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Volkswagens Plan Mit dem Ein-Liter-Auto an die Spitze

 ·  Noch sind Toyota und GM die größten Autobauer. Doch bis 2018 will Volkswagen sie überrunden. Ferdinand Piëch beginnt die Aufholjagd mit dem Ein-Liter-Auto in Qatar.

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Sogar für den erfahrenen Ferdinand Piëch wird es ein Auftritt mit Lampenfieber gewesen sein – und sein erster vor großem Publikum im Lande des arabischen Großaktionärs Qatar. Am gestrigen Dienstagabend stellte der 73 Jahre alte Aufsichtsratschef des Volkswagen-Konzerns das erste Auto der Wolfsburger vor, das nur einen Liter Treibstoff auf 100 Kilometer verbraucht. Der Prototyp wurde auf der 1. Qatar Motor Show enthüllt. Dass die Premiere im fernen Doha stattfindet, ist kein Zufall. Schließlich ist das Emirat Qatar mit 17 Prozent an Volkswagen beteiligt und erhält bald einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat. Entsprechend groß ist das Aufkommen an Politprominenz: Aus Deutschland reiste Ministerpräsident David McAllister als Vertreter des Großaktionärs Niedersachsen an; von Seiten Qatars gab sich der Emir höchstselbst, Hamad bin Khalifa Al Thani, die Ehre.

Für Piëch geht es nicht nur um irgendeine Show. Das Ein-Liter-Auto ist schon seit 2005 das liebste Prestigeprojekt des Alten. VW soll mit dem Zweisitzer beweisen, dass der Konzern im Dreikampf mit den größeren Wettbewerbern Toyota und General Motors (GM) technisch up to date ist. Das Ein-Liter-Auto der Deutschen ist ein Hybridfahrzeug, das einen Diesel- mit einem Elektromotor kombiniert. Und bei der Karosserie setzt VW zum ersten Mal wie die deutschen Oberklasse-Konkurrenten BMW und Daimler auf Kohlefaser, um das Gewicht zu reduzieren. Schon 2013 könnte der Prototyp in Serie gehen.

Mit solchen spritsparenden Autos will Piëch den Rivalen aus Japan und Amerika den Rang ablaufen. Noch liegen diese in mancherlei Hinsicht vorne, was technische Neuerungen angeht: Toyota ist mit dem Modell Prius der unangefochtene Marktführer bei Hybridfahrzeugen, und GM bringt mit dem Chevrolet Volt eines der ersten Elektroautos der Welt auf den Massenmarkt. In beiden Feldern geht VW gerade erst an den Start.

Die Amerikaner waren fast 80 Jahre lang die Nummer eins

Auch was die schiere Größe betrifft, muss sich VW derzeit noch mit dem dritten Platz begnügen und einiges aufholen, wenn das von Konzernchef Martin Winterkorn ausgegebene Ziel erreicht werden soll, bis 2018 größter Autokonzern der Welt zu werden. Im Jahr 2010 jedenfalls hat Toyota – trotz der Pannenserie, die mit dem Rückruf von rund zehn Millionen Autos in die Werkstätten verbunden war – den ersten Platz verteidigt. Der japanische Konzern verkaufte 8,42 Millionen Fahrzeuge. GM hat kräftig aufgeholt und ist mit 8,39 Millionen Autos wieder ganz nahe herangekommen an die Spitze. Die Amerikaner waren noch bis 2007 fast 80 Jahre lang die weltweite Nummer eins im Automarkt gewesen. VW dagegen arbeitete sich 2010 mit 7,1 Millionen Autos von hinten an die beiden Großen heran.

Allerdings liegen die Wolfsburger in einer Hinsicht schon jetzt klar an der Spitze: VW wächst am schnellsten mit einer Rate von 14 Prozent. Toyota brachte es nur auf ein Plus von 8 Prozent, und GM legte 12 Prozent zu. Während die Amerikaner und Deutschen vom extrem starken Wachstum im größten Fahrzeugmarkt China profitierten, litt Toyota besonders unter der Schwäche im zweitwichtigsten amerikanischen Automarkt. Dort büßte Toyota wegen rutschender Fußmatten und wegen manchmal klemmender Gaspedale Absatz ein, während der Gesamtmarkt wegen des konjunkturellen Aufschwungs kräftig zulegte.

Der Kampf um die Krone wird in China entscheiden

Kein Wunder: Am 24. Februar 2010 musste Toyota-Chef Akio Toyoda, der Enkel des Firmengründers Kiichiro Toyoda, sogar vor einem Komitee des amerikanischen Kongresses erscheinen, um den Abgeordneten wegen 34 tödlicher Unfälle mit Toyota-Autos Rede und Antwort zu stehen. Der Auftritt endete mit einer tiefen Verbeugung Toyodas. Doch auch ohne das Missgeschick und die jüngste Schwäche der Japaner ist der Abstand, den VW noch aufholen muss, nach Ansicht vieler Fachleute kleiner, als er auf den ersten Blick erscheint: „Denn berücksichtigt man auch Beteiligungen an anderen Autoherstellern, auch wenn diese noch unter 50 Prozent liegen, dann ist der Volkswagen-Konzern schon seit 2009 mit Abstand die Nummer eins in der Welt“, sagt Frank Schwope von der Nord LB. Rechne man dem Konzern nämlich neben den konsolidierten Marken Audi, Škoda, Seat, Lamborghini, Bentley, Scania und Bugatti auch noch die Marken zu, an denen Volkswagen nur Beteiligungen besitze – also Porsche (50 Prozent), MAN (30 Prozent) und Suzuki (20 Prozent) –, so komme der Konzern für das Jahr 2010 auf eine Fahrzeugproduktion von 10 Millionen Einheiten. Zudem hat der mächtige VW-Aufsichtsratschef Piëch auch schon den nächsten Zukauf in Aussicht gestellt: Er wolle den zu Fiat gehörenden Autobauer Alfa Romeo als dreizehnte Marke zu VW holen, kündigte Piëch im Herbst 2010 auf der Automesse in Paris an.

Ganz abgesehen von dem leidigen Streit, welche Absatzzahlen einbezogen werden, ist allen Beteiligten klar, dass sich der Kampf um die Krone der Autoindustrie in China entscheiden wird. Und genau dort liegt die Stärke von VW. Binnen drei Jahren entwickelt der deutsche Konzern für 6 Milliarden Euro mehr als 20 neue Automodelle und baut vier neue Werke im Süden des Landes. Bis 2013 erhöht sich die Produktionskapazität auf 3 Millionen Autos im Jahr. Schon jetzt verkaufen die beiden VW-Unternehmen in China zusammen mehr als 2 Millionen Autos im Jahr und festigen damit die Position als Marktführer. Der Nachholbedarf ist groß: Der Motorisierungsgrad in China entspricht dem deutschen im Jahr 1956.

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