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Volkswagen Hauptversammlung Ein Autogramm von Martin Winterkorn

 ·  Kleinaktionäre ärgern sich über die Konditionen der Porsche-Übernahme. Und am Rande der VW-Hauptversammlung verkündet Christian Wulff das Ende des Expansionsstrebens. Eine Großfusion im Lastwagengeschäft ist vorerst nicht in Sicht.

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Das ist ihm vermutlich noch nicht oft passiert. 20 Minuten vor Beginn der Hauptversammlung betritt Martin Winterkorn die Bühne des großen Versammlungssaals im Hamburger Kongresszentrum. Zwischen die Kameraleute und Fotografen drängelt sich ein Aktionär, winkt mit einem Block und fragt nach einem Autogramm. Winterkorn lässt sich nicht lange bitten. Freudig lächelnd kritzelt der VW-Vorstandsvorsitzende seinen Namen aufs Papier. Christian Wulff tut es ihm nach. Niedersachsens Ministerpräsident, der dank des zwanzigprozentigen Landesanteils an Volkswagen im Aufsichtsrat des Autokonzerns sitzt, gehört zu den ersten auf dem Podium. Dann kommt Ferdinand Piech. Der mächtige Chefkontrolleur wirkt verhaltener, ja fast ein wenig schüchtern im Vergleich zu Winterkorn und Wulff, die demonstrativ gut gelaunt lachen und scherzen. Trotzdem folgt Piech dem Ruf der Fotografen, sich an der Seite von Winterkorn und Wulff ablichten zu lassen. Inzwischen ist auch Wolfgang Porsche auf die Bühne getreten. Doch er bleibt im Hintergrund. Niemand fordert ihn auf, dem Trio beizutreten. Gut gelaunt sieht Wolfgang Porsche auch nicht gerade aus.

Diese Szene spiegelt die Machtverhältnisse bei Europas größtem Automobilkonzern. Die Porsche Holding SE war im vergangenen Jahr mit dem Versuch gescheitert, VW zu übernehmen. Doch unter Piechs Regie drehten die Wolfsburger den Spieß um. VW übernimmt nun schrittweise den Sportwagenbauer aus Stuttgart-Zuffenhausen. Das war letztlich auch eine Niederlage für Piechs Cousin Wolfgang Porsche.

In der Aussprache gab es kritische Stimmen zur Porsche-Übernahme. Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigte sich überrascht über den Umfang der Risiken, auf die VW im 33 Seiten starken Risikobericht des Emissionsprospekts zur Kapitalerhöhung hingewiesen hat (F.A.Z. vom 20. April): „So habe ich das noch nie im Leben erlebt.“ Hocker monierte die Personidentität von Vorständen der VW AG und der Porsche SE. Diese führe dazu, dass der VW-Vorstand indirekt selbst über das bei der Porsche SE liegende Mehrheitspaket an Volkswagen bestimme. „Ich halte das für untragbar“, sagte der Aktionärsschützer mit Blick auf mögliche Interessenkonflikte.

Kritik an den Konditionen der Porsche-Übernahme

Der Rechtsanwalt und Aktionär Martin Weimann kritisierte die Konditionen der Porsche-Übernahme. Die Bewertung des Sportwagenbauers von 12,4 Milliarden Euro bezeichnete er als „abenteuerlich“; „sagenhaft“ sei der Preis von 3,55 Milliarden Euro für die Vertriebsgesellschaft Porsche Holding Salzburg, die den Familien Porsche und Piech gehört. „Diese Preise sind Subventionen für die Familien Porsche und Piech.“ Deren Privatvermögen werde durch die geplante Fusion der hochverschuldeten Porsche SE mit Volkswagen gerettet, während VW fortan für die Milliardenrisiken aus möglichen Schadenersatzklagen gegen Porsche haften müsse. Die Fusion diene also nicht den Vermögensinteressen der Vorzugsaktionäre.

Jenseits des Porsche-Deals gab es freilich auch positive Stimmen: VW habe die Wirtschaftskrise „ausgezeichnet überwunden“, was sich auch im stabilen Kurs der Vorzugsaktie gezeigt habe, sagte Aktionärsschützer Hocker. Ein anderer Aktionärsvertreter lobte, dass der Konzern 2009 mit Gewinn abgeschlossen habe und eine Dividende ausschütte.

Am Rande der Hauptversammlung wurde deutlich, dass zumindest kurzfristig keine Großfusion im Lastwagengeschäft geplant ist. VW ist mit knapp 30 Prozent an MAN und mit mehr als 70 Prozent an Scania beteiligt. Man könne hier auch Synergien erzielen, ohne etwas an der Eigentümerstruktur zu verändern, sagte Christian Wulff im Gespräch mit Journalisten. Dem Vernehmen nach hat diese Zurückhaltung auch mit der neuen Partnerschaft mit Suzuki zu tun. An dem japanischen Autobauer ist VW mit knapp 20 Prozent beteiligt. Die sensiblen Japaner achten offenbar mit Argusaugen darauf, wie offensiv oder defensiv sich VW im Fall von MAN als Minderheitsaktionär verhält.

Nach Wulffs Einschätzung befindet sich VW jetzt in einer Phase der Konsolidierung. Es gebe derzeit kein weiteres Expansionsstreben. Wulff bestätigte, dass zur Hauptversammlung im kommenden Jahr ein zweiter Vertreter des neuen Großaktionärs Qatar (Anteil: 17 Prozent) in den VW-Aufsichtsrat einziehen soll: Khalifa Al-Kuwari (Qatar rückt in den VW-Aufsichtsrat). Wer das Kontrollgremium für den Araber, der den Aufsichtsratssitzungen fortan schon als Gast beiwohnen soll, verlässt, sei noch offen. Vermutlich trifft es einen der Herren, deren Mandate am 3. Mai 2011 auslaufen: Jürgen Großmann oder Hans Michael Gaul.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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