02.11.2005 · Volkswagen wird bei seiner spanischen Tochtergesellschaft Seat eine deutlich schärfere Gangart einlegen. Nach Informationen der F.A.Z. will Seat mehr als 1000 seiner 12.900 Stellen abbauen. Die BMW-Marke Mini soll zum Vorbild werden.
Volkswagen wird bei seiner spanischen Tochtergesellschaft Seat eine deutlich schärfere Gangart einlegen. Nach Informationen der F.A.Z. will Seat mehr als 1000 der insgesamt 12 900 Stellen abbauen. Damit reagiert die Geschäftsführung unter Vorsitz von Andreas Schleef auf die schlechte Absatz- und Ertragslage. Seat verkauft deutlich weniger Fahrzeuge als geplant und sitzt auf einem viel zu hohen Kostengerüst. Das Unternehmen arbeitet mit Verlust. Insgesamt sind nach Berechnungen des Konzerns rund 1400 Mitarbeiter zu viel an Bord. Die bisherigen Gespräche mit den spanischen Gewerkschaften und dem Seat-Betriebsrat führten nicht zu einer Vereinbarung, die eine nennenswerte Entlastung bei den Arbeitskosten gebracht hätte. Daher sieht sich Schleef jetzt offenbar zu harten Einschnitten gezwungen.
Die Pläne für Seat reichen allerdings über das Streichen von Stellen hinaus. Innerhalb des VW-Konzerns ist Seat bei der Markengruppe Audi aufgehängt, zu der ansonsten noch Lamborghini gehört. Ein Audi-Sprecher wollte sich am Mittwoch nicht im einzelnen zu den geplanten Maßnahmen bei den Spaniern äußern. "Wir denken intensiv über eine Neuausrichtung von Seat nach", sagte er lediglich. Intern gibt es aber bereits konkrete Planungen. So solle Seat im Vertrieb stärker mit Audi kooperieren und von den Ingolstädtern im Marketing unterstützt werden, damit die Marke Seat endlich auch jenseits von Südeuropa bekannter wird. Dadurch will Audi den Seat-Absatz ankurbeln und Kosten sparen. Beide Marken sollen nach außen aber weiter klar voneinander abgegrenzt bleiben.
Audi will Seat neu positionieren
Audi will Seat neu positionieren: In Zukunft soll sich der Hersteller stärker auf sportliche, aber sparsame Kleinwagen konzentrieren. Als Vorbild wird die erfolgreiche Marke Mini des Münchner Konkurrenten BMW genannt. Wie zu hören ist, könnte Audi seinem spanischen Sorgenkind in der Umstellungsphase auch stärker als bisher unter die Arme greifen. Mußte Seat die Entwicklung neuer Autos bisher selber bestreiten, gilt es nun als wahrscheinlich, daß Audi beim Umbau der Modellpalette erst einmal Mittel, etwa in Form von Entwicklungsleistungen vorstreckt.
Im Gegenzug wollen die Ingolstädter allerdings die Zügel in Spanien fester in die Hand nehmen als bisher. Zwar gehört Seat seit gut drei Jahren zu der von Audi geführten sportlichen Markengruppe im Volkswagen-Konzern. Doch ist Seat bisher noch immer eine Tochtergesellschaft von VW. Audi-Chef Martin Winterkorn will den Hersteller nun auch gesellschaftsrechtlich bei seinem Unternehmen eingliedern. Vor allem bei den Finanzen und im Controlling wollen die Bayern dadurch einen direkteren Zugriff bekommen: "Bisher hat Audi noch nicht einmal direkten Einblick in das IT-Rechnungswesen von Seat", heißt es.
VW-Zwischenbericht an diesem Donnerstag
Wenn Volkswagen am heutigen Donnerstag über den Verlauf der ersten neun Monate berichtet, wird das Problemkind Seat vermutlich nicht im Vordergrund stehen. Die Verluste der Spanier werden von den vergleichsweise hohen Gewinnen von Audi bei weitem überkompensiert und sind im Zahlenwerk daher nicht direkt sichtbar. Als größte Baustellen werden sich abermals Amerika und China erweisen. In Amerika droht VW in diesem Jahr nochmals ein Verlust von annähernd einer Milliarde Euro. Dort machen den Wolfsburgern nicht nur Dollarschwäche und Preiskämpfe schwer zu schaffen. Hinzu kommt der Markteinbruch infolge der Wirbelstürme und gestiegener Benzinpreise. Auch aus China, wo VW als Marktführer früher einmal enorm hohe Margen eingefahren hat, werden inzwischen Verluste erwartet. Eine verfehlte Produktpolitik und die vor allem von General Motors angefachten Preisschlachten machen Volkswagen im Reich der Mitte das Leben schwer.
Dennoch dürften im Zwischenbericht die positiven Zeichen überwiegen. Von Reuters befragte Analysten erwarten, daß der Konzern den operativen Gewinn nach Sondereinflüssen im dritten Quartal um 80 Prozent auf 717 Millionen Euro gesteigert hat. Zusammen mit den im ersten Halbjahr erzielten knapp 1,4 Milliarden Euro würde VW damit einen höheren operativen Gewinn eingefahren als im gesamten Vorjahr. "Der Absatz von VW dürfte im dritten Quartal sehr gut gelaufen sein" sagte Marc-Rene Tonn, Analyst bei M.M. Warburg. Er rechnet damit, daß die Hauptmarke des Konzerns besser abgeschnitten hat als die französischen Rivalen PSA Peugeot Citroen und Renault. Im September hatte die Marke VW, die nach den Planungen des Vorstands bis zum Jahresende aus der Verlustzone kommen soll, die Auslieferungen weltweit dank neuer Modelle um 3,5 Prozent gesteigert.
Nach einem Bericht der „Wolfsburger Nachrichten“ soll die Führungsmannschaft der Marke VW deutlich ausgedünnt werden: Bis Ende 2008 sollen 227 der 1137 Führungspositionen gestrichen werden, schreibt das Blatt unter Berufung auf interne Planungen es VW-Personalwesens.
| Name | Kurs | Prozent |
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