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Volkswagen Stahlunternehmer Großmann rückt in den VW-Aufsichtsrat

21.01.2006 ·  Der in der Neubesetzung des VW-Aufsichtsrats noch offene Posten für einen „Neutralen“ soll vom Stahlunternehmer Großmann besetzt werden. Dieser gilt als Freund des Ministerpräsidenten Wulff und ist Zulieferer der Wolfsburger.

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Der niedersächsische Stahlunternehmer Jürgen Großmann zieht Aufsichtsratskreisen zufolge im Mai in das Kontrollgremium von Volkswagen. Ob er 2007 Ferdinand Piech als VW-Aufsichtsratschef folgt, sei aber offen. Die VW-Großaktionäre, der Sportwagenbauer Porsche und das Land Niedersachsen, hätten sich auf Großmann geeinigt, sagte eine mit den Gesprächen von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vertraute Person am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Großmann soll in dem Gremium den früheren ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme ersetzen, der im Streit um die Doppelrolle von VW-Aufsichtsratschef Piech seinen Rückzug angekündigt hatte. VW und die niedersächsische Landesregierung wollten nicht Stellung nehmen. Ein Porsche-Sprecher sagte, er wisse davon nichts.

Liesen muß gehn

Wulff und Wiedeking hatten sich am Freitag darauf geeinigt, daß von 2007 an ein „neutraler Mann“ das VW-Aufsichtsgremium führen soll. Porsche ist seit kurzem mit 18,5 Prozent größter VW-Aktionär vor Niedersachsen mit 18,2 Prozent und entsendet mit Wiedeking und ab Mai auch Finanzvorstand Holger Härter zwei Mitglieder in das Gremium. Die schwäbischen Autobauer verzichten aber auf den Vorsitz. Für Härter muß den Kreisen zufolge der frühere Aufsichtsratschef Klaus Liesen sein Mandat aufgeben. Der 74-Jährige solle dafür zum Ehrenvorsitzenden des Gremiums ernannt werden.

Der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Piech, der seit 2002 Aufsichtsratschef ist, war in die Kritik geraten, weil er mit seiner Familie auch alle stimmberechtigten Aktien bei Porsche hält. Dieser Interessenkonflikt steht den Grundsätzen guter Unternehmensführung entgegen, die Cromme maßgeblich entwickelt hatte. Der 68-jährige gibt seinen Posten im Mai 2007 auf. Offen ist, ob Piech, wie von Wulff gefordert, den Aufsichtsrat ganz verläßt.

Ein Freund von Wulff

Ob Großmann, der Eigentümer der Georgsmarienhütte in der gleichnamigen Stadt bei Osnabrück, 2007 auch neuer Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats werde, sei in den Verhandlungen der beiden Großaktionäre „bewußt ausgeklammert worden“, sagte die mit den Gesprächen zwischen Wulff und Wiedeking vertraute Person. Der als mittelstandsorientiert und standorttreu geltende Unternehmer, der mit Wulff befreundet sei, solle sich zunächst im Aufsichtsrat bewähren. Großmanns Firma ist auch Zulieferer von VW.

Auch die Magazine „Der Spiegel“ und „Focus“ berichteten über seine Berufung vorab. Dem „Spiegel“ zufolge wird er als Kompromißkandidat für den Aufsichtsratsvorsitz gehandelt. Als zweiter Kandidat für Piechs Nachfolge gilt der ehemalige Siemens-Konzernchef Heinrich von Pierer. Dem „Spiegel“ zufolge hat Wiedeking ihn als Aufsichtsratschef abgelehnt, Wulff habe Wiedekings Kandidaten, TUI-Chef Michael Frenzel, nicht akzeptiert.
Von Pierer soll den Kreisen zufolge wie E.ON-Vorstand Hans Michael Gaul im VW-Aufsichtsrat bleiben.

In den Verhandlungen über die Neubesetzung des Gremiums hat Landeschef Wulff dem „Spiegel“ zufolge eine Beteiligung von Salzgitter ins Gespräch gebracht. Der niedersächsische Stahlkonzern, der teilweise dem Land gehört, habe eine Milliarde Euro flüssige Mittel. Demgegenüber habe sich Porsche Kapital besorgt, um seine Beteiligung an VW bis auf 29,9 Prozent nach oben zu schrauben, berichtete das Magazin. In den Kreisen hieß es, dies sei nur Verhandlungspoker gewesen: „Das ist alles Geschichte.“

Mehr Gewicht für Bernhard?

Branchenkreisen zufolge haben sich die Großaktionäre auch auf die Verlängerung des Vertrags von Bernd Pischetsrieder als VW-Vorstandschef bis 2012 geeinigt. Dem „Spiegel“ zufolge soll VW-Markenchef Wolfgang Bernhard jedoch eine stärkere Rolle im Vorstand des Wolfsburger Autoherstellers bekommen als bisher. Der ehemalige Chrysler-Manager solle die Produktion im ganzen Konzern steuern, Audi-Chef Martin Winterkorn sich stärker für die Entwicklung verantwortlich zeichnen.

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Von Heike Göbel

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