Home
http://www.faz.net/-gqi-7720b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Volkswagen Rekord-Gewinn dank Porsche-Übernahme

Porsche hat den Umsatz von VW beschleunigt: Nach der Übernahme der Luxusmarke dürfte der Wolfsburger Autokonzern im vergangenen Jahr mehr als 22 Milliarden Euro und somit so viel wie nie zuvor verdient haben.

© REUTERS Vergrößern

An diesem Freitag wird der Aufsichtsrat der Volkswagen AG einen ersten Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung des Geschäftsjahres 2012 werfen. Dabei wird so mancher Kontrolleur blass werden. Denn unter dem Strich dürfte ein Gewinn nach Steuern von mehr als 22 Milliarden Euro stehen. Damit bricht der Wolfsburger Automobilkonzern in Deutschland alle Rekorde und stellt seine vielfach darbenden Wettbewerber weit in den Schatten.

Johannes Ritter Folgen:    

Schon im Jahr zuvor hatte VW mit knapp 16 Milliarden Euro den höchsten Nettogewinn erreicht, den jemals ein im Deutschen Aktienindex (Dax) geführtes Unternehmen erzielt hat. In beiden Jahren waren allerdings Sondereffekte im Zusammenhang mit der Übernahme des Sportwagenherstellers Porsche ausschlaggebend für die Ergebnisrekorde. Diese werden sich im laufenden Jahr nicht wiederholen.

Mehr als die Hälfte des Gewinns dürften Einmaleffekte sein

Am 1. August 2012 hatte VW die zweite Hälfte (50,1 Prozent) der Porsche AG, in der das operative Sportwagengeschäft gebündelt ist, für 4,5 Milliarden Euro übernommen. VW zog damit eine Option, die in der Grundlagenvereinbarung zur Zusammenführung von VW und Porsche im Jahr 2009 vereinbart worden war. Der Kaufpreis wurde also auf dem Höhepunkt der Finanzkrise fixiert. Seither ist der Wert der Sportwagenschmiede freilich stark gestiegen.

Infolge der erstmaligen Vollkonsolidierung von Porsche ergab sich 2012 ein buchhalterischer, nicht zahlungswirksamer Ertrag von 10,4 Milliarden Euro. Hinzu kamen 1,9 Milliarden Euro aus der Neubewertung der 2009 vereinbarten Optionen für den Kauf der restlichen Porsche-Anteile. Die einmaligen Bewertungseffekte summieren sich auf 12,3 Milliarden Euro und machen also wohl mehr als die Hälfte des erwarteten Jahresüberschusses aus. Diesen veranschlagt Marc-René Tonn, Autoanalyst beim Bankhaus M.M. Warburg, auf 22,3 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet Tonn mit einem Rückgang des Nettogewinns auf knapp 11 Milliarden Euro.

Operatives Ergebnis könnte sich leicht verbessern

Für die Beurteilung des eigentlichen Geschäftserfolgs von VW ist das operative Ergebnis aussagekräftiger. Dieses wollte der Vorstand unter Führung von Martin Winterkorn 2012 auf dem Vorjahresniveau von 11,3 Milliarden Euro halten. Jürgen Pieper, Aktienanalyst beim Bankhaus Metzler, schätzt, dass VW etwas besser abgeschnitten und das Betriebsergebnis um knapp 3 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro erhöht hat. Den Umsatz sieht Pieper bei 193 Milliarden Euro - das wären 21 Prozent mehr als 2011. Dieser starke Anstieg resultiert zu einem beträchtlichen Teil aus der Übernahme von Porsche und MAN.

Dass sich der Umsatzschub nicht gleichermaßen in der operativen Ergebnisentwicklung spiegelt, hat mit allerlei Sonderlasten zu tun. Zum einen sind wegen der Firmenkäufe hohe Abschreibungen auf die Kaufpreise fällig. Zum anderen hat VW einen Milliardenbetrag für die Einführung des neuen Produktionssystems (modularer Querbaukasten, MQB) ausgegeben.

Mehr zum Thema

Belastet wurde das operative Ergebnis 2012 zudem durch die Preiskämpfe in Westeuropa. Die Rabatte dürften die Margen vor allem im Volumensegment nach unten gedrückt haben. Trotzdem steht VW insgesamt sehr viel besser da als Wettbewerber wie Opel, Fiat, Peugeot oder Renault. Der Vielmarkenkonzern (VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini) profitiert von seiner breiten Aufstellung und der starken Position in Schwellenländern wie China. Auch in den Vereinigten Staaten holt VW mit Rückenwind vom Markt deutlich auf.

Die guten Verkaufszahlen in Amerika und China sowie Russland trugen maßgeblich dazu bei, dass VW den Absatz im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf knapp 9,1 Millionen Fahrzeuge erhöht hat. Auch wenn sich das Wachstum im laufenden Jahr verlangsamt, dürfte der Konzern sein Ziel, zehn Millionen Autos zu verkaufen, nach internen Schätzungen spätestens 2015 erreichen. Bis 2018 will VW der größte Automobilkonzern der Welt sein. 2012 hatten Toyota (9,75 Millionen verkaufte Fahrzeuge) und General Motors (9,3 Millionen) noch die Nase vorn.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Callista beim Traumschiff aus dem Rennen

Ein Verkauf des MS Deutschland steht offenbar unmittelbar bevor. Der bisherige Eigentümer Callista wird nicht der Käufer sein. Die neue Anleihe von German Pellets verzeichnete eine gute Nachfrage. Mehr

26.11.2014, 15:11 Uhr | Finanzen
Mittelstandsanleihen-Ticker Mittelstands-Meldungen 2014 Januar bis Mai

Meldungen von und über mittelständische Anleihenemittenten zwischen dem 1. Januar und dem 30. Mai 2014 Mehr

26.11.2014, 15:03 Uhr | Finanzen
Boom in China Deutsche Autokonzerne jubeln über Rekorde

Im laufenden Jahr haben die deutschen Autokonzerne bislang glänzende Geschäfte gemacht. Vor allem der chinesische Markt boomt. Jedes dritte Auto verkaufen die deutschen Hersteller mittlerweile dort. Mehr Von Carsten Knop

25.11.2014, 18:47 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.02.2013, 17:33 Uhr

Der Mythos vom prekären Arbeitsmarkt

Von Sven Astheimer

Zum ersten Mal sind mehr als 43 Millionen Menschen in Deutschland beschäftigt. Vor allem viele normale Arbeitsplätze hat der Aufschwung geschaffen - allen Warnern zum Trotz. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Mehr 6 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo Gemeinden die meisten Steuern einnehmen

Die Städte und Gemeinden in Ostdeutschland haben zwar weniger Schulden als die im Westen, doch ihre Steuerkraft ist noch immer deutlich niedriger. Unsere Grafik zeigt, wo Kommunen viele Steuern einnehmen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden