http://www.faz.net/-gqe-77mln
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.03.2013, 14:16 Uhr

Volle Fernverkehrszüge Deutsche Bahn fährt Rekordgewinn ein

Gut ausgelastete Fernverkehrszüge und das Schienennetz haben der Deutschen Bahn 2012 einem Medienbericht zufolge einen Rekordgewinn beschert. Trotz schwächelnden Güterverkehrs kletterte der Gewinn demnach auf 2,7 Milliarden Euro.

© obs Volle Fernverkehrszüge bescherten der Deutschen Bahn 2012 einen Rekordgewinn

Dank eines Passagier-Ansturms auf ICE und IC hat die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn ihrer Geschichte eingefahren. Der Konzern verbuchte ein Betriebsergebnis von 2,7 Milliarden Euro und damit rund 400 Millionen mehr als 2011, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf Konzernunterlagen.

Während der Güterverkehr auf Schiene und Straße unter der abflauenden Konjunktur litt, trieben die hohen Benzinpreise die Menschen in die Züge: 131 Millionen Passagiere waren allein im Fernverkehr unterwegs, rund fünf Prozent mehr als 2011. Der Gewinn der Sparte stieg um mehr als das Doppelte auf 364 Millionen Euro und lag so auch weit über den Bahn-Erwartungen.

Zweiter Rekord-Garant war das mit staatlichen Milliarden-Zuschüssen subventionierte Schienennetz. Erstmals in der Bahn-Geschichte war es mit fast 900 Millionen Euro wichtigster Gewinnlieferant.

Güterbahn bleibt in der Krise

Die schwächere Wirtschaft machte sich 2012 besonders beim Umsatz bemerkbar. Dieser kletterte zwar gegenüber dem Vorjahr um knapp vier Prozent auf 39,3 Milliarden Euro. Er lieb damit aber noch deutlich unter den im Sommer nach unten korrigierten Planungen.

Insbesondere die seit Jahren kriselnde Güterbahn hatte mit der Flaute zu kämpfen. Deren Erlöse blieben sogar unter dem Vorjahreswert und weit unter den Planungen.

Immerhin konnte die Güterbahn in Deutschland wieder ein kleinen Gewinn einfahren, was vor allem auf ein radikales Sparprogramm mit der Verschrottung von Tausenden Güterwaggons zurückzuführen ist.

Die internationale Logistik (Flugzeug, Schiff, Lkw) blieb mit einem Gewinn von 400 Millionen Euro unter den Erwartungen.

Deutschland-Geschäft bleibt Gewinngarant

Umso wichtiger war für die Bahn abermals das Geschäft in Deutschland. Die Verkehrsleistung im Personenverkehr, also Passagiere kombiniert mit gefahrenen Kilometern, stieg um vier Prozent auf einen neuen Rekord.

Ein wichtiger Faktor waren dabei die 2012 sehr hohen Spritpreise, die immer mehr Menschen zum Umstieg auf die Bahn bewegten. Sie wurden so offenbar auch nicht von den Ticket-Preisen abgeschreckt, die 2011 um knapp vier Prozent erhöht wurden.

Da den besser ausgelasteten Zügen kaum zusätzliche Kosten gegenüber stehen, schlägt sich das Passagierwachstum voll im Gewinn nieder. Seit Jahren hat die Bahn auch kaum neue Fernzüge gekauft hat, teils wegen Lieferschwierigkeiten der Industrie. Dadurch wurde das Ergebnis-Plus auch nicht durch Abschreibungen gebremst.

Schienennetz steuert ein Drittel des Ergebnisses bei

Der Regionalverkehr mit den Pendlerzügen als traditionell wichtigster Gewinnlieferant wurde 2012 durch das Schienennetz abgelöst. Ein Drittel des Ergebnisses steuerte allein diese Sparte bei, die der Steuerzahler jährlich mit 2,5 Milliarden Euro subventioniert. Die Einnahmen kommen aus den Gebühren zur Nutzung des Netzes unter anderem von Konkurrenten.

Die EU-Kommission dringt seit längerem auf eine stärkere Trennung des subventionierten Netzes vom Konzern, denn derzeit fließen die Gewinne in die allgemeine Bahnkasse, ohne direkt wieder in die Schiene investiert werden zu müssen. Die Kommission fürchtet auch, dass Wettbewerber der Bahn über Gebühren und Zuteilung von Trassen benachteiligt werden könnten. Die Bahn kämpft mit Unterstützung von Verkehrsminister Peter Ramsauer gegen die EU-Pläne.

Mehr zum Thema

Trotz der Milliarden-Kosten für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 soll die Rekordjagd weitergehen. In diesem Jahr strebt die Deutsche Bahn einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2,9 Milliarden Euro an, der bis 2017 auf vier Milliarden Euro wachsen soll.

Die Bahn wollte sich zu den Angaben nicht äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am 21. März.

Quelle: FAZ.NET/Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Besteck und Kochtöpfe Dieser französische Konzern will WMF kaufen

Die schwäbische Traditionsmarke WMF wird wohl nach Frankreich verkauft. Ein Unternehmen mit historischen Wurzeln im Burgund hat sich nach eigenen Angaben mit dem Küchengerätehersteller geeinigt. Mehr

23.05.2016, 18:38 Uhr | Wirtschaft
Übernahme von Saatgutriesen Bayer will Monsanto für 62 Milliarden Dollar kaufen

Der deutsche Konzern Bayer will den amerikanischen Saatgutriesen Monsanto übernehmen und hofft auf Gegenliebe für seine umgerechnet 55 Milliarden Euro schwere Übernahmeofferte. Pro Monsanto-Aktie wolle man 122 Dollar zahlen, teilte das Leverkusener Unternehmen am Montag mit. Mehr

23.05.2016, 11:47 Uhr | Wirtschaft
Frankfurter Flughafen Fraport will mehr Billigflieger

Bei der Hauptversammlung des Flughafenbetreibers freuen sich die Aktionäre über gute Zahlen. Doch Fraport-Chef Schulte warnt vor unruhigen Zeiten. Mehr Von Daniel Schleidt, Frankfurt

21.05.2016, 19:54 Uhr | Rhein-Main
Berlin Regierung beschließt Lkw-Maut-Ausweitung auf alle Bundesstraßen

Schon heute gilt: Lastwagen müssen für jeden Kilometer, den sie auf deutschen Autobahnen unterwegs sind, Maut bezahlen. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch, dass die Gebühr für Lkw ab 7,5 Tonnen auch auf allen Bundesstraßen greifen soll. Das soll zusätzliche Einnahmen von bis zu zwei Milliarden Euro bringen. Mehr

11.05.2016, 12:49 Uhr | Wirtschaft
Wütende Aktionäre Tag der Abrechnung für die Deutsche Bank

Heute treffen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung. Der Kursverfall macht sie wütend. Vor allem eine Person muss sich auf harsche Kritik gefasst machen. Mehr Von Markus Frühauf

19.05.2016, 08:33 Uhr | Wirtschaft

Hilfe für die Umwelthilfe

Von Carsten Knop

Die Deutsche Umwelthilfe stört sich daran, dass Dieselmotoren nicht immer so sauber sind, wie die Werbung verspricht. Aber sie ist auch nur eine Organisation mit eigenen Interessen. Mehr 9 34


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 77

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden