31.03.2008 · Die Streiks der Lokführer haben der Deutschen Bahn offenbar kaum geschadet: „Nie war die Bahn besser aufgestellt als heute“, sagte Vorstandschef Hartmut Mehdorn in Berlin. Und er drängt: Die Bundesregierung solle jetzt mit der Teilprivatisierung endlich Ernst machen.
Von Matthias Müller, BerlinDie Deutsche Bahn AG hat abermals ihren Umsatz und den Gewinn steigern können. „Nie war die Bahn besser aufgestellt als heute. Wir sind eine normale und gesunde Aktiengesellschaft“, sagte der Bahn-Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn in der Bilanzpressekonferenz in Berlin.
Lediglich der Orkan Kyrill zu Beginn des vergangenen Jahres sowie die Arbeitsniederlegungen der Lokomotivführer hätten ein noch besseres Ergebnis verhindert. Nach Angaben des Konzerns hat der Streik den Umsatz um rund 170 Millionen Euro und das Ergebnis um annähernd 160 Millionen Euro geschmälert.
Mehdorn appelliert an Bundesregierung
Mehdorn appellierte an die Bundesregierung, mit der geplanten Teilprivatisierung der Bahn endlich Ernst zu machen, um dringend notwendige Investitionen wie die Verbesserung des Lärmschutzes entlang der Bahnstrecken sowie die Sanierung von Bahnhöfen finanzieren zu können. Einen Börsengang halte er noch im Herbst dieses Jahres für möglich, sagte Mehdorn. Die Bahn steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 1,3 Milliarden Euro auf 31,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwei Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet der Konzern in Deutschland.
Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) habe ohne Sondereffekte um 10,6 Prozent (227 Millionen Euro) auf annähernd 2,4 Milliarden Euro zugenommen, sagte Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack. Mit Sondereffekten verbessere sich das Ebit um 16,9 Prozent (418 Millionen Euro) auf 2,9 Milliarden Euro.
Als vom Konzern berücksichtigte Sondereffekte nannte Sack die Verkäufe der Fährreederei Scandlines sowie des Immobilienunternehmens Aurelis. Gegenläufig wirke sich die bei DB Regio wegen der gestiegenen Energie- und Personalkosten notwendig gewordene Drohrückstellung von 310 Millionen Euro aus. Deshalb habe sich das operative Ergebnis von DB Regio um annähernd 35 Prozent auf 451 Millionen Euro verringert.
Umfangreiche Sondereffekte in 2007
Sack schloss nochmals aus, dass diese Rückstellung im Zusammenhang mit den drohenden Forderungen aus dem laufenden Beihilfeverfahren der Europäischen Kommission gegen die Bahn gebildet worden sei. „Das ist nicht der Fall. So gut kenne ich mich in der Bilanz des Konzerns aus“, sagte er. Das Nettoergebnis hat sich nach Angaben der Bahn im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent (36 Millionen Euro) auf 1,7 Milliarden Euro erhöht. Positiv sei auch die Entwicklung im Geschäftsfeld Netz gewesen, ergänzte Sack. Hier habe der Konzern erstmals ein positives Ergebnis nach Zinsen erzielen können. Der Finanzvorstand führte das auf Produktivitätssteigerungen zurück. Zudem hätten sich die Nettofinanzschulden um 3,1 Milliarden Euro auf 16,5 Milliarden Euro reduziert. Die Bahn komme damit ihrem Ziel immer näher, bis 2010 das Verhältnis von Finanzschulden zu Eigenkapital auszugleichen.
Für das laufende Jahr erwartet die Bahn ein im Vergleich zum Vorjahr niedrigeres Ebit. Wegen umfangreicher Sondereffekte im vergangenen Jahr werde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern „voraussichtlich den Wert des Berichtsjahres 2007 nicht wieder erreichen“, fügte Sack an. Für den Umsatz prognostiziert die Bahn in diesem Jahr ein Plus von rund 5 Prozent. Allerdings seien darin die Käufe von EWS, Spain-Tir und Transfesa noch nicht enthalten.
Mit abermaligen Preiserhöhungen müssten Kunden zumindest in den kommenden Monaten nicht rechnen, betonte der Vorstandsvorsitzende Mehdorn: „Wir werden unterjährig keine Preise erhöhen.“ Wie alle anderen Unternehmen könne auch die Bahn künftige Preiserhöhungen nicht vermeiden. Derzeit werde geprüft, ob und in welchem Umfang die gestiegenen Personal- und Energiekosten an die Kunden weitergegeben werden könnten. Vielleicht wisse er im August bei der Halbjahresbilanzpressekonferenz dann schon mehr, sagte Mehdorn.
Brauchen wir nicht
Christian Roigk (Dubai1)
- 01.04.2008, 13:42 Uhr
Nein, H. Mehdorn, keine Privatisierung der Bahn
Rudolf Neuber (r.neuber)
- 06.04.2008, 13:37 Uhr
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