Home
http://www.faz.net/-gqi-10zjf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

VW-Übernahme Porsche zögert mit Aufstockung bei Volkswagen

26.11.2008 ·  Wegen des anhaltend hohen Volkswagen-Aktienkurses und des wirtschaftlichen Umfelds verschiebt Porsche die angekündigte Aufstockung seines Anteils auf mehr als 50 Prozent ins nächste Jahr. Außerdem wurde jetzt klar: Die Absatzkrise der Autobauer trifft auch den Sportwagenhersteller.

Von Susanne Preuß
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (2)

Die Kurskapriolen der VW-Aktie bringen den Zeitplan von Porsche durcheinander. Der Sportwagenhersteller hatte eigentlich geplant, noch in diesem Jahr den Anteil an VW auf mehr als 50 Prozent zu erhöhen, und außerdem angekündigt, im kommenden Jahr auf 75 Prozent aufzustocken. Doch Wendelin Wiedeking und Holger Härter, die Vorstände der Porsche Automobil Holding SE, wollen sich nicht unter Druck setzen lassen: „Ein Schachspiel kann schon mal länger dauern. Aber das macht nichts. Wir haben keinerlei Zeitdruck“, sagte Wiedeking auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart.

Das Bild vom Schachspiel verwendet Wiedeking, seit Porsche vor gut drei Jahren die ersten Anteile an Volkswagen übernommen hat, und begründet damit, warum er seine Ziele nicht eindeutig offen legt: Ein Schachspieler kündige seine Züge auch nicht vorher an. Der massiven Kritik, die Porsche entgegenschlug, als der VW-Kurs auf zeitweise mehr als 1000 Euro gestiegen war und viele Marktteilnehmer unter Druck brachte, hält Wiedeking genau dies entgegen: „Ich möchte den Spielern am Kapitalmarkt zurufen, dass wir keinen Schritt unternommen haben, um ihnen zu schaden. Umgekehrt muss zweifelsfrei klar sein, dass wir uns immer alle Optionen offen halten werden. Wer wider besseren Wissens auf das Gegenteil spekuliert, darf sich hinterher nicht wundern.“ Eine Mitverantwortung an den Verlusten anderer Marktteilnehmer sehe der Porsche-Vorstand nicht. Porsche selbst hat an den Finanztransaktionen im Zusammenhang mit der Aufstockung bei VW 6,83 Milliarden Euro verdient.

Ziel: So bald wie möglich aufzustocken

Prinzipiell, so betonte Wiedeking, sei es weiter Ziel, die VW-Beteiligung „sobald wie möglich zunächst auf über 50 Prozent der VW-Stammaktien aufzustocken“. Allerdings fügte er hinzu: „Angesichts des wirtschaftlichen Umfelds wird es zunehmend unwahrscheinlicher, dass wir dieses Ziel noch in diesem Kalenderjahr erreichen können.“ Porsche werde nichts wirtschaftlich Unvernünftiges tun. Zurzeit, so betonte auch Finanzvorstand Holger Härter, seien die VW-Aktien noch zu teuer: „Mit einem Kurs von 200 Euro könnten wir schon wieder gut leben“, sagte er. Auf diesem Niveau sehe man den langfristigen Wert des VW-Konzerns durchaus. In den vergangenen Tagen ist der Kurs der VW-Stammaktien von mehr als 400 Euro auf Werte um 255 Euro zurückgegangen. Am Mittwoch zählte VW zu den Gewinnern im Dax mit einem Plus von 15,3 Prozent auf gut 294 Euro.

Sobald Porsche bei VW die Mehrheit habe, werde man bei Volkswagen noch intensiver mitreden wollen, kündigte Wiedeking an. Wie er sich die Zusammenarbeit vorstelle, wollte er aber nicht im Detail ausführen. Vorläufig wird Porsche bei VW noch durch das VW-Gesetz ausgebremst, das dem Land Niedersachsen mit seinem 20-Prozent-Anteil am VW-Kapital eine Sperrminorität garantiert. Somit könnte auch der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag verhindert werden, den Porsche anstrebt. Ob Porsche mit dem Land Niedersachsen über dessen VW-Anteile verhandelt, wollte Wiedeking nicht sagen: „Es gibt keine Denkverbote“, sagte er und führte anschließend aus, dass jenseits der Debatte um das VW-Gesetz große Übereinstimmung mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff herrsche. Beiden Großaktionären gehe es um das Wohl des Unternehmens.

Im operativen Geschäft zeigen sich bei Porsche deutliche Spuren der Krise. Während das vergangene Geschäftsjahr, das am 31. Juli endete, noch mit einem Zuwachs bei den Autoverkäufen abschloss, rechnet Wiedeking für dieses Geschäftsjahr nicht mehr mit einem Plus: „Die Zeichen für einen schwerwiegenden Nachfrageeinbruch sind unverkennbar.“ In den ersten vier Monaten des neuen Geschäftsjahres habe Porsche einen Umsatz von leicht über 2 Milliarden Euro erzielt, nach 2,36 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. 25 200 Autos wurden in dieser Zeit verkauft, was einem Minus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Porsche bleibe aber bei seiner Politik, keine Rabatte einzuräumen. Stattdessen habe man die Produktion angepasst: „Eher verkaufen wir ein Auto zu wenig, als dass wir eins zu viel verkaufen. Dafür sorge ich notfalls höchstpersönlich“, sagte Wiedeking. Nennenswerte Zuwächse, so hatte Porsche schon früher angekündigt, werde es erst wieder mit dem neuen Panamera geben, einer viertürigen Limousine, die im kommenden Sommer auf den Markt kommt.

Sorgen macht sich der Porsche-Vorstand um die Stabilität der Zuliefererindustrie. „Es darf nicht sein, dass Firmen an mangelnder Liquidität zugrunde gehen“, schimpfte Wiedeking. Er fordert, dass die Eigenkapitalrichtlinien Basel II für gewisse Zeit ausgesetzt werden, um eine Kreditklemme zu vermeiden: „Wir brauchen Banken, die wirklich Kredite geben.“ Porsche selbst gebe Zulieferern zwar keine Kredite. Gelegentlich sei es aber schon zu Vorauszahlungen auf Lieferungen gekommen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 12 19

30.05.2012 12:26 Uhr
  Vortag
Dax 6.321,06 −1,18%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.378,59 −1,12%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2440 −0,39%
Rohöl Brent Crude 105,13 $ −1,61%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.