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VW-Affäre Peter Hartz tritt zurück

09.07.2005 ·  Der Personalvorstand der Volkswagen AG, Peter Hartz, hat seinen Rücktritt angeboten. Damit reagierte er auf die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre in dem Automobilkonzern.

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Peter Hartz ist am Freitag von seinem Amt als Personalvorstand der Volkswagen AG zurückgetreten. Damit übernehme er die Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter, die in den zurückliegenden Wochen bekannt geworden sind, teilte VW mit.

Konzernchef Bernd Pischetsrieder zollte Respekt: Hartz trete in der Absicht zurück, Schaden vom Konzern abzuwenden. Diese Formulierung sowie der in der Pressemitteilung kommunizierte Dank des Vorstands für „die großen Verdienste“ von Hartz um die Entwicklung des Unternehmens deuten darauf hin, daß der Rücktritt nicht aus neuen Erkenntnissen der internen und externen Ermittler resultiert. Offenbar liegen der Konzernrevision keine Beweise dafür vor, daß Hartz in die Korruptions- und Bestechungsaffäre verwickelt ist (siehe auch: VW-Skandal: Was wußte Hartz?).

„Übergeordnete Verantwortung“

Freilich sind es Mitarbeiter aus dem Verantwortungsbereich von Hartz, die im Zentrum des Verdachts stehen: Der frühere Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster, der gemeinsam mit Hartz die Vorschläge zur Arbeitsmarktreform in Deutschland erarbeitet hat, sowie ein Mitarbeiter aus der VW-Personalabteilung, Klaus-Joachim Gebauer, haben angeblich Tarnfirmen gegründet, um sich persönlich zu bereichern. Es sei selbstverständlich, so erklärte Hartz, daß er sich „der übergeordneten Verantwortung für Vorgänge in meinem Zuständigkeitsbereich stelle und die Konsequenzen persönlich trage“.

Nach Informationen dieser Zeitung hat die Suche nach einem Nachfolger bereits begonnen. Nach dem Willen der Anteilseigner und des Vorstands soll der neue Mann von außen kommen, um glaubhaft einen Neuanfang zu vermitteln. Dazu braucht es freilich die Zustimmung der Arbeitnehmer und der IG Metall, denn für die Wahl des Arbeitsdirektors und Personalvorstands ist eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat erforderlich. Die Arbeitnehmervertreter würden wohl gern den Audi-Personalvorstand Horst Neumann berufen. Doch Neumann gilt als unterqualifizierter, linker Hardliner und daher als kaum durchsetzbar. Auch der öffentlich schon als Kandidat gehandelte Klaus Dierkes, Chef der halböffentlichen Wolfsburg AG, dürfte nur minimale Chancen haben.

Immer stärker unter Druck

Noch Ende vergangener Woche hatte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech die Hand über Hartz gehalten und Rücktrittsgerüchte klar dementiert. Doch im Verlauf dieser Woche geriet Hartz immer stärker unter Druck. Es gab Gerüchte über angebliche Lustreisen und wilde Eskapaden der Betriebsräte. Entsprechende Belege soll Hartz abgezeichnet haben. Beweise dafür tauchten bislang nicht auf. Aber möglicherweise fürchtete man bei VW, daß in den Unterlagen des Hauptverdächtigen Gebauer doch noch handfeste Hinweise für eine wie auch immer geartete Verwicklung von Hartz in fragwürdiges Spesenverhalten zu finden sein könnten.

Nach Informationen dieser Zeitung ist Hartz der Abschied nicht leicht gefallen. Er hatte bis zuletzt gehofft, einen Rücktritt vermeiden zu können - im Wissen darum, daß ihm ein solcher Schritt als Schuldanerkenntnis ausgelegt werden könnte. Daher war offenbar auch ein gewisser Druck von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder erforderlich. Im Aufsichtsrat dürfte vor allem Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) für einen vorzeitigen Abtritt von Hartz eingetreten sein. Wulff vertritt mit seinem Bundesland den größten Aktionär und hatte auch aus Wahlkampfgründen ein Interesse daran, SPD-Mitglied und Kanzlerfreund Hartz zu Fall zu bringen.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat das Rücktrittsangebot von Peter Hartz bedauert. „Ich bedauere, daß Peter Hartz sich zum Rücktritt entschlossen hat. Mit Respekt betrachte ich seine Entscheidung, damit die politische Verantwortung für Unregelmäßigkeiten seiner Mitarbeiter zu übernehmen“, sagte Clement. Das Rücktrittsangebot ändere nichts an den großen Verdiensten von Hartz. „Er hat die Reformen um den Arbeitsmarkt in Deutschland maßgeblich vorbereitet und vorangetrieben“, sagte Clement.

Quelle: rit. / F.A.Z., 09.07.2005, Nr. 157 / Seite 11
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