Home
http://www.faz.net/-gqi-756fr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

VW-Übernahme Staatsanwaltschaft klagt Wiedeking an

Die Staatsanwaltschaft klagt die früheren Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter an. Ihnen wird Kursmanipulation vor der gescheiterten VW-Übernahme vorgeworfen. Andere Vorwürfe werden fallengelassen.

© dapd Vergrößern Wendelin Wiedeking wird eine Manipulation des Aktienkurses vorgeworfen

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat den früheren Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und seinen damaligen Finanzvorstand Holger Härter wegen Kursmanipulation angeklagt. Das gaben die Strafverfolger am Mittwoch nach jahrelangen Ermittlungen bekannt. Die beiden früheren Manager sollen im Jahr 2008 bei dem gescheiterten Versuch, den wesentlich größeren Autobauer Volkswagen zu schlucken, die Öffentlichkeit getäuscht haben.

Joachim Jahn Folgen:      

In mindestens fünf öffentlichen Erklärungen haben sie nach Ansicht der Anklagebehörde zwischen März und Oktober geleugnet, ihre Beteiligung auf 75 Prozent aufstocken zu wollen, obwohl sie längst die Absicht dazu gehabt hätten. Gleichzeitig hätten sie dieses Vorhaben durch den Erwerb von Kaufoptionen bereits konkret vorbereitet. Dies sei nach dem Wertpapierhandelsgesetz strafbar als „informationsgestützte Marktmanipulation“.

Mehr zum Thema

Fallen gelassen haben die Ankläger hingegen ihren ursprünglichen Verdacht, Wiedeking und Härter hätten sich dadurch außerdem wegen Untreue strafbar gemacht. Die gekauften Optionen auf den Bezug von VW-Aktien hätten die liquiden Mittel Porsches zwar um ein Vielfaches überschritten. Doch lasse sich nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen, dass das Geschäftsgebaren „evident pflichtwidrig“ gewesen sei. Schon zuvor hatte die Staatsanwaltschaft den Vorwurf einer „handelsgestützten Marktmanipulation“ begraben. Dabei ging es um den Verdacht, auch die Transaktionen selbst hätten das Ziel gehabt, den Börsenpreis zu verfälschen.

Die Verteidiger erklärten: „Eine solche Anklage kann keinen Erfolg haben.“ Die Vorwürfe seien bereits „massiv zusammengeschmolzen“. Die Staatsanwaltschaft habe nunmehr selbst erkannt, dass ihre Vorwürfe weitestgehend unbegründet seien. Die Rechtsanwälte Hanns Feigen, Walther Graf und Anne Wehnert argumentieren, die öffentlichen Äußerungen des Vorstands seien damals inhaltlich durchaus zutreffend gewesen.

Der damalige Finanzvorstand Holger Härter © dpa Vergrößern Der damalige Finanzvorstand Holger Härter

Außerdem habe sogar ein Gutachten der Ermittlungsbehörden ergeben, dass sich diese Stellungnahmen gar nicht auf die Kurse ausgewirkt hätten; auch deshalb scheide eine Strafbarkeit aus. Die Verteidiger werfen den Anklägern vor, sich „ausgerechnet auf die Seite unbekannter Leerverkäufer“ zu schlagen, die „hochspekulative und irrationale Wetten“ gegen den VW-Aktienkurs eingegangen seien.

Eine Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart muss nun in den kommenden Monaten prüfen, ob sie die Anklage überhaupt zulässt. In diesem Fall würde sie Termine für eine öffentliche Hauptverhandlung ansetzen. Eine Stütze könnten die Ermittlungsergebnisse für mehrere Milliardenklagen von Hedge-Fonds bedeuten, die derzeit vor dem Landgericht Braunschweig auf Schadensersatz klagen. Denn sie könnten jetzt versuchen, sich zusätzlich auf die Beweismittel der Strafverfolger zu stützen.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
EuGH-Verhandlung Wie mächtig darf die EZB sein?

Die Euro-Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank wird vor dem höchsten EU-Gericht verhandelt. Die Kläger machen schwere Vorwürfe. Die Regierungen stehen geschlossen hinter der Notenbank. Mehr Von Philip Plickert, Luxemburg

14.10.2014, 15:58 Uhr | Wirtschaft
Jazenjuk will Russland verklagen

Russland will die Ukraine elimnieren und setzt dabei die Energieabhängigkeit als politische Waffe ein, warnt der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk. Mehr

30.05.2014, 15:11 Uhr | Politik
Bad Homburg Vater gesteht Mord an Tochter mit 41 Messerstichen

Die Tat hatte Bad Homburg im November vergangenen Jahres erschüttert: Ein 16 Jahre altes Mädchen war brutal erstochen worden. Jetzt hat der Vater ein Geständnis abgelegt. Mehr

21.10.2014, 18:41 Uhr | Rhein-Main
Wie Ölsardinen

Im vergangenen Jahr hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Italien verurteilt, weil die Gefängnisse des Landes überfüllt sind. Trotz erster Schritte, klagen viele Insassen in Rom über die schlechten Bedingungen. Mehr

20.06.2014, 15:56 Uhr | Gesellschaft
Pistorius-Prozess Richterin verkündet Strafe für Paralympics-Star

Muss der berühmteste Behindertensportler der Welt wegen der fahrlässigen Tötung seiner Freundin ins Gefängnis? Das Gericht in Südafrika will heute die Strafe für Oscar Pistorius bekannt geben. Seine Verteidiger fordern Hausarrest und gemeinnützige Arbeit. Mehr

21.10.2014, 04:00 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.12.2012, 11:15 Uhr

Indonesiens unerfahrener Hoffnungsträger

Von Christoph Hein, Singapur

Gerade wurde Indonesiens neuer Präsident Joko Widodo eingeschworen. Die Erwartungen an ihn sind riesig. Aber ist er seinem Amt gewachsen? Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wie wichtig ist die Raumfahrt für Deutschland?

Dass die Raumfahrernation Amerika viel in die Erforschung des Weltraums investiert, ist keine Überraschung. Aber selbst in Italien, Japan und Frankreich hat die Raumfahrt einen höheren Stellenwert als hierzulande. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden