und von der Werkstattkette Auto-Teile Unger (ATU) versucht, den Mittelständler aus den Schlagzeilen der letzten Jahre herauszuholen. Er änderte die Strategie, sodass künftig nun nur noch Waffen an Länder geliefert werden, die demokratisch, nicht korrupt sowie Nato-Mitglieder oder deren Partner seien. Damit fallen etwa Staaten wie Saudi-Arabien, Brasilien, Indien und Mexiko künftig weg. Für Grässlin ist das nur bedingt glaubwürdig, weil das Unternehmen beispielsweise weiter nach Indonesien lieferte. Der Mittelständler hatte dies mit der Erfüllung bestehender Verträge begründet.

          Er war in der Vergangenheit wegen des Sturmgewehrs G36, dem bisherigen Standardgewehr der Bundeswehr, lange in den Schlagzeilen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte daraufhin entschieden, 167.000 Gewehre des entsprechenden Typs wegen unzureichender Treffsicherheit bei Dauerfeuer oder großer Hitze auszumustern. Vor dem Landgericht Koblenz scheiterte sie aber mit einer Schadenersatzklage. Die Bundeswehr könne keinen Schadenersatz für die von ihr als mangelhaft kritisierte Waffe geltend machen, urteilte das Gericht. Das Gewehr weiche nicht negativ von der vertraglich vorausgesetzten Beschaffenheit ab. Doch die Ministerin hielt an ihrer Entscheidung fest, die Waffe zu ersetzen.

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          Die Ausschreibung des Nachfolgemodell startete im April. Es geht um etwa 120.000 Sturmgewehre und Zubehör und einen Auftragswert, der nach Branchenangaben bei bis zu 500 Millionen Euro liegen soll. Neben dem schwäbischen Hersteller wollen sich unter anderem auch der Rüstungskonzern Rheinmetall und sein österreichischer Partner Steyr Mannlicher sowie die Sig-Sauer-Gruppe um den Großauftrag bemühen. Die entsprechenden Verträge sollen im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen werden, wie eine Sprecherin des Verteidigungsministerium bekräftigt. Heckler & Koch gewann in der Vergangenheit oftmals Ausschreibungen der Bundeswehr.

          Für das Unternehmen ist diese Hauptversammlung deshalb auch eine besondere. Denn erstmals wird sie von Kleinaktionären begleitet. Außerdem werden die Weichen für den Abbau der Schulden und eine günstigere Refinanzierung gestellt.

          Quelle: FAZ.NET

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