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Veröffentlicht: 27.10.2011, 16:14 Uhr

Vorstandschef Blessing Commerzbank verkauft Staatsanleihen

Vorstandschef Blessing will möglichst alle Kredite an Staaten loswerden. Das Vorhaben sei aber schwierig, da es einen „Käuferstreik“ gebe. Kritik an seinem Vorhaben wollte Blessing nicht gelten lassen.

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© dpa „Ich fahre das runter, klar“: Martin Blessing will alle Staatsanleihen loswerden

Die Commerzbank will so viele ihrer verbliebenen Staatsanleihen verkaufen wie möglich. Vorstandschef Martin Blessing sagte nach einem Treffen im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten, das Bankhaus habe im dritten Quartal vor allem Kredite für die sogenannten PIIGS-Staaten weiterverkauft.

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Die Abkürzung steht für die als hoch verschuldet geltenden Euro-Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Doch wolle das Kreditinstitut nicht nur diese Staatsanleihen, sondern möglichst alle veräußern, auch deutsche. „Ich fahre das runter, klar“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Vorhaben sei schwierig, da es bei Staatsanleihen einen „Käuferstreik“ gebe.

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Kritik, wonach ein massiver Verkauf solcher Papiere die Krise verschärfe, wollte Blessing nicht gelten lassen. Er verwies darauf, dass Europas Spitzenpolitiker noch 2010 den privaten Gläubigern Griechenlands versprochen hätten, dass es bis 2013 keinen Schuldenschnitt für Athen geben werde.

Man habe ihm damals beteuert, dass es daher nicht nötig sei, Staatsanleihen schnell zu verkaufen. „Wenn heute noch mal ein Politiker zu mir käme und verlangte, wir sollten unsere Staatsanleihen in den Büchern halten, dann antworte ich: Trau, schau, wem.“

„Die können sie nur abschreiben“

Innerhalb des Commerzbank-Konzerns liegen die meisten Staatsanleihen bei der Tochtergesellschaft Eurohypo, die Blessing aufgrund einer EU-Auflage bis Ende 2014 verkaufen muss. Wie viele Bonds der PIIGS-Staaten die Commerzbank-Gruppe konkret verkauft hat, sagte Blessing nicht.

Er verwies darauf, dass die Bank ihre Zahlen für das dritte Quartal am 4. November veröffentlicht. Schon jetzt verriet er, dass griechische Staatsanleihen „de facto unverkäuflich“ seien. „Die können sie nur abschreiben.“

Mittlerer dreistelliger Millionenbetrag als Verlust

Informationen, dass die Commerzbank im dritten Quartal ihre Griechenland-Anleihen um mindestens 750 Millionen Euro wertberichtigte habe, wollte Blessing weder bestätigen noch dementieren. Schon im zweiten Quartal hatte die Bank ihre griechischen Staatsanleihen, die noch mit 2,2 Milliarden Euro in den Büchern stehen, um 760 Millionen Euro abgeschrieben. Damals hatte die Commerzbank einen Quartalsverlust knapp vermieden.

Im dritten Quartal wird nun von Analysten ein Verlust in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages erwartet. Diesen Schätzungen tritt die Bank nicht entgegen. Noch ohne die Ergebnisse des Krisengipfels der Euro-Länder am Mittwochabend zu kennen, deren Spitzenvertreter zu dieser Stunde noch verhandelten, forderte Blessing abermals einen deutlichen Schuldenschnitt für Griechenland.

„Sonst fordern Franzosen und Italiener das gleiche“

Anders als von den Euro-Ländern später beschlossen, wandte sich der Bankchef aber gegen einen „freiwilligen“ Schuldenschnitt und plädierte stattdessen dafür, dass sich Griechenland zahlungsunfähig erklärt.

„Es darf für die Griechen nicht zu einfach sein, sonst fordern die Franzosen und die Italiener irgendwann das gleiche.“ Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einigten sich darauf, dass die Banken künftig Kernkapital in Höhe von 9 Prozent ihrer risikogewichteten Anlagen vorhalten müssen.

Auch Blessing für eine Rekapitalisierung

Für die Kapitalaufstockung haben die Institute bis Ende Juni 2012 Zeit. Auch Blessing sprach sich für eine Rekapitalisierung der Banken aus. Dies mit einer Frist zu verknüpfen, sei jedoch nicht sinnvoll, da in diesem Fall wohl alle Kreditinstitute versuchen würden, Staatsanleihen zu veräußern.

Dies könne von der Politik keineswegs gewollt sein. Um die Kernkapitalquote nach der Bewertung der Staatsanleihen auf mindestens 9 Prozent zu erhöhen und die von der Bankenaufsicht EBA dafür festgestellte Kapitallücke von 2,9 Milliarden Euro bis zur Jahresmitte 2012 zu schließen, kündigte Blessing an, dass die Commerzbank ihre Risikoaktiva herunterfahren werde.

Wie lange dauert die Staatsschuldenkrise noch?

Darüber hinaus würden nicht-strategische Beteiligungen verkauft und einige Kredite nicht verlängert werden. In jedem Fall will Blessing die erforderliche Kernkapitalquote ohne Hilfe des Bankenrettungsfonds Soffin schaffen. „Sie können davon ausgehen, dass ich da nicht noch mal hin gehen werde“, sagte der Bankchef.

Nicht spekulieren wollte Blessing über die Frage, wie lange die Staatsschuldenkrise noch dauern werde. Vorbei sei sie erst, wenn private Anleger zu akzeptablen Konditionen wieder zehnjährige Staatsanleihen von Italien kauften.

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