07.01.2009 · Dem Merckle-Imperium wird zwei Tage nach dem Selbstmord des Unternehmers Adolf Merckle ein Überbrückungskredit zur Verfügung gestellt. Doch die Zerschlagung der Gruppe ist weiter wahrscheinlich.
Die kurzfristige Finanzierung für die durch Verbindlichkeiten von etwa 5 Milliarden Euro angeschlagene Merckle-Gruppe steht. Damit konnte zwei Tage nach dem Selbstmord des 74 Jahre alten Unternehmers Adolf Merckle die Insolvenz des Firmenimperiums vorerst abgewendet werden. Doch die Zerschlagung der Gruppe ist weiter wahrscheinlich.
Die mehr als drei Dutzend Gläubigerbanken einigten sich auf den nach Informationen aus Finanzkreisen 400 Millionen Euro umfassenden Überbrückungskredit für die VEM Vermögensverwaltung. Die Holding, über die die Familie Merckle ihre Beteiligung an dem Generikahersteller Ratiopharm und Anteile an der Heidelberg Cement AG hält, bestätigte am Mittwochnachmittag den Abschluss des Überbrückungskredites. Das Geld fließt an die VEM.
Zerschlagung der Gruppe gilt als wahrscheinlich
Zu den wichtigsten Vermögenswerten der Merckle-Gruppe gehört neben Ratiopharm (Beteiligung von 100 Prozent) und Heidelberg Cement (80 Prozent) auch der Pharma-Großhändler Phoenix (100 Prozent). An den Überbrückungskredit ist auch der Verkauf von Ratiopharm geknüpft. Nach VEM-Angaben dient die Veräußerung zur nachhaltigen Neustrukturierung der Finanzierungssituation der Gruppe. Darüber hinaus setzten die Banken durch, dass Ludwig Merckle, der älteste Sohn von Adolf Merckle, die Geschäftsführung bei der VEM abgibt.
Der Verkaufsprozess bei Ratiopharm soll durch einen Treuhänder, der von den Banken und der VEM gemeinsam bestimmt wird, zusammen mit dem Ratiopharm-Management gesteuert werden. Branchenexperten schätzen den Wert des Herstellers von patentfreien Nachahmer-Medikamenten, der auf einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro kommt, auf bis zu 3 Milliarden Euro.
Doch dass es nur beim Verkauf von Ratiopharm bleibt, wird in Bankenkreisen bezweifelt. So soll Merckle bei den Verhandlungen für den Überbrückungskredit bereits Anfang Dezember dem Vernehmen nach auch die Beteiligungen an Heidelberg Cement sowie Phoenix den Instituten als Sicherheit übereignet haben. In Finanzkreisen gilt die Zerschlagung der Merckle-Gruppe als wahrscheinlich. Offenbar ist der Verkauf der Beteiligungen an Ratiopharm, Heidelberg Cement und Phoenix eine wesentliche Bedingung in den Verhandlungen für die Brückenfinanzierung gewesen.
KPMG erstellt Gutachten zur Sanierung der Merckle-Gruppe
In den kommenden Monaten wird die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein Gutachten zur Sanierung der Merckle-Gruppe erstellen. Dieses soll Ende März oder Anfang April vorgelegt werden. Erst dann stünden die endgültigen Bedingungen für die Sanierung der Merckle-Gruppe fest, hieß es in Bankenkreisen.
Ins Wanken geriet die sehr verschachtelte und für Außenstehende wenig transparente Gruppe nach fehlgeschlagenen Spekulationen von Adolf Merckle auf die VW-Aktie. Hinzu kamen Wertverluste der Heidelberg-Cement-Aktie. Die Banken, unter denen die Royal Bank of Scotland, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Commerzbank zu den Hauptkreditgebern zählen, hielten sich einen Tag nach Bekanntwerden des Selbstmordes von Merckle bedeckt. Einige Institute lehnten eine Stellungnahme aus Pietätsgründen ab. Doch dürfte das tragische Ende, das der Firmenpatriarch gewählt hatte, bei den in den Rettungsgesprächen involvierten Bankern einen Schock ausgelöst haben.
Die mangelnde Transparenz des Imperiums war für die Banken ein wesentliches Hindernis bei den Verhandlungen. "Alles ist miteinander verbandelt, aber nichts wird gemeinsam konsolidiert", beklagte ein Banker. Die verschachtelte Struktur dürfte jedoch steuerliche Optimierungen zwischen den einzelnen Gesellschaften erleichtert haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,20 | −1,22% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2440 | −0,39% |
| Rohöl Brent Crude | 105,13 $ | −1,61% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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