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Umbau der Kernmarke : Volkswagen streicht bis zu 23.000 Stellen in Deutschland

Der Umschwung hin zur Elektromobilität führt bei VW dazu, dass viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Bild: dpa

Volkswagens Manager und Betriebsräte haben sich zu drastischen Stellenkürzungen entschlossen. Hart trifft es die deutschen Standorte. Es sollen aber auch neue Arbeitsplätze entstehen.

          Die Einigung ist der Kernmarke auf den letzten Metern gelungen. Während in Wolfsburg bereits die ersten Aufsichtsräte eintrafen, die dort auf ihrer Sitzung am Freitag über die Investitionen des Konzerns für die nächsten 5 Jahre entscheiden wollten, berichtete VW-Markenvorstand Herbert Diess vor Journalisten über die Ergebnisse des Zukunftspakt, auf den sich VW und der Betriebsrat kurz zuvor geeinigt haben. Volkswagen wird im Rahmen dieses Pakts allein in Deutschland bis 2025 rund 23 000 Stellen streichen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          „Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben“, sagte Diess. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, etwa über Altersteilzeit. Außerdem wird die Zahl der Leiharbeiter drastisch reduziert. „Die Situation der Marke lässt uns dabei wenig Spielraum“, sagte Diess. Weltweit sollen bis zu 30.000 Arbeitsplätze im Unternehmen wegfallen. Die Kernmarke VW beschäftigt mehr als 200.000 Menschen, den Großteil in Deutschland. Der gesamte Volkswagen-Konzern mit seinen 12 Marken hat weltweit insgesamt mehr als 624.000 Menschen, 282.000 davon in Deutschland.

          Diess sagte, mit dem Zukunftspakt setze sich VW an die Spitze beim Wandel der Automobilbranche in Richtung Elektromobiltät, Digitalisierung und automatives Fahren. „Wir bauen die gesamte Marke um, wir machen sie fit für den großen Wandel in unserer Branche.“

          Batteriesysteme werden in Braunschweig entwickelt

          Während der Personalabbau durch Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen und effizientere Arbeitsabläufe bis zum Jahr 2020 das Ergebnis um 3,7 Milliarden Euro - davon 3 Milliarden Euro in den deutschen Standorten - verbessern soll, plant die Kernmarke auf der anderen Seite, in den kommenden Jahren rund 3,5 Milliarden Euro in Zukunftstechnik zu investieren. Dafür werden 9000 neue Stellen geschaffen. VW will diese Stellen überwiegend mit bereits vorhandenen Mitarbeitern besetzen.

          „Das könnte unter dem Strich bis zu 14.000 Arbeitsplätze weniger bedeuten“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bis Ende 2025 seien betriebsbedingte Kündigungen mit dem Pakt ausgeschlossen. Niemand in der Stammbelegschaft müsse mehr Angst um seinen Arbeitsplatz haben.

          Osterloh wies darauf hin, dass Elektroautos nun - entgegen anderer Planungen im Vorstand - in Deutschland und nicht im Ausland gebaut werden. Auch die Zukunft der Komponentenwerke von VW sei gesichert. Die Batteriesysteme werden in Braunschweig entwickelt, in Salzgitter soll es eine Pilotanlage für die Zellentwicklung geben, das Werk in Kassel soll die Führung beim Bau der E-Motoren übernehmen.

          „Einer der größten Schritte in der Geschichte des Konzerns“

          Diess sagte, „dieser Pakt ist für Volkswagen ein großer Schritt nach vorne, sicherlich einer der größten in der Geschichte des Konzerns.“ Bisher sei Volkswagen nicht gewappnet gewesen für den Wandel, bei der Produktivität habe man an Boden verloren. Bei der Rendite liege der Konzern weit hinter der Konkurrenz. „Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den Zukunftssturm wappnen“, sagte Diess. Der Zukunftspakt soll die Produktivität der deutschen Werke jetzt um rund ein Viertel erhöhen. Die operative Umsatzrendite soll bis 2020 auf 4 Prozent mehr als verdoppelt werden.

          Betriebsrat und VW-Markenvorstand haben bereits seit mehreren Monaten über den Zukunftspakt verhandelt. Am Ende wuchs der Druck, denn der Abschluss des Zukunftspakts war die Voraussetzung für den Investitionsplan des Autobauers bis 2021, über den der Aufsichtsrat am Freitag in Wolfsburg beraten und vor allem beschließen sollte.

          Dabei geht es um die Verwendung von rund 100 Milliarden Euro. Betriebsratschef Osterloh sagte, mit dem Zukunftspakt schaffe VW jetzt den Einzug in eine neue Ära. Er sagte, bei den harten Verhandlungen sei es Konzernchef Matthias Müller gewesen, „der letztendlich den Knoten durchgeschlagen hat“.

          Abgas-Skandal zwingt zum Sparen

          Das Verhältnis zwischen Osterloh und Diess gilt in der Öffentlichkeit seit langem als angespannt. Müller sagte, der Zukunftspakt sei „Teil eines umfassenden Transformationsprogramms im Konzern“. Ohne eine starke Marke VW lasse sich auch der Konzern mit seinen Marken von Porsche, Audi bis zu Seat und Skoda nicht erfolgreich führen. Der Weg, den Zukunftspakt umzusetzen, werde nicht einfach, sagte er. „Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.“

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Volkswagen hat an vielen Stellen zu kämpfen. Der Abgas-Skandal zwingt den Autobauer zum Sparen, zugleich muss der Konzern viel Geld in zentrale neue Trends der Branche stecken: Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe.

          Dazu hat die Pkw-Kernmarke seit langem ein Rendite-Problem - das mit dem Pakt jetzt gelöst werden soll. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen. In vier Jahren sollen es immerhin 4 Euro sein.

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