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Risikoabsicherung

Volkswagen Das Einliterauto geht in Serie

Zum Autosalon in Genf präsentiert Ferdinand Piëch eine serienreife Version des XL1. Ab Jahresmitte wird das Einliterauto in Osnabrück gefertigt. Ein Erfolg im Rennen mit dem BMW i3 um das beste Ökomobil der Zukunft.

© Abdruck fuer Pressezwecke honora Vergrößern Kostet deutlich mehr als ein VW Polo: Einliterauto XL1

Es hat elf Jahre gedauert, aber nun ist Ferdinand Piëch am Ziel. Schon im April 2002 fuhren der damalige VW-Vorstandsvorsitzende und sein Nachfolger Bernd Pischetsrieder mit einem Vorläufer des Einliterautos von Wolfsburg nach Hamburg zur VW-Hauptversammlung. Ganz zufrieden war Piëch mit dem Gefährt damals noch nicht.

Doch zum Autosalon in Genf, der in drei Wochen beginnt, kann der heute mächtige Aufsichtsratsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns nun endlich eine serienreife Version des Einliterautos präsentieren, an dem „der Alte“ seine Ingenieure seit 2002 unter den Projektnamen „L1“ und später „XL1“ arbeiten ließ. Schon am Vorabend der Messe wird das Ökomobil - ein Hybridfahrzeug mit einer Kombination aus Elektromotor und Dieselantrieb - ins Rampenlicht der Riesenhalle „Espace Sécheron“ in Genf rollen.

Nur 0,9 Liter Diesel auf hundert Kilometer

Als sogenannter „Erlkönig“, also als getarnter Prototyp, wurde der XL1 mittlerweile schon fast überall in Deutschland gesichtet. Mal wird der Wagen von den Betrachtern wegen seiner aerodynamischen Form und Ausstattung mit einem Delfin verglichen, mal mit einem Tropfen und mal auch mit einer Zigarre. Jedenfalls ist das seltsame Gefährt vorn etwas breiter als hinten, um windschlüpfrig zu sein, und hat aus dem gleichen Grund keine Außenspiegel und verkleidete Hinterräder.

Der Verbrauch beträgt dadurch - und aufgrund der dünnen Räder mit geringem Rollwiderstand sowie wegen der extrem leichten Karosserie aus Karbonfaser - nur 0,9 Liter Diesel auf hundert Kilometer. Allerdings gilt das nur für die ersten 100 Kilometer, von denen die ersten 35 Kilometer mit dem Strom aus der Batterie zurückgelegt werden können. Nach den ersten 100 Kilometern ist es jedoch eher ein Zweiliterauto.

Wie viele XL1 eines Tages verkauft werden können, hängt zuallererst vom Preis ab. Der ist derzeit noch ein gut gehütetes Geheimnis. Er dürfte jedoch auf jeden Fall oberhalb von 30.000 Euro liegen. „Denn solche Hochtechnologie kann man nicht zum Preis eines VW Polo anbieten“, sagt einer, der mit dem Projekt vertraut ist. Andererseits wird der XL1 wohl auch nicht viel mehr als 50.000 Euro kosten. Denn dann würden ihn wohl auch ökologisch Begeisterte, an die er sich ja richtet, nicht kaufen.

Mindestens 100 Exemplare

Schließlich hat der Wagen auch nur zwei eng nebeneinander angebrachte Sitze und ist insofern nicht gerade für Familien mit Kinderwagen geeignet. Einen Prototyp des „XL1“ hatte Ferdinand Piëch schon Anfang 2011 auf der Qatar Motorshow in Doha, also im Heimatland des VW-Großaktionärs Qatar, vorgeführt. Technisch hat VW-Projektleiter Holger Bock seitdem nur geringe Veränderungen vorgenommen. Dennoch wurde in den vergangenen zwei Jahren etwas Wichtiges geschaffen: nämlich die Voraussetzungen für die industrielle Produktion des Einliterautos.

Hergestellt wird der Wagen von VW in Osnabrück, also in den Fabrikhallen des ehemaligen Auftragsfertigers Karmann. Zur Mitte dieses Jahres dürfte es mit der Produktion losgehen, wird aus Kreisen des Konzerns berichtet. Mindestens 100 Exemplare sollen aus der Manufaktur kommen. Das wäre eine Kleinserie. Doch hat Piëch selbst von einer „Großserie“ gesprochen, was vermuten lässt, dass es doch einige tausend Stück werden.

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