12.05.2009 · VW-Aufsichtsratschef Piëch hat den Hoffnungen von Porsche-Chef Wiedeking auf eine Fusion auf Augenhöhe mit Volkswagen einen deutlichen Dämpfer verpasst. Und er macht Andeutungen, die für Wiedekings persönliche Zukunft bedrohlich erscheinen.
Von Johannes RitterFerdinand Piëch hat sich in scharfen Worten gegen die Fusionspläne von Porsche mit Volkswagen ausgesprochen. Er fürchtet, dass eine Fusion bilanziell und finanziell zu Lasten von VW gehen könnte: „Volkswagen wird die finanziellen Probleme von Porsche nicht lösen“, sagte Piëch am Rande der Präsentation des neuen VW-Kleinwagens Polo in Porto Cervo auf Sardinien. „Die Fusion unter den jetzigen Bedingungen würde VW vorhandene Rechte kosten“, sagte Piëch mit Blick auf den drohenden Wegfall der im VW-Gesetz verbrieften Sonderrechte. In einer ersten Stellungnahme von Porsche zu den Äußerungen Piëchs hieß es: „Wir werden Herrn Dr. Piëch nicht über die Medien antworten. Das würde nur der Unterhaltung des Publikums dienen.“
Mit seinem Vorstoß hat Piëch sowohl Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking als auch seinen Cousin Wolfgang Porsche düpiert, die dafür kämpfen, dass die Porsche Holding SE mit der Volkswagen AG vereinigt wird. Piëch favorisiert einen anderen Weg hin zum „integrierten Automobilkonzern“. Seiner Ansicht nach sollte VW der Porsche Holding das operative Sportwagengeschäft, also die Porsche AG, abkaufen und Porsche als zehnte Marke unter das VW-Konzerndach hängen. Auch das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist, und die Arbeitnehmervertreter von Volkswagen bevorzugen diesen Weg.
„Ich favorisiere das, was schnell und schmerzarm ist“
Es gebe drei Wege für eine Zusammenführung von VW und Porsche, sagte Piëch. „Die Porsche AG bei VW zu integrieren ist eine der Lösungen“, bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende. Es könnten auch verschiedene Wege kombiniert werden. „Ich favorisiere das, was schnell und schmerzarm ist.“ Falls die Porsche AG gekauft würde, werde VW nur so viel zahlen, wie man an Gegenwert bekomme. Auf die Frage, ob der kolportierte Wert von 11 Milliarden Euro richtig sei, sagte Piëch: „Das ist sicherlich ein paar Milliarden Euro zu hoch gegriffen.“ Er betonte, dass in dieser Annahme die Optionen der Porsche Holding auf den Erwerb von weiteren 20 Prozent der VW-Stammaktien nicht enthalten seien.
Genau vor diesen Risiken hat VW offenbar Angst: Piëch sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass Volkswagen die Optionsgeschäfte in die eigenen Bücher nehme. Obwohl Piëch Miteigentümer von Porsche ist, weiß er nach eigenem Bekunden selbst nicht, wie groß die Risiken sind. An diese Informationen sei er nicht herangekommen. „Ich bin doch nur ein einfaches Aufsichtsratsmitglied.“ Mit Blick auf Porsches Aktienoptionen und deren Nettoverschuldung von 9 Milliarden Euro stellte Piëch fest: „Porsche muss die grundlegenden Probleme selbst lösen. VW wird das nicht tun.“ Bei VW wisse man durch die Veröffentlichungen genau, wo das Unternehmen stehe. „VW ist sehr transparent bis zu den Bezügen von Vorstand und Aufsichtsrat.“ Bei der Porsche SE könne man die Risiken aus der Bilanz nicht herauslesen. Er wisse auch nicht, wie viel Geld Wiedeking verdiene.
