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Vor der Aufsichtsratssitzung Welche Perspektive hat Opel?

27.02.2009 ·  Tausende Opel-Arbeiter sind auf die Straße gegangen. Jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit: Der Aufsichtsrat berät über den Rettungsplan des Managements, von dem Staatshilfen für Opel abhängen. Doch bei allem Mitgefühl: Opel baut technisch gute Autos, hat aber zu viele Fabriken und eine Mutter, die sich auf Kosten des Steuerzahlers aus der Affäre ziehen will.

Von Holger Appel
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Die Nation, die das Auto erfunden hat, kann die Automobilindustrie nicht im Stich lassen. Der etwas falsch informierte amerikanische Präsident Obama scheint einigen Teilen der Politik und allen Gewerkschaften im wahren Mutterland des Automobils aus dem Herzen zu sprechen.

Adam Opel ist zwar erst über den Bau von Nähmaschinen zum Fahrzeughersteller geworden und gehört seit 1929 zum amerikanischen Konzern General Motors. Doch irgendwie verortet jeder hierzulande die Marke mit dem Blitz zum Urbestand des deutschen Automobilbaus. Voller Mitgefühl blickt man nach Rüsselsheim, wo Tausende Arbeiter in Sorge vor dem drohenden Ende ihres Unternehmens auf die Straße gehen. Doch darf das nicht über die Realität hinwegtäuschen.

Eine Fehlentscheidung nach der anderen

Gewerkschafter und Politiker fordern ein europäisches Geschäftsmodell, das Opel eine eigenständige Perspektive gibt. Wie das aussehen könnte, darüber wird schon seit Weihnachten gegrübelt. Nicht einmal die Unternehmensleitung hat bisher eine Antwort darauf gefunden. Zu verwoben sind die Strukturen in dem wahrhaft globalen Konzern.

Opelaner demonstrieren für ihre Arbeitsplätze

Deutsche Hinterachsen schwingen in amerikanischen Straßenkreuzern, japanische Kleinwagen tragen das Opel-Signet, und die koreanische Zweitmarke Daewoo darf unter dem amerikanischen Namen Chevrolet die deutsche Erstmarke Opel an den Rand drücken. Ohne erkennbaren Widerstand des für Europa verantwortlichen Managements hat die Konzernspitze eine Fehlentscheidung nach der anderen getroffen und Opel entgegen anderslautender Beteuerungen nicht gepäppelt, sondern ausgeweidet. So musste Opel seine Patentrechte an eine Briefkastenfirma von GM übertragen und seither für jedes hier produzierte Auto Lizenzgebühren zahlen.

Das darf man GM nicht durchgehen lassen

So bitter das für die Mitarbeiter ist: Opel baut technisch gute Autos, hat aber zu viele Fabriken und eine Mutter, die sich auf Kosten des Steuerzahlers aus der Affäre ziehen will. Das darf man ihr nicht durchgehen lassen. Deutschland hat nach Ansicht von Bundeskanzlerin Merkel ein Interesse daran, Industrieunternehmen, „die eine Perspektive haben, die eine solide Wirtschaftsstruktur haben, Brücken zu bauen, um über diese Krise zu kommen“.

Im Zweifel helfen Fakten: Im Europageschäft, von dem die Marke Opel den größten Teil ausmacht, hat der Konzern im vergangenen Jahr 2,9 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Tendenz steigend.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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