08.03.2004 · Der Vorstand des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) verwahrt sich gegen den von der Norisbank verbreiteten Eindruck, er habe einem Abgleich von Kundendaten zwischen Norisbank und Volksbanken zugestimmt.
Von Hanno MußlerDer Vorstand des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) verwahrt sich gegen den von der Norisbank verbreiteten Eindruck, er habe einem Abgleich von Kundendaten zwischen Norisbank und Volksbanken zugestimmt. In einem Brief an die Vorstände der 1450 Volks- und Raiffeisenbanken heißt es, Einzelheiten seien dem BVR nicht bekannt gewesen. "Wir haben die Norisbank gebeten, diesen Sachverhalt klarzustellen und ihre Vorgehensweise verbundkonform abzustimmen", steht in dem Brief, der vom Verbandspräsidenten Pleister unterzeichnet ist. Mit dieser Rüge reagiert der BVR auf den Unmut, den die im Sommer von dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank für die Volksbanken gekaufte Norisbank unter Volksbank-Vorständen hervorgerufen hat (F.A.Z. vom 2. März). Der Konsumentenkreditspezialist hatte den Volks- und Raiffeisenbanken geschrieben, er wolle neue Kunden werben. Damit nicht Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken angeschrieben und womöglich abgeworben würden, bot die Norisbank "im Sinne einer verbundorientierten Lösung" den Volksbank-Vorständen an, "Ihre Kundenbestände zu schützen, indem sie mit den von uns gemieteten Adressen abgeglichen werden". In einer Anlage zu dem zweiseitigen Schreiben hieß es dann noch: "Diesbezügliche Zusatzkosten sind von Ihnen zu tragen." Weiter schrieb die Norisbank: "Diese Vorgehensweise entspricht den Absprachen mit dem BVR und dem Aufsichtsrat der DZ Bank." Diesem Eindruck ist der BVR-Vorstand nun entschieden entgegengetreten.
Der Sprecher der Norisbank, Thomas Tjiang, erklärt den Brief des BVR und die Unruhe im Verbund mit Mißverständnissen bezüglich der Kundenneugewinnung über Briefe, des Kundenabgleichs und dessen Finanzierung. Hier gebe es kulturelle Unterschiede zwischen Norisbank und Volksbanken, sagte er dieser Zeitung. "Wir arbeiten seit Jahren erfolgreich mit zielgruppengenauen Mailings." Die Norisbank habe aus der Unruhe die Konsequenz gezogen, daß alle Kosten für den Kundenabgleich bis auf weiteres von der Norisbank bezahlt würden. Tjiang betont, Ziel der Anmietung von Adressen und dem anschließenden Abgleich sei, neue Kunden außerhalb des Finanzverbundes zu gewinnen. Er verwies darauf, daß die Bankengruppe im vierten Quartal 2003 Anteile auf dem Markt für Konsumentenkredite verloren habe. Auf die Ablehnung der Aktion durch viele Volksbank-Vorstände, die kein Vertrauen haben, reagiert Tjiang so: "Die Norisbank hat vertraglich zugesichert, die Kundendaten der Primärbanken nicht selbst zu nutzen." Ihm sei zwar klar, daß Vertrauen nicht erzwungen werden könne. Die Volksbanken sollten aber bedenken, daß der maschinelle Abgleich der Kunden durch einen externen Dienstleister gerade dem Kundenschutz diene. "Auch die Norisbank stellt hierfür immer ihre Kundendaten bereit", sagt Tjiang. Es müsse ein Gegengewicht gesetzt werden. "Insgesamt gibt es jährlich 100 Millionen Briefe, in denen verbundfremde Banken auch Kunden des Verbundes Konsumentenkredite anbieten."
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