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Vor dem Brexit : Weißbier-Boykott in britischen Pubs

In einem Wetherspoon-Pub wurde mit Flyern für die Position des Gründers und Inhabers Tim Marti geworbenn: Großbritannien soll die EU verlassen. Bild: Picture-Alliance

Die britische Kneipenkette Wetherspoon setzt vor dem EU-Austritt ein politisches Zeichen – und ersetzt Importe aus Deutschland und Frankreich durch heimische Getränke.

          Die britische Kneipenkette Wetherspoon stoppt vor dem EU-Austritt den Verkauf von bayerischem Weißbier, Champagner und anderen Getränken aus der EU. Stattdessen will der Gastronomiekonzern englischen und australischen Sekt, sowie Weißbier aus heimischer und amerikanischer Produktion ausschenken.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Bisher ist in den Pubs der Gruppe dagegen unter anderem Erdinger Weißbier im Angebot. Wetherspoon ist eine der größten britischen Kneipenketten und betreibt in Großbritannien und Irland fast 900 Lokale. Tim Martin, der Gründer und Verwaltungsratschef des Unternehmens, ist ein glühender Brexit-Befürworter.

          Martin will mit dem Weißbier-Boykott ein politisches Zeichen setzen: „Die Zollunion der EU ist ein protektionistisches System“, sagte der Unternehmer. Wein aus Australien, Neuseeland und den Vereinigten Staaten werde in Europa mit hohen Einfuhrzöllen belegt. Die Zeche dafür zahlten britische Kunden durch höhere Preise an der Theke. Großbritannien müsse deshalb beim Brexit unbedingt auch die Zollunion der EU verlassen, um die Importsteuern abschaffen zu können.

          Auf ein EU-Produkt will die Kette nicht verzichten

          Der von der britischen Regierung angekündigte Austritt aus der europäischen Zollunion ist allerdings stark umstritten. Vor allem die Industrie warnt davor, den Handelsblock der EU zu verlassen, weil dies zu Handelshemmnissen und hohen zusätzlichen Kosten führe. Die anderen EU-Staaten sind die mit Abstand wichtigsten Handelspartner Großbritanniens.

          Die Zollunion verpflichtet ihre Mitgliedsländer, einheitliche Einfuhrzölle für Waren aus Drittstaaten zu erheben. Nahrungsmittel und Getränke zählen dabei zu den Produkten, die mit teilweise hohen Importsteuern belastet werden, um heimische Erzeuger vor internationaler Konkurrenz zu schützen. Zugleich ist der Handel innerhalb der Zollunion komplett zollfrei. Ähnliche Zollverbünde wie in Europa gibt es auch auf anderen Kontinenten.

          Nach Angaben von Wetherspoon sind die in den Kneipen neu eingeführten Getränke aus Australien und Amerika trotz der Importzölle billiger als das deutsche Weißbier und der Champagner, die sie ersetzen sollen. Zumindest auf ein Produkt aus der EU will Wetherspoon allerdings auch in Zukunft nicht verzichten: Kopparberg-Apfelmost aus Schweden werde weiter ausgeschenkt, weil der Lieferant angekündigt habe, diesen in Zukunft auch in Großbritannien herzustellen. 

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