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Volkswagens neuer Golf Auf dem Weg zum größten Autokonzern

 ·  VW-Chef Martin Winterkorn will sein Unternehmen zum größten Autokonzern der Welt machen. Der Golf ist für ihn ein Meilenstein.

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© REUTERS Einstiegsmodell wird der 1,2 TSI Trendline mit 63 kW (85 PS), er kostet 16.975 Euro und damit auf den Euro ebenso viel wie der bisherige 1,4 MPI mit 80 PS

Martin Winterkorn ärgert sich bis heute über jenes heimlich aufgenommene Video im Internet, das ihn auf der vergangenen Automesse IAA am Steuer eines Hyundai i30 zeigt. Er betätigt den Hebel, mit dem man das Lenkrad verstellt, und zürnt: „Da scheppert nix.“ Ausgerechnet das koreanische Konkurrenzmodell zum VW Golf war in einem winzigen Detail besser als das Brot-und-Butter-Auto aus Wolfsburg.

Doch das hat der für seinen Perfektionismus bekannte VW-Vorstandsvorsitzende nicht lange durchgehen lassen. Am Dienstagabend präsentierte Winterkorn den mit Spannung erwarteten neuen Golf VII. Am Rande der großen Modellpremiere in Berlin darauf angesprochen, wie es sich denn nun mit dem Lenkradverstellhebel verhalte, entgegnete Winterkorn wie aus der Pistole geschossen: „Da scheppert nix mehr!“

Aber auch sonst zeigte sich Winterkorn sichtlich zufrieden über die siebte Generation des Dauerbrenners, von dem seit 1974 mehr als 29 Millionen Stück verkauft wurden. „Auf diesen Moment habe ich mich seit Monaten gefreut“, sagte Wiko, wie er intern genannt wird, nachdem er das silbermetallic-farbige Gefährt vor 700 Zuschauern - darunter auch Konzernpatriarch Ferdinand Piëch nebst Gattin Ursula - in die Neue Nationalgalerie kutschiert hatte.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Kompaktwagen nur wenig von seinem Vorgänger. Das ist auch Absicht, denn das zeitlose Erfolgsmodell soll immer sofort als Golf wiedererkannt werden. Technisch handelt es sich jedoch um ein vollkommen neues Fahrzeug. Besonders stolz ist Winterkorn darauf, dass der neue Golf 100 Kilo weniger wiegt als der alte. Dies trägt mit dazu bei, dass der Wagen im Durchschnitt der Flotte 14 Prozent weniger Sprit verbraucht. Das Sparmodell „Blue Motion“ soll auf 100 Kilometern sogar nur 3,2 Liter schlucken.

Winterkorn will mit dem neuen Golf nicht nur Hyundai und andere Rivalen auf Abstand halten. Die Nummer 7 ist für ihn ein weiterer Meilenstein auf dem Weg an die automobile Weltspitze, die Volkswagen spätestens 2018 erobern will. Noch haben General Motors und Toyota die Nase vorn. Nach Einschätzung von VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch wird Volkswagen mit dem neuen Golf auch eine höhere Rendite einfahren als mit dem Vorgängermodell. „Die Margen des Neuen übertreffen die des Alten vom Start weg“, sagte Pötsch am Rande der Präsentation in Berlin und fügte hinzu: „Der Golf VII wird einen wesentlichen Ergebnisbeitrag liefern.“

Volkswagen werde auch mit dem preislich aggressiv positionierten Basismodell (85 PS), das mit knapp 17.000 Euro genauso teuer ist wie der Golf VI, Geld verdienen, beteuerte der Finanzchef, ohne ein konkretes Renditeziel nennen zu wollen. Der Schlüssel zu höheren Margen liegt laut Pötsch in dem neuen Konstruktionsprinzip. Der sogenannte modulare Querbaukasten (MQB) erlaubt es dem Konzern, marken- und modellübergreifend viel mehr Gleichteile zum Einsatz zu bringen. „Dadurch sinken die Einzelkosten um 20 Prozent“, erläuterte Pötsch. Künftig sollen insgesamt 3,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr auf diesem Baukasten produziert werden.

VW-Werke sind derzeit noch gut ausgelastet

Die schönen Renditepläne der Wolfsburger gehen allerdings nur auf, wenn auch der Absatz stimmt. VW profitiert zwar von seiner vergleichsweise guten Aufstellung auf Wachstumsmärkten wie China, Süd- und Nordamerika sowie Russland. Europa ist für den Golf (und andere Modelle des Konzerns) aber nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt. Und dort geht es insbesondere im schuldengeplagten Süden bergab. Der Golf komme in einer „nicht ganz einfachen Zeit“ auf den Markt, gab Pötsch zu. Aber weil der Wagen aus sich heraus überzeuge, schaffe er sich seine eigene Nachfrage. Daher habe man die Absatzplanung trotz der Krise in Südeuropa nicht zurückgenommen.

Während etliche Wettbewerber mit Überkapazitäten kämpfen, sind die VW-Werke derzeit noch gut ausgelastet. Winterkorn beteuerte jedenfalls, dass VW in diesem Jahr keine Kurzarbeit einführen müsse. „Was 2013 ist, weiß ich nicht.“ Zugleich bekannte er sich klar zum heimischen Produktionsstandort: „Wir wollen weiterhin in Deutschland produzieren.“ Es sei seine Aufgabe als Manager, etwaige Absatzschwankungen auszubalancieren.

„Wir geben Nachlässe, keine Frage, aber...“

Den Vorwurf von Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne, mit übermäßigen Rabatten ein „Blutbad“ im Markt anzurichten, wies Winterkorn zurück. „Wir geben Nachlässe, keine Frage, aber wenn die so hoch wären, wie Marchionne behauptet, hätten wir nicht so gute Ergebnisse.“ Der mächtige Konzernpatriarch und Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch sagte am Rande der Veranstaltung, er sehe keinen ebenbürtigen Konkurrenten zum neuen Golf. VW sei auf gutem Weg, die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei werde der Konzern auch nicht durch die seit Jahren defizitäre spanische Tochtergesellschaft Seat aufgehalten.

Der Vater von zwölf Kindern verglich Seat mit einem schwächeren Kind, um das man sich eben auch kümmern müsse: „Immerhin haben wir von zwölf Marken elf mit schwarzen oder dick schwarzen Zahlen. Da trägt man auch ein krankes Kind. Aber es ist auf gutem Weg. “ Dabei hielt er Händchen mit seiner Frau Ursula. Auf die Frage, was die größte Gefahr für den zuletzt erfolgsverwöhnten VW-Konzern sei, antwortete Piëch: „Hochnäsigkeit in den eigenen Reihen.“

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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