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VW-Chef Wie Martin Winterkorn zu weniger Gehalt kommt

14,6 Millionen Euro soll Martin Winterkorn für seine Arbeit 2012 bekommen. Das bisherige Vergütungsmodell sah einen Verdienst von 20 Millionen vor. Die F.A.Z. erklärt, an welchen Stellschrauben VW gedreht hat, um Winterkorns Bezüge zu senken.

© dpa Vergrößern Von 17 auf 14,6 Millionen Euro: Martin Winterkorn verdient 2012 weniger als 2011

Sie haben lange gerechnet und diskutiert. Und am Ende kam das heraus, was herauskommen sollte: Martin Winterkorn wird für seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender von VW im vergangenen Jahr weniger Geld bekommen als für 2011. Rund 14,6 Millionen Euro sollen es werden. Im Jahr davor hatte der 65 Jahre alte Metallphysiker, der seit 2007 an der Spitze von Europas größtem Autohersteller steht, noch rund 17 Millionen Euro verdient - und damit eine laute Debatte darüber angefacht, wie hoch das Gehalt eines Managers eigentlich sein darf. Noch dazu das eines Managers, der für ein Unternehmen arbeitet, dessen Name so gar nicht zu abgehobenen Gagen passen will.

Johannes Ritter Folgen:    

2012 wäre Winterkorns Gage bei unveränderter Berechnungsformel auf annähernd 20 Millionen Euro abgehoben. Das wäre den Menschen nicht mehr zu vermitteln, gab Winterkorn vor kurzem zu Protokoll und zeigte sich bereit zum Verzicht. Die dazu nötige Neufassung der Vergütungsregeln soll an diesem Freitag vom Aufsichtsrat beschlossen werden. Winterkorn und die übrigen sieben Vorstandsmitglieder, die allesamt ebenfalls Gehaltseinbußen hinnehmen, haben der erforderlichen Änderung ihrer Verträge schon zugestimmt.

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An welchen Stellschrauben hat das für Vergütungsfragen zuständige Präsidium des Aufsichtsrats, dem neben dem Chefaufseher Ferdinand Piëch und dessen Vetter Wolfgang Porsche auch der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh und der IG-Metall-Chef Berthold Huber angehören, nun gedreht, um die Bezüge zu senken? Die Vorstandsbezüge bestehen aus drei Komponenten: einem vergleichsweise niedrigen Fixgehalt; einem Bonus, der sich auf die operativer Geschäftsentwicklung in den jeweils beiden zurückliegenden Jahren bezieht; und einem langfristigen Anreizelement (LTI), das die Konzernziele bis 2018 zum Maßstab nimmt und dabei die Kriterien Kundenzufriedenheit, Mitarbeiter, Absatz und Rendite zugrundelegt.

Die Vereinbarungen zum Fixgehalt und zum LTI bleiben unverändert. Neu formuliert werden nun hingegen die Regeln für den kurzfristigen Erfolgsbonus. Dieser machte mit 11 Millionen Euro 2011 den mit Abstand größten Teil von Winterkorns Bezügen aus. 2012 wird dieser Bonus nur noch etwa halb so hoch ausfallen. Darin liegt also der Schlüssel zur Gehaltskürzung.

Bonusregelung um ein weiteres Extra erweitert

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gibt es fortan eine Untergrenze, ab der überhaupt erst ein Bonus gezahlt wird, und eine Obergrenze, ab welcher der Bonus nicht weiter steigt. Bisher bekamen die Vorstände für jede Milliarde operativen Gewinn einen bestimmten Erfolgsanteil. Fortan zahlt VW ihnen erst dann einen Erfolgsbonus, wenn das operative Ergebnis einschließlich der anteiligen operativen Gewinne aus den beiden Gemeinschaftsunternehmen in China oberhalb von 5 Milliarden Euro liegt.

Dahinter steckt das Kalkül, dass ein Konzern mit mehr als 190 Milliarden Euro Umsatz schon mehr als 3 Prozent operative Umsatzrendite schaffen sollte, um seine Top-Manager zusätzlich zu belohnen. Zuletzt lag VW ohnehin deutlich darüber: Für 2012 dürfte das auszuweisende operative Ergebnis auf oder leicht über dem Vorjahresniveau von 11,3 Milliarden Euro landen. Hinzu kommen für die Berechnung der Boni noch die Milliardengewinne aus China.

Die Millionengehälter der Konzernchefs © F.A.Z. Bilderstrecke 

VW wird die kurzfristigen Erfolgszuschläge nun aber erstmals auch nach oben hin deckeln: Sobald der Konzern operativ mehr als 19 Milliarden Euro verdient, gibt es für die Vorstände keinen zusätzlichen Bonus mehr. Sie bekommen also „nur“ innerhalb der Spanne zwischen 5 und 19 Milliarden Euro Gewinn einen bestimmten Erfolgsanteil. Für Winterkorn beläuft sich dieser Anteil dem Vernehmen nach auf 833.000 Euro je Milliarde Euro Gewinn; die übrigen Vorstände bekommen jeweils 313.000 Euro.

Doch damit nicht genug. Nach Informationen der F.A.Z. hat das Aufsichtsratspräsidium die kurzfristige Bonusregelung um ein weiteres Extra erweitert: Für besondere Leistungen kann jeder Vorstand einen zusätzlichen Bonus zugesprochen bekommen. Dieser kann maximal 50 Prozent des „normalen“ Erfolgsbonus ausmachen.

Doppelt so viel wie die sieben Vorstandskollegen

Im Klartext: Wenn Winterkorn über die Erfolgsbeteiligung an den operativen Gewinnen einen Bonus von 6 Millionen Euro bekommt, kann er zusätzlich bis zu 3 Millionen Euro einstreichen, wenn man mit seiner Arbeit außerordentlich zufrieden ist - was 2012 offenbar der Fall gewesen ist. Ob dieser neue Obolus gewährt wird und falls ja, in welcher Höhe, darüber entscheiden Aufsichtsratsmitglieder wie Piëch, Huber und Osterloh sowie Vorstände wie der für Personal zuständige Horst Neumann.

Das Zusammenspiel aus einem in etwa halbiertem Erfolgsbonus und dem neuen Extrageld für besondere Leistungen führt für Winterkorn rückwirkend zum erwähnten Jahressalär von etwas weniger als 15 Millionen Euro. Damit verdient er mehr als das doppelt so viel wie seine sieben Vorstandskollegen, die für ihre Arbeit im vergangenen Jahr einschließlich Sonderbonus maximal 6,1 Millionen Euro überwiesen bekommen. 2011 hatten sie noch zwischen 7,2 und 8,1 Millionen Euro nach Hause gebracht.

Quelle: F.A.Z.

 
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