08.11.2006 · Der Volkswagen-Konzern befindet sich mitten im Umbruch
Volkswagen ist Europas größter Autohersteller. Es ist aber auch einer der größten Restrukturierungskandidaten der Branche. Nicht weniger als sechs Automarken gehören zum Konzern, doch ausgerechnet die Kernmarke VW steckt in argen Schwierigkeiten. Spät hat der zum Jahresende ausscheidende Konzernchef Bernd Pischetsrieder die Weichen gestellt. Nachfolger Martin Winterkorn muß die Restrukturierung fortsetzen, womöglich auch ein höheres Tempo gehen als sein Vorgänger.
Im Mittelpunkt der Sanierungsanstrengungen steht die Marke VW, die mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes trägt, zuletzt aber nur einen minimalen Gewinn abwarf. Der Grund hierfür liegt vor allem in den teuren und umständlichen Produktionsprozessen in den westdeutschen Werken, die 2005 einen Verlust in hoher dreistelliger Millionenhöhe bescherten und unter Überkapazitäten leiden. Daher hat der Vorstand den Abbau von 20.000 der 100000 Stellen in den sechs westdeutschen Werken in Angriff genommen. Auch im Ausland plant VW deutliche Einschnitte. Nach Informationen dieser Zeitung wird es in Belgien, Spanien und Portugal zu Kapazitäts- und Produktionskürzungen kommen, die einhergehen mit einem massiven Personalabbau.
Abschied von der Vier-Tage-Woche
Mit dem Betriebsrat und der IG Metall hat der Vorstand einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt, der den Abschied von der teuren Vier-Tage-Woche bedeutet, die seinerzeit noch unter der Regie des heutigen Aufsichtratsvorsitzenden Ferdinand Piëch eingestielt worden ist. So werden die Arbeitszeiten auf bis zu 33 Stunden in der Produktion und bis zu 34 Stunden in der Verwaltung erhöht, ohne daß die Mitarbeiter dafür mehr Geld bekommen. Bislang wird bei VW in Westdeutschland nur an vier Tagen in der Woche 28,8 Stunden gearbeitet.
Hinter all dem steckt das Ziel, bis 2008 einen Konzerngewinn vor Steuern von 5,1 Milliarden Euro zu erreichen nach 1,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dazu ist nach Ansicht des Vorstands noch viel zu tun: "Obwohl wir große Fortschritte bei der Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit gemacht haben, können wir mit dem Erreichten noch nicht zufrieden sein. Von unseren mittelfristigen Konzernzielen sind wir nach wie vor weit entfernt", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch kürzlich. VW befinde sich weiterhin in einem schwierigen Branchenumfeld mit hartem Wettbewerb, hohen Energie- und Rohstoffpreisen sowie ungünstigen Wechselkursen.
Winterkorn soll Lastwagenallianz unter Dach und Fach bringen
Abseits der Restrukturierung bietet sich dem VW-Konzern gleichzeitig eine strategische Option für das eigene Nutzfahrzeuggeschäft, das bisher nur ein Schattendasein fristet. Ginge es nach VW-Aufseher Piëch, würde sich Europas größter Autokonzern gemeinsam mit MAN und Scania zu Europas größtem Lastwagenproduzenten aufschwingen.
VW-Chef Pischetsrieder hat sich in dieser Frage mit einer Minderheitsposition mit Sperrminorität bei MAN und Scania zufriedengegeben. Von Amtsnachfolger Winterkorn wird nun erwartet, daß die Allianz in der Nutzfahrzeugindustrie überhaupt zustande kommt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,27 | −1,21% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2445 | −0,35% |
| Rohöl Brent Crude | 105,15 $ | −1,59% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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