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Viele Briefe verspätet Mit der Deutschen Bummel-Post

30.08.2009 ·  Die Post transportiert Briefe deutlich langsamer, als sie verspricht. Das ergab ein Test der Sonntagszeitung. Eigentlich sollten 95 Prozent aller Briefe am nächsten Tag im Briefkasten stecken. Es waren aber viel weniger. Montags kamen die Postboten besonders oft mit leeren Taschen.

Von Lisa Nienhaus und Christian Siedenbiedel
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Die Postkarte, die an allem schuld ist, kam nach genau vier Wochen und einem Tag an. Abgeschickt wurde sie auf Sardinien, laut Poststempel am 22. Juli. Im Frankfurter Briefkasten lag sie am 20. August.

Klar, die italienische Post ist schuld, mag man denken – wäre nicht eine zweite, am gleichen Tag und Ort gen Hamburg versandte Karte schon drei Wochen zuvor angekommen. Und wären da nicht die anderen Geschichten rund um die Deutsche Post. Zum Beispiel die von einem Pärchen aus Dortmund, das Pralinen versandte – die den Empfänger nie erreichten. Oder die von einer Kollegin, die steif und fest behauptet, ihr Postbote komme montags gar nicht mehr.

Die Deutsche Post selbst weist Verdächtigungen weit von sich, ihre Verteiler und Zusteller arbeiteten neuerdings gemächlicher. Montags kämen die Briefträger selbstverständlich weiterhin und Verspätungen gebe es so gut wie nicht, sagt ein Post-Sprecher. Man betont, sich stets an das Versprechen zu halten: „Mehr als 95 Prozent aller Briefe innerhalb Deutschlands erreichen den Empfänger am folgenden Werktag.“

Der Test: An 3 Tagen je 33 Briefe an 11 verschiedene Adressen

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wollte es genau wissen und hat den Test gemacht. An drei verschiedenen Tagen wurden jeweils 33 Briefe versandt: aus Frankfurt, Berlin, Remscheid und dem Taunus an elf verschiedene Adressen quer durch Deutschland. Insgesamt 99 Briefe wurden auf den Weg gebracht, um zu testen: Hält die Post ihr Versprechen?

Das Ergebnis ist eindeutig: Nein. Im F.A.S.-Test erfüllte die Post weder ihre eigenen Ziele noch die Vorgaben der Bundesregierung. Berlin fordert vom Quasi-Monopolisten Post auf dem deutschen Briefmarkt, dass er am ersten Werktag nach Einwurf 80 Prozent der Briefe zustellt, am zweiten 95 Prozent. So steht es in einer Vorschrift mit dem umständlichen Namen „Post-Universaldienstleistungsverordnung“, kurz Pudl-V genannt.

Unsere Test-Ergebnisse liegen weit darunter: Lediglich 61 Prozent der Briefe kamen nach einem Werktag an. Die 95-prozentige Zustellungsquote, die die Post am ersten Tag für normal hält, wird noch nicht einmal nach zwei Werktagen erreicht. Insbesondere montags kam der Briefträger oft mit leeren Taschen. Von 33 am Samstag eingeworfenen Briefen haben es nur drei geschafft, am Montag beim Adressaten zu sein.

Doch auch eine kurze Strecke war keine Garantie für eine prompte Zustellung. Die Strecke Frankfurt–Frankfurt ist für die Post offenbar nicht von Samstag auf Montag zu überwinden, womit sie sich den Titel Deutsche Schneckenpost redlich verdient hat. Eine Sendung, abgeschickt am Samstag im Taunus, trödelte sogar bis Mittwoch durch die Post-Bürokratie, bis sie im Dortmunder Briefkasten lag, und das bei einer Entfernung von kaum mehr als 200 Kilometern. Da wäre die gute alte Postkutsche schneller gewesen.

Unter der Woche war die Post fixer, konnte aber auch dort ihr Versprechen nicht einlösen. Nur 86 Prozent der Briefe, die am Montag und Dienstag losgeschickt wurden, lagen einen Tag später im Briefkasten. Damit waren die Versäumnisse vom Wochenende nicht mehr aufzuholen. Der Befund ist eindeutig: Die Post bummelt.

Die Post spart

Konfrontiert mit den Ergebnissen unseres Tests, gibt Post-Manager Uwe Brinks zu: „Ich bin bestürzt über Ihr Ergebnis.“ Brinks ist Bereichsvorstand Brief bei der Deutschen Post. Die Blamage kann er sich nicht erklären; Untersuchungen im Auftrag der Post ergäben ein völlig anderes Bild. „Wir konnten nicht feststellen, dass in den Sommermonaten Sendungen stecken geblieben sind.“

Dabei liegt der Grund so nahe: Die Post spart. Die Wirtschaftskrise hat dem Konzern einen Ergebniseinbruch beschert. Deshalb hat der Postvorstand ein Sparprogramm aufgelegt – zunächst als Versuch für die Monate Juli und August. In 15 Briefzentren wurden Wochenendschichten gestrichen. An den Montagen wurden Zustellbezirke zusammengelegt: Manche Postboten mussten im Nