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Konzernumbau : VW will Unternehmensteile verkaufen

Konzernchef Matthias Müller sagte, dass ein neues Team bei VW aktiv am Verkauf mehrerer Bereiche arbeite. Was genau, ist aber noch ungewiss. Bild: dpa

Bei VW prüft nun eine neue Mannschaft, was nicht zum Kerngeschäft gehört – und diese Unternehmensteile könnten nun verkauft werden. „Wir brauchen kein Geld“, sagte indes aber der Konzernbetriebsratschef.

          Volkswagen will den Verkauf von Unternehmensteilen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, offenbar nicht auf die lange Bank schieben. Konzernchef Matthias Müller berichtete am Freitag, dass ein neues Team im Wolfsburger Automobilkonzern aktiv am Verkauf mehrerer Bereiche arbeite. Müller bezifferte die nicht zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmensteile in einem Gespräch mit dem „Wall Street Journal“ auf bis zu 20 Prozent des Umsatzes. Später relativierte Volkswagen die Größenordnung der für einen Verkauf infrage kommenden Randbereiche des Konzerns. Konzernchef Matthias Müller habe sich im Interview des nicht konkret geäußert, wieviel Prozent vom Umsatz vom Kerngeschäft stamme, sagte ein Sprecher am Freitag. Müller habe lediglich von einer Faustregel für große Unternehmen gesprochen, bei denen das Verhältnis etwa bei 80:20 liege. Bei VW liege der Anteil des Kerngeschäfts eher etwas höher. Volkswagen wollte dies als allgemeine Äußerung verstanden wissen, die nicht auf konkrete Verkaufsabsichten bezogen sei. Im vergangenen Jahr erzielte Volkswagen mit seinen Tochterunternehmen von Porsche über Audi bis zur Lastwagensparte mit MAN und Scania Erlöse von rund 217 Milliarden Euro.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Dass Volkswagen im Rahmen seiner Restrukturierung auch sein eigenes Produktportfolio unter die Lupe nehmen will, hatte Müller bereits im Sommer 2016 mitgeteilt, als er seine neue Strategie für Volkswagen in Wolfsburg vorstellte. Es gebe dabei aber keine Eile, war am Freitag aus Wolfsburg zu hören. Ein Sprecher sagte, Entscheidungen seien noch nicht gefallen.

          Die Liste der möglichen Verkäufe sei nicht zu den Akten gelegt worden, sagte der VW-Chef dem Blatt weiter. „Aber wir lassen uns von keinem diktieren, welche Entscheidungen wir treffen sollen.“ Der Analyst Arndt Ellinghorst vom Londoner Evercore ISI kommentierte Müllers Äußerungen mit den Worten, dass es gute Nachrichten seien, wenn der Vorstandschef das Thema jetzt so deutlich anspreche. Aber „die Anteilseigner müssen Handlungen sehen“.

          „Unsere Töchter sind nicht für Schnäppchenjäger zu haben“

          Er wies darauf hin, dass das LKW-Geschäft und die Nutzwagensparte von VW mit einem Umsatz 36 Milliarden Euro rund 16,6 Prozent des Gesamtumsatzes ausmache. Da LKW nicht zum Kerngeschäft von Volkswagen gehören, erwarten manche Beobachter, dass die Wolfsburger sich von dieser Sparte trennen könnten.

          Müllers Ankündigung, die Restrukturierung nicht auf die lange Bank zu schieben, muss auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass VW Anfang der Woche den geplanten Verkauf der Motorradtochter Ducati vorerst auf Eis gelegt hat. „Wir brauchen kein Geld, und unsere Töchter sind deshalb auch nicht für Schnäppchenjäger zu haben“, hatte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats zuvor gesagt. Wie es heißt, ist der Widerstand des Betriebsrats einer der Gründe dafür, dass der Verkauf so schnell nicht stattfinden kann. Müller sagte jetzt, er glaube nicht, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat die Gespräche über Ducati blockierten. Da die IG Metall und der Staat in die Entscheidungen involviert seien, bräuchten diese strategischen Debatten Zeit.

          Für Ducati gibt es zahlreiche Interessenten, darunter dem Vernehmen nach auch die italienische Industriellenfamilie Benetton und der amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson. Wirtschaftlich hat Volkswagen keinen Anlass, sich von seiner Motorradtochter zu trennen. Ducati erzielte 2016 einen Umsatz von 731 Millionen Euro und erwirtschaftete damit einen operativen Gewinn von rund 100 Millionen Euro. Der Verkauf ist eher eine Bereinigung des Portfolios, wie sie Müller angekündigt hatte.

          VW hat sich schon mehrfach getrennt

          Bereits 2016 hatte sich VW von Beteiligungen getrennt – darunter der milliardenschwere Anteil am Leasing-Weltmarktführer LeasePlan. Das spülte 2,2 Milliarden Euro in die Kasse. Der Wolfsburger Konzern hielt 50 Prozent an LeasePlan, war 2004 dort eingestiegen und verhandelte Anfang 2009 noch über eine Komplettübernahme. Bereits im Herbst 2015 hatte sich VW von einer Beteiligung am japanischen Automobilunternehmen Suzuki getrennt, nachdem eine geplante Kooperation gescheitert war.

          Derweil will sich der in Amerika im Dieselskandal zu einer langen Haftstrafe verurteilte frühere VW-Ingenieur gegen den Richterspruch wehren. Die Verteidigung des 63-jährigen James Liang, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, legte Berufung ein. Der ehemalige Manager war Ende August als erster Angeklagter in der VW-Abgasaffäre in den Vereinigten Staaten verurteilt worden, und zwar zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis sowie einer Geldstrafe von 200.000 Dollar.

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