Mehr als 300.000 Mal mussten Mercedes-Kunden in den vergangenen Jahren wegen defekter Motorteile ihre Werkstatt anfahren. Wegen ausgefallener Injektoren hatte ihr Diesel-Motor in den Notlauf-Modus geschaltet. Betroffen waren Autos mit der Typenbezeichnung 220 oder 250, und damit ganz überwiegend C- oder E-Klasse-Fahrzeuge. Grundsätzlich trat der Fehler aber über alle Baureihen auf, also auch bei der noblen S-Klasse, soweit diese mit dem besonders sparsamen 4-Zylinder-Dieselmotor ausgestattet war.
Aufteilung der Kosten muss noch verhandelt werden
Der Schaden beläuft sich auf mehr als eine halbe Milliarde Euro, heißt es vom Stuttgarter Autohersteller. Die Daimler AG wird die Kosten nicht allein tragen müssen: Hersteller der defekten Injektoren ist der amerikanische Autozulieferer Delphi. Das Unternehmen habe sich schon mit 100 Millionen Euro an den entstandenen Kosten beteiligt, heißt es von Daimler. Wie die Aufteilung letztlich ausfällt, ist noch Verhandlungssache.
Inzwischen gebe es keine Probleme mehr, versichert man bei Daimler. Zwar ist immer noch nicht abschließend geklärt, was zum Ausfall der Einspritzdüsen geführt hat. Wer heute einen Mercedes mit 4-Zylinder-Diesel-Motor kaufe, werde aber keine Probleme mehr haben, wird versichert. Zum weit überwiegenden Teil werden mittlerweile statt der Piezo-Injektoren von Delphi Magnetventile von Bosch eingesetzt. An der Charakteristik des Motors ändere sich dadurch nichts, wird bei Mercedes betont.
Motor wird in fast allen Baureihen eingesetzt
Der Stuttgarter Autobauer hatte für den betroffenen Motor OM 651 bei seiner Markteinführung vor vier Jahren eine Menge Vorschusslorbeer bekommen, weil das Aggregat dem Trend zum „Downsizing“ entsprach, also dem Einsatz von verbrauchsärmeren Motoren. So gilt der OM 651 als Alternative zu den großen Spritschluckern, weil der 4-Zylinder-Diesel beinahe so durchzugskräftig und leistungsstark ist wie ein 8-Zylinder-Benziner. Dabei ist er äußerst sparsam. Der Normverbrauch liegt selbst in seiner größten Variante (mit 204 PS) bei 5,2 Litern. Allein im vergangenen Jahr hat Mercedes mehr als 400.000 Autos mit dem Motor verkauft. Er wird in allen Baureihen eingesetzt. Nur in der neuen A-Klasse, die im Herbst auf den Markt kommt, wird stattdessen ein Motor des Kooperationspartners Renault einbaut.
In die Entwicklung des Motors hat Daimler eine halbe Milliarde Euro investiert. Begonnen wurde mit der Entwicklung im Jahr 2005. Der langjährige Zuliefer-Partner Bosch hatte kurz zuvor für Schlagzeilen gesorgt, weil Einspritzpumpen für Dieselmotoren fehlerhaft waren. Die Produktion von Mercedes, Audi und Bosch, wo die Einspritzpumpen eingebaut werden sollten, stand vorübergehend still. Das Umschwenken auf Delphi als einzigen Lieferanten einer neuen Technologie ausgerechnet bei einem völlig neu entwickelten Motor wird im Nachhinein von Mercedes als Fehler gewertet.
Kulanz bei Daimler
Sigfrid Gruber (faz-sigi)
- 01.09.2012, 13:02 Uhr
Qualitätsprobleme schon vor 2005
Georg Kulik (Georggk)
- 01.09.2012, 12:08 Uhr
Falsch "recherchiert"!
Simon Heer (s.heer)
- 01.09.2012, 10:56 Uhr
Warum darüber wundern, wenn...
Martin Poettgen (m.poettgen)
- 01.09.2012, 09:50 Uhr
Lopez efekt bei Benz? WOW
Kay Schmelzer (weitererfazleser)
- 01.09.2012, 07:27 Uhr
