20.04.2006 · Während Bernd Pischetsrieder nach Informationen der F.A.Z. Vorstandsvorsitzender von VW bleibt, erntet Aufsichtsratschef Ferdinand Piech zunehmend Kritik. Aktionäre wollen ihm die Entlastung verweigern.
Bernd Pischetsrieder bleibt Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Nach Informationen der F.A.Z. will der Aufsichtsrat am 2. Mai beschließen, Pischetsrieders Vertrag zu verlängern. Der frühere BMW-Chef steht seit vier Jahren an der Spitze von VW. Anfang März hatte Aufsichtsratschef Ferdinand Piech öffentlich Zweifel an der Vertragsverlängerung geäußert und dabei auf den Widerstand der Arbeitnehmervertreter verwiesen.
Tatsächlich gilt es inzwischen als sicher, daß nicht nur die Anteilseigner-, sondern auch die Mehrzahl der Arbeitnehmervertreter für den 58 Jahre alten Pischetsrieder votieren werden. Folglich ist nicht mit einer Kampfabstimmung zu rechnen.
Dem Vernehmen nach hat auch Piech selbst fest versprochen, für Pischetsrieder zu stimmen. Wie berichtet, hätte der Chefaufseher lieber den Audi-Chef Martin Winterkorn an die VW-Spitze gehievt (siehe: Handlungsunfähig in Wolfsburg). Daß sich Piech von dieser Vorstellung inzwischen verabschiedet hat, zeigt ein Satz, den er nach der VW-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag geäußert hat: Auf die Frage, ob Pischetsrieders Vertrag verlängert werde, sagte er: „Von meinem heutigen Standpunkt aus würde ich das so sehen.“
Restrukturierung der westdeutschen VW-Werke
Im Mittelpunkt der Aufsichtsratssitzung standen die Pläne des Vorstands zur Restrukturierung in den defizitären westdeutschen VW-Werken. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Pischetsrieder sagte, Aufsichtsrat und Vorstand seien sich einig, daß die notwendigen Schritte zur Sanierung der Kernmarke VW unternommen werden müßten. Einzelheiten zu den Sanierungsschritten nannte er aber nicht. Der Aufsichtsrat habe den Vorstand beauftragt, darüber Gespräche mit der Belegschaft und gegebenenfalls mit der IG Metall zu führen, fügte Pischetsrieder hinzu.
Es habe Einigkeit darüber geherrscht, daß es „erheblichen Verbesserungsbedarf“ gebe, wenn man die langfristige Wettbewerbsfähigkeit betrachte. Nach früheren Angaben des Vorstands könnten von dem Umbau bis zu 20.000 der 100.000 VW-Mitarbeiter betroffen sein. Über die Verlängerung der Arbeitszeit von 28,8 auf 35 Stunden sei in der Aufsichtsratssitzung nicht gesprochen worden, sagte Pischetsrieder. Eine Schließung des Werkes in Brüssel habe der Vorstand nicht vorgeschlagen.
Ungeachtet der einvernehmlichen Lösung in der umstrittenen Führungsfrage gerät VW-Aufsichtsratschef Piech immer stärker unter Druck. Auf der Hauptversammlung am 3. Mai wird er harsche Kritik zu hören bekommen. Die Fondsgesellschaften der Sparkassen (Deka) und der Deutschen Bank (DWS) haben Gegenanträge eingereicht. Darin fordern sie, daß nicht insgesamt, sondern einzeln über die Entlastung der Aufsichtsräte abgestimmt wird.
Aktionäre wollen Piech die Entlassung verweigern
Deka und DWS wollen Piech die Entlastung verweigern. Zur Begründung verweist die Deka auf die Wahl von Horst Neumann zum VW-Personalvorstand, die Piech gegen den Willen Pischetsrieders durchgeboxt hatte, und die öffentlich geäußerten Zweifel Piechs an einer Verlängerung von Pischetsrieders Vertrag. Diese Vorgänge stellten eine „beabsichtigte Schwächung des Vorstandsvorsitzenden und seiner Sanierungspolitik dar“.
Aus Sicht der VW-Anteilseigner sei dies kontraproduktiv und wertmindernd für die Aktie. Gerade in dieser schwierigen Sanierungsphase sei es wichtig, daß der Aufsichtsratsvorsitzende uneingeschränkt hinter dem Vorstand stehe und dessen Arbeit unterstütze, sagte DWS-Manager Henning Gebhardt gegenüber dieser Zeitung. Allein die DWS besitze genügend VW-Aktien, um die Einzelabstimmung in der Hauptversammlung durchzusetzen.
Auch die Vertreter von Kleinaktionären wollen Piech die Entlastung verweigern: VW habe sich zum Paradefall für schlechte Unternehmensführung entwickelt. Dafür trage Piech einen wesentlichen Teil der Verantwortung, schreibt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in ihrem Gegenantrag zur Hauptversammlung.
Debatte um Piechs Äußerungen
Mit seinen Äußerungen habe Piech die Autorität Pischetsrieders unterminiert und seine Vertragsverlängerung in unerklärlicher Weise hinausgezögert. Nach Ansicht von SdK-Geschäftsführer Klaus Schneider ist der neue Großaktionär Porsche mit drei Personen (einschließlich Piech) im VW-Aufsichtsrat überrepräsentiert. Angelsächsischen Investoren wie der Fondsgesellschaft Tweedy Brown, die knapp 1 Prozent der VW-Aktien besitzt, ist vor allem die Doppelrolle Piechs als VW-Aufsichtsrat und Miteigentümer von Porsche ein Dorn im Auge. Sie wittern Interessenkollisionen.
Der VW-Aufsichtsrat stimmte den Plänen des Vorstands zu, ein Montagewerk in Rußland zu bauen. Außerdem wurde der Vorstand ermächtigt, den 50-prozentigen Anteil an der Volkswagen Mechatronic GmbH in Stollberg/Sachsen an Siemens VDO zu verkaufen.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.377,27 | −1,21% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2445 | −0,35% |
| Rohöl Brent Crude | 105,15 $ | −1,59% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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