„Zurzeit steht nichts gegen Wiedeking“
Gefragt nach der Verantwortung von Wiedeking und ob er sich wünsche, dass er im Amt bleibe, sagte Piëch: „Zurzeit steht nichts gegen ihn. Er bemüht sich, den Reifendefekt zu reparieren.“ Möglicherweise sei es aber auch ein Reifenschaden, der nicht mehr mit Schaum zu flicken sei, mahnte Piëch. „Für Porsche war Wiedeking das Beste in den vergangenen 15 Jahren.“ Auf die Gegenfrage „Wieso ,war'?“ antwortete Piëch: „Es steht mir nicht an, ihn abzulösen.“ Auf die Frage, ob Wiedeking wohl von sich aus das Handtuch werfen werde, sagte Piëch: „Wiedeking wird nicht kneifen.“
Der kleine Sportwagenbauer Porsche habe sich mit seiner Anschleichtaktik und seinen Börsenwetten, bei denen andere Marktteilnehmer viel Geld verloren haben, keine Freunde gemacht: „Der Kleine hat die Banken stark vergrätzt. Das vergessen die Banker nicht“, sagte Piëch.
Der Möglichkeit, dass ein dritter Investor bei Volkswagen einsteigt, um die Finanzprobleme zu lösen, erteilte Piëch eine Absage. Zunächst müssten die akuten Probleme gelöst werden. Wenn dies erledigt sei, sei ein weiterer Investor willkommen. Piëch deutete an, dass der Hauptsitz eines Gemeinschaftsunternehmens in Wolfsburg liegen werde.
Piech pocht auf Vetorecht bei Porsche
VW sei für den Erhalt des VW-Gesetzes. Er habe 30 Jahre mit diesem Gesetz leben müssen, jetzt müssten „die anderen“ das eben auch. Piëch machte deutlich, dass er selbst bei Porsche ein Vetorecht habe: „Mein jüngerer Bruder und ich haben mehr als 26 Prozent an der Porsche SE. Dagegen läuft nichts.“ Folglich müsse innerhalb der Porsche-Eigentümerfamilien Einstimmigkeit erreicht werden. Trotz aller Differenzen und Auseinandersetzungen hält Piëch das für möglich: „Wir sind in Grundsatzfragen nicht auseinander.“
Einem etwaigen Schulterschluss von Fiat mit Opel und Chrysler sieht Piëch gelassen entgegen. Auf die Frage, ob dies die Position von VW als Europas größtem Automobilhersteller gefährden könnte, fragte er zurück: „Sie meinen, wenn genügend Fußkranke zusammen sind, laufen sie den Weltrekord?“ Es sei beruhigend, dass in dieser geplanten Allianz kein Starker dabei sei. Piëch verwies darauf, dass eine solche Zusammenführung Zeit erfordere, bis sie Früchte trage. Bei VW und Audi habe es 15 Jahre gedauert.
Wenn es nach Piëch geht, soll der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn offenbar auch den künftigen VW-Porsche-Konzern führen. Winterkorn glaubt, dass es mehr als ein Jahr dauern wird, bis die Struktur des neuen Gebildes stehe. Die Grundsatzentscheidungen dafür sollen indes schon in den nächsten Wochen fallen. „Wir haben das Zeug, der Champion der internationalen Automobilindustrie zu werden und auf Dauer zu bleiben“, sagte Winterkorn.
Bafin ermittelt gegen Porsche
Unterdessen teilte eine Sprecherin der Finanzaufsicht Bafin mit, dass die Behörde förmliche Ermittlungen gegen Porsche wegen des Verdachts der Marktmanipulation aufgenommen habe. Ausgangspunkt der Untersuchung sei ein Medienbericht, wonach Porsche schon im Februar 2008 beschlossen habe, die Anteile bei VW aufzustocken, während dies noch im März von Porsche in einer Pressemitteilung dementiert worden sei. Wenn sich der Verdacht der Irreführung bestätige, dann werde Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt, heißt es bei der Bafin. Zunächst müsse das Ergebnis der Untersuchung abgewartet werden. Es sei nicht auszuschließen, dass jemand diese Informationen gestreut habe, um Porsche Böses zu wollen.
Wer glaubt, dass
Walther Schmidt (silitoe)
- 12.05.2009, 12:36 Uhr
Der Fünfer und der Weggen - Piëch ist der Unglaubwürdige!
Gabriel Burgener (Karakas4)
- 12.05.2009, 13:18 Uhr
@Gabriel Burgener
La Hire (Limette)
- 12.05.2009, 13:55 Uhr
@ Hans Wurst
Marco Weihert (crocos)
- 12.05.2009, 16:30 Uhr
Piech/Wiedeking, hier: Spekulationen
Christoph Runge (Chris271)
- 12.05.2009, 17:37 Uhr
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