http://www.faz.net/-gqe-76ym1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.02.2013, 16:52 Uhr

Volkswagen Das Einliterauto geht in Serie

Zum Autosalon in Genf präsentiert Ferdinand Piëch eine serienreife Version des XL1. Ab Jahresmitte wird das Einliterauto in Osnabrück gefertigt. Ein Erfolg im Rennen mit dem BMW i3 um das beste Ökomobil der Zukunft.

von
© Abdruck fuer Pressezwecke honora Kostet deutlich mehr als ein VW Polo: Einliterauto XL1

Es hat elf Jahre gedauert, aber nun ist Ferdinand Piëch am Ziel. Schon im April 2002 fuhren der damalige VW-Vorstandsvorsitzende und sein Nachfolger Bernd Pischetsrieder mit einem Vorläufer des Einliterautos von Wolfsburg nach Hamburg zur VW-Hauptversammlung. Ganz zufrieden war Piëch mit dem Gefährt damals noch nicht.

Doch zum Autosalon in Genf, der in drei Wochen beginnt, kann der heute mächtige Aufsichtsratsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns nun endlich eine serienreife Version des Einliterautos präsentieren, an dem „der Alte“ seine Ingenieure seit 2002 unter den Projektnamen „L1“ und später „XL1“ arbeiten ließ. Schon am Vorabend der Messe wird das Ökomobil - ein Hybridfahrzeug mit einer Kombination aus Elektromotor und Dieselantrieb - ins Rampenlicht der Riesenhalle „Espace Sécheron“ in Genf rollen.

Nur 0,9 Liter Diesel auf hundert Kilometer

Als sogenannter „Erlkönig“, also als getarnter Prototyp, wurde der XL1 mittlerweile schon fast überall in Deutschland gesichtet. Mal wird der Wagen von den Betrachtern wegen seiner aerodynamischen Form und Ausstattung mit einem Delfin verglichen, mal mit einem Tropfen und mal auch mit einer Zigarre. Jedenfalls ist das seltsame Gefährt vorn etwas breiter als hinten, um windschlüpfrig zu sein, und hat aus dem gleichen Grund keine Außenspiegel und verkleidete Hinterräder.

Der Verbrauch beträgt dadurch - und aufgrund der dünnen Räder mit geringem Rollwiderstand sowie wegen der extrem leichten Karosserie aus Karbonfaser - nur 0,9 Liter Diesel auf hundert Kilometer. Allerdings gilt das nur für die ersten 100 Kilometer, von denen die ersten 35 Kilometer mit dem Strom aus der Batterie zurückgelegt werden können. Nach den ersten 100 Kilometern ist es jedoch eher ein Zweiliterauto.

Wie viele XL1 eines Tages verkauft werden können, hängt zuallererst vom Preis ab. Der ist derzeit noch ein gut gehütetes Geheimnis. Er dürfte jedoch auf jeden Fall oberhalb von 30.000 Euro liegen. „Denn solche Hochtechnologie kann man nicht zum Preis eines VW Polo anbieten“, sagt einer, der mit dem Projekt vertraut ist. Andererseits wird der XL1 wohl auch nicht viel mehr als 50.000 Euro kosten. Denn dann würden ihn wohl auch ökologisch Begeisterte, an die er sich ja richtet, nicht kaufen.

Mindestens 100 Exemplare

Schließlich hat der Wagen auch nur zwei eng nebeneinander angebrachte Sitze und ist insofern nicht gerade für Familien mit Kinderwagen geeignet. Einen Prototyp des „XL1“ hatte Ferdinand Piëch schon Anfang 2011 auf der Qatar Motorshow in Doha, also im Heimatland des VW-Großaktionärs Qatar, vorgeführt. Technisch hat VW-Projektleiter Holger Bock seitdem nur geringe Veränderungen vorgenommen. Dennoch wurde in den vergangenen zwei Jahren etwas Wichtiges geschaffen: nämlich die Voraussetzungen für die industrielle Produktion des Einliterautos.

Hergestellt wird der Wagen von VW in Osnabrück, also in den Fabrikhallen des ehemaligen Auftragsfertigers Karmann. Zur Mitte dieses Jahres dürfte es mit der Produktion losgehen, wird aus Kreisen des Konzerns berichtet. Mindestens 100 Exemplare sollen aus der Manufaktur kommen. Das wäre eine Kleinserie. Doch hat Piëch selbst von einer „Großserie“ gesprochen, was vermuten lässt, dass es doch einige tausend Stück werden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abgasskandal Sind jetzt alle Autofirmen Betrüger?

Fast die ganze Fahrzeugbranche hat beim Abgas getrickst. Aber nur Volkswagen hat betrogen. Dafür sichern sie sich dort jetzt ordentliche Boni. Das hat System. Mehr Von Rainer Hank und Georg Meck

23.04.2016, 19:58 Uhr | Wirtschaft
Video Das Wunder von Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg besiegt im Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel sensationell Real Madrid mit 2:0. Wolfsburgs Torschützen waren Rodriguez per Elfmeter sowie Arnold. Beide Treffer fielen in der ersten Halbzeit. Das Rückspiel in Madrid findet am kommenden Dienstag statt. Mehr

07.04.2016, 16:04 Uhr | Sport
Schau Wolfsburg Unlimited Vom Auerochsen zum organisierten Verbrechen

Was bedeutet es, wenn eine Stadt, die kein Vorbild hat, gleichzeitig exemplarisch ist? Die Ausstellung Wolfsburg Unlimited versucht, Perspektiven aufzuzeigen. Mehr Von Verena Lueken

28.04.2016, 22:28 Uhr | Feuilleton
Syrien-Konflikt De Mistura fordert neue Friedensinitiative

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura hat die Vereinigten Staaten und Russland zu einer neuen Syrien-Initiative aufgefordert. Die beiden Weltmächte müssten sich für eine Rettung der brüchigen Waffenruhe und eine Wiederbelebung der stockenden Verhandlungen für ein Ende des Bürgerkriegs einsetzen, sagte de Mistura in Genf. Mehr

28.04.2016, 16:48 Uhr | Politik
Fahrbericht VW Passat Alltrack Der Wow-Passat

Es geht nichts über Vorurteile: Der Volkswagen Passat ist ein gutes Auto, aber derart solide, dass sich am Rande zur Langeweile niemand nach ihm umschaut. Mehr Von Holger Appel

05.05.2016, 09:12 Uhr | Technik-Motor

Wo die wahre Action ist

Von Carsten Knop

Die Actionkameras von Go Pro waren eine Zeit lang der große Renner. Aber die Erfolgsgeschichte ist zu einem jähen Ende gekommen. Mehr 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Gestiegenes Armutsrisiko Arme Zuwanderung lässt Mittelschicht schrumpfen

Mehr Reiche, mehr Arme und weniger dazwischen: Seit der Wiedervereinigung ist der Anteil der Mittelschicht von 60 auf 54 Prozent der Bevölkerung gesunken. Was die Zuwanderung damit zu tun hat. Mehr Von Philip Plickert 36

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“