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Volks- und Raiffeisenbanken Der oberste Genosse geht

25.06.2008 ·  Die beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank haben schon drei Versuche einer Fusion unternommen. Nun wird abermals Anlauf genommen. Die Ablösung des Aufsichtsratsvorsitzenden der DZ Bank soll die Chancen erhöhen.

Von Hanno Mußler
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Die genossenschaftlichen Zentralbanken DZ Bank und WGZ Bank nehmen einen neuen Anlauf für eine Fusion. Nachdem schon mehrere Versuche zur Bildung eines Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken in der Vergangenheit gescheitert sind, soll nun bis zum 1. Januar 2009 ein Ergebnis erzielt werden, wie die beiden Institute am Mittwoch bekannt gaben. Außerdem muss der Aufsichtsratsvorsitzende der DZ Bank, Christopher Pleister, gehen. Ihm entzogen die Volks- und Raiffeisenbanken, denen die DZ und die WGZ-Bank gehören, in den Gremien des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) einstimmig das Vertrauen. Pleister, der sein Amt als Volksbankenverbandspräsident schon am 15. Juli niederlegt, hat einen Vertrag bis 2009 und wollte sogar eine Verlängerung seines Mandats bis 2014 erreichen. Die Ablösung Pleisters steht offenbar in direktem Zusammenhang mit Fusion.

Aus DZ Bank und WGZ-Bank entstünde die Nummer drei unter den deutschen Banken mit einer Bilanzsumme von mehr als 500 Milliarden Euro. Anders als die Sparkassen mit elf Landesbanken haben die Volks- und Raiffeisenbanken nur noch zwei Spitzeninstitute: Die kleinere WGZ-Bank in Düsseldorf, die 200 Volks- und Raiffeisenbanken in Nordrhein-Westfalen gehört und gleichzeitig mit zentralen Bankdienstleistungen versorgt; und die frühere DG Bank, seit 2001 unter dem Namen DZ Bank in Frankfurt firmierend, die für alle weiteren Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland zuständig ist. Von der WGZ-Bank war Pleister in der Vergangenheit vorgeworfen worden, er sei in früheren Fusionsgesprächen, zuletzt zum Jahresende 2006, kein neutraler Interessenvertreter aller Volks- und Raiffeisenbanken gewesen. Dieser Vorwurf resultiert daher, dass Pleister nicht nur BVR-Präsident, sondern früher Vorstand der DG Bank und bisher Aufsichtsratsvorsitzender der DZ Bank ist, nicht aber Aufsichtsratsvorsitzender der WGZ.

DZ Bank verfügt über starke Marken im Konzern

Allerdings ist eine Fusion von DZ und WGZ-Bank bislang nicht nur an Personen, sondern auch an Sachfragen gescheitert. Während DZ Bank und WGZ-Bank einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt sind, weil sie das Privatkundengeschäft den Volks- und Raiffeisenbanken überlassen, verfügt die DZ Bank über starke Marken im Konzern. Die genossenschaftliche Bausparkasse Schwäbisch Hall ist Marktführer unter den Bausparkassen, die Fondsgesellschaft Union die Nummer drei unter den deutschen Investmentgesellschaften, die R+V Versicherung einer der führenden Versicherer, und die Teambank ist mit ihrem Ratenkredit „Easycredit“ ein bekannter Anbieter. Für diese Produktlieferanten der Volks- und Raiffeisenbanken ist die DZ Bank Muttergesellschaft und Holding und steuert insofern als Bank im Geschäft mit den Volks- und Raiffeisenbanken zum Teil konkurrierende Finanzdienstleister.

Diese „fehlende Neutralität“ der DZ Bank gegenüber ihren Tochtergesellschaften war der WGZ-Bank, die nur über kleine Beteiligungen an diesen für die Volks- und Raiffeisenbanken wichtigen Unternehmen verfügt, bislang ein Dorn im Auge. Daher hatte die WGZ in früheren Fusionsgesprächen verlangt, die DZ Bank von ihrer Aufgabe als Steuerungsholding zu entbinden und eine eigene Holding zu gründen, die die fusionierte Zentralbank auf einer Ebene mit den heutigen Tochtergesellschaften führt. In der gemeinsamen Presseerklärung, die DZ Bank und WGZ-Bank unmittelbar nach Bekanntgabe der Ablösung Pleisters verschickten, findet sich denn auch die Formulierung, die beiden Banken wollten bis zum 1. Halbjahr 2009 nicht nur Gespräche über einen Zusammenschluss führen, sondern auch über „strategische und strukturelle Weiterentwicklungen im Sinne der Volks- und Raiffeisenbanken“.

Gemeinsam bilden die 1200 Volks- und Raiffeisenbanken, DZ und WGZ-Bank, sowie die Tochtergesellschaften der DZ Bank den sogenannten genossenschaftlichen Finanzverbund. Er stützt sich auf 30 Millionen Privatkunden, davon 16 Millionen, die durch Kauf von Genossenschaftsanteilen Teilhaber einer Volks- und Raiffeisenbank sind.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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