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Vodafone-Deutschland-Chef Joussen „Weiße Flecken sind ein Geschäft“

Die Telekom bekommt erstmals Konkurrenz beim Internetfernsehen: Vodafone bringt zum Weihnachtsgeschäft ein neues Produkt auf den Markt, sagte Deutschland-Chef Fritz Joussen der F.A.Z. Zudem sollten in einem Jahr alle Gebiete ohne Breitbandanschluss mit mobilem Internet versorgt sein.

© Anna Jockisch Vergrößern Konkurrenz für das Internetfernsehen der Telekom: „Das wird eine Hybrid-Technologie. Da wird Kabel drin sein, Satellit und auch IPTV”, sagt Vodafone-Deutschland-Chef Joussen

Herr Joussen, Vodafone hat viel Geld für neue Funkfrequenzen ausgegeben. Jetzt prescht die Deutsche Telekom vor und kündigt den raschen Ausbau des mobilen Internets in 500 Gemeinden an. Wann zieht Vodafone nach?

Wichtiger als schnell anzukündigen, ist doch schnell auszubauen. Die Versorgung der weißen Flecken ist ein Geschäft. Ich bin sicher, dass in rund zwölf Monaten, also bereits Mitte nächsten Jahres, die ländlichen Regionen an das mobile Internet angeschlossen sind. Dafür sorgt der Wettbewerb. Wer zuerst kommt, gewinnt die Kunden und verdient Geld. Und weil drei Unternehmen Frequenzen aus der digitalen Dividende ersteigert haben, geht das ruck, zuck! Das sieht man schon daran, dass die Telekom ihren DSL-Ausbau in den unversorgten Gebieten beschleunigt hat, seit die Frequenzversteigerung feststeht. Da hat man versucht, schnell noch alles mitzunehmen, was einigermaßen wirtschaftlich ist, bevor Wettbewerber mit mobilen Angeboten an den Markt gehen.

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Wo wird Vodafone mit den Investitionen beginnen?

Wir werden sehr zügig das gesamte Vodafone-Netz hochrüsten. An jeder GSM-Basisstation wird über die nächsten drei Jahre auch die Technik für LTE (den neuen Mobilfunkstandard Long Term Evolution) verbaut. Erst in den weißen Flecken, dann in den Ballungsräumen. Wir nutzen unsere bereits bestehenden Antennen und werden die intelligenten Schaltkästen neu bestücken. Vieles spricht dafür, auch in den Städten die 800-Megahertz-Frequenz aus der digitalen Dividende einzusetzen. Die trägt nicht nur weiter; auch die Gebäudedurchdringung ist besser.

Wie schnell wird man auf dem Dorf mit LTE surfen können?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir Bandbreiten von 5 Megabit in der Sekunde schaffen. In den Städten werden es auch bis zu 70 MBit sein.

Braucht der Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt vier Anbieter?

Das ist besser als Monopolstrukturen wie im Festnetz. Das starke Wachstum im mobilen Internet führt dazu, dass der gesamte Markt wieder wächst - trotz des starken Wettbewerbs. Aber lokale Größeneffekte sind absolut notwendig. Unsere Volkswirtschaft ist groß genug, um vier Netzbetreiber ernähren zu können. Ohne LTE kann ein Unternehmen in diesem Markt aber nicht überleben.

Fehlt Vodafone ein Zugpferd wie das iPhone? Sprechen Sie schon mit Apple über einen Vermarktungsvertrag?

Viele unserer Kunden nutzen schon heute ein iPhone, das in unserem Netz hervorragend funktioniert. Niemand braucht wegen eines iPhones seinen Anbieter zu wechseln. Und ich glaube, dass alle dazugelernt haben. An Vodafone kommt man als Hardware-Anbieter in Deutschland nicht vorbei.

Muss bei Vodafone wegen der Investitionen in den Mobilfunk nun der Ausbau des Festnetzes zurückstehen?

Wir werden das Festnetz nicht vernachlässigen, aber wir konzentrieren unsere Mittel momentan stärker auf den Mobilfunk. Das ist im Vergleich zum Festnetz der gesündere Markt und die Rahmenbedingungen für Investitionen sind wettbewerbsorientiert. Das schafft Planungssicherheit für Investitionen. Im Mobilfunk erzielt Vodafone strukturell Margen von mehr als 40 Prozent. Im Festnetz ist es die Hälfte.

Woher kommt der Abstand?

Die Wettbewerber sind auf den letzten Metern zum Kunden auf die Leistungen und Infrastruktur der Telekom angewiesen. Wir sind heute mit Abstand der größte Kunde unseres Hauptwettbewerbers: die Nutzung der sogenannten letzten Meile kostet bei vier Millionen Kunden rund eine halbe Milliarde Euro im Jahr, die wir an die Telekom bezahlen. Noch schlimmer ist es bei Bitstrom-Produkten. Die Kosten sind so hoch, dass die Marge praktisch null ist - kaufmännisch absurd. Aber wir brauchen den Zugang, weil unser Netz noch nicht das ganze Bundesgebiet abdeckt.

Hakt es in der Marktregulierung?

Im Festnetz gibt es zu viele alte Zöpfe; da bremsen die Bewahrer des alten Staatsmonopols viele Investitionen. Es kommt kein Tempo beim Breitband auf, weil die investitionswilligen Unternehmen sehr ungleiche Startbedingungen vorfinden. Damit entsteht aber nicht die Dynamik beim Breitbandausbau, die Deutschland eigentlich braucht. Ich sehe in diesem "Katz-und-Maus-Spiel" den organisierten Stillstand.

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Veröffentlicht: 05.07.2010, 18:22 Uhr

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