17.05.2009 · Der Kampf um den geplanten Schulterschluss zwischen Volkswagen und Porsche hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. VW legte die Gespräche über ein Zusammengehen mit Porsche auf Eis. „Das Handtuch ist zerschnitten“, heißt es in Wolfsburg. Und Niedersachsens Ministerpräsident Wulff setzt noch einen drauf.
Von Johannes RitterDer Kampf um den geplanten Schulterschluss zwischen Volkswagen und Porsche hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Aus Ärger über das Verhalten des Sportwagenbauers hat Volkswagen die Gespräche mit Porsche unterbrochen. Damit erhöht sich der Druck auf die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, die sich am Montag zu einer Aufsichtsratssitzung zusammenfinden. Ein VW-Sprecher sagte, der für Montag angesetzte Gesprächstermin über das Zusammengehen der beiden Unternehmen auf Arbeitsebene sei abgesagt worden. VW schließe sich der Auffassung seines Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh an, wonach es derzeit keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche gebe.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kritisierte Porsche: „Ich fordere von Porsche endlich die Verlässlichkeit, die das Land Niedersachsen, Volkswagen und die Betriebsräte von VW immer an den Tag gelegt haben. Ansonsten ist der Sportwagenbauer als VW-Mehrheitsaktionär eine Gefährdung der Volkswagen AG“, sagte Wulff im Gespräch mit der F.A.Z. Niedersachsen ist mit 20 Prozent an VW beteiligt.
Wulff erwartet von den Eigentümerfamilien sowie dem Vorstand und der Belegschaft von Porsche, „dass sie sich auf eine Position einigen und konstruktiv auftreten“. Zu den Gerüchten, wonach sich Porsche bei der Staatsbank KfW um einen Milliardenkredit bemühe, sagte Wulff: „Es ist abwegig, dass ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr dank seiner Optionsgeschäfte mehr Gewinn als Umsatz gemacht hat, nun den Steuerzahler um eine Finanzierung anpumpt.“ Porsche reagierte gelassen: Die Verhandlungen mit VW „werden ganz normal weitergeführt“; lediglich der Termin am Montag sei abgesagt worden, teilte das Unternehmen mit.
„Wiedeking & Co. spielen nicht mit“
Nach Informationen der F.A.Z. sind die VW-Verantwortlichen sehr verärgert über das Verhalten des Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking. Während der bisherigen Gespräche über einen Zusammenschluss hätten die Stuttgarter nicht die gewünschten, relevanten Informationen vorgelegt. „Wiedeking & Co. spielen nicht mit. Entgegen der Absprachen legen sie die Bücher nicht offen. Da wird getrickst und getäuscht. Das Handtuch ist zerschnitten“, heißt es in Konzernkreisen. Wie berichtet, fürchten sich die Wolfsburger vor der hohen Verschuldung der Porsche Holding SE und vor den Risiken in den vollkommen intransparenten Optionsgeschäften, mit denen sich die Stuttgarter den Zugriff auf 20 Prozent der VW-Aktien gesichert haben.
Nach interner Lesart von VW ist Porsche nicht fusionsfähig. Als Beleg für die stark angespannte finanzielle Lage bei Porsche gilt folgende Geschichte: Nach F.A.Z.-Informationen haben Wolfgang und Oliver Porsche sowie Ferdinand Piëch VW Ende März noch selbst um Hilfe gebeten: Die Wolfsburger sollten der Porsche Holding SE das operative Sportwagengeschäft abkaufen. Denn Porsche drohte damals bei den Verhandlungen mit den Banken um die Verlängerung eines 10-Milliarden-Euro-Kredits vor die Wand zu fahren. Die Verlängerung gelang nur mit doppelter Hilfe: VW soll Porsche einen Kredit über 700 Millionen Euro gewährt haben. Christian Wulff setzte sich bei ihm bekannten Bankern für Porsche ein. Wulff soll sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu bewegt haben, sich bei Bankern, die ihr nahestehen, für den Sportwagenbauer einzusetzen.
Wulffs „kluge Autofahrerweisheit“
Für das Entgegenkommen der Banken musste Porsche angeblich Abstriche bei seinem Betriebsmittelkreditrahmen machen. Dies könnte erklären, warum auch nach der Einigung mit den Banken immer wieder über eine angespannte Liquiditätslage bei Porsche spekuliert wird. Porsche weist diese Spekulationen strikt zurück. Der VW-Betriebsratschef Osterloh ging am Sonntag stark auf Distanz zu Porsche: „Wir sind nicht diejenigen, die um Gespräche gebeten haben. Und wir lassen es nicht zu, dass Volkswagen und einzelne Personen unseres Unternehmens in Misskredit gebracht werden, weil es bei Porsche keine Linie gibt.“ Damit spielte Osterloh wohl auf die Pläne von Uwe Hück an. Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende hat die Mitarbeiter aufgerufen, an diesem Montag gegen den VW-Patriarchen Ferdinand Piëch zu demonstrieren. Piëch hatte Wiedeking und dessen Übernahmestrategie scharf kritisiert.
Wulff forderte alle Beteiligten auf, nach vorne zu schauen: „Eine kluge Autofahrerweisheit besagt: Man schaut mindestens zu 95 Prozent durch die Frontscheibe nach vorne und allenfalls zu 5 Prozent in die Rück- und Seitenspiegel. Deshalb geht es der Landesregierung allein um die Zukunft der beiden erfolgreichen Unternehmen Volkswagen und Porsche und ihre Arbeitsplätze und nicht um das Schlagen der Schlachten von gestern.“
Zerschnittenes Handtuch.
Wolfgang Eickmann (weickmann)
- 17.05.2009, 21:46 Uhr
Lehrstück
gisbert heimes (gisbert4)
- 17.05.2009, 22:16 Uhr
Wer braucht Porsche?
heinz Kaiserbubu (Kaiserbubu)
- 17.05.2009, 22:29 Uhr
Sprichwörter sind schwer
Benjamin Blümchen (BenjaminBe)
- 17.05.2009, 22:30 Uhr
Genau, Herr Eickmann
Marvin Parsons (mapar)
- 17.05.2009, 23:33 Uhr
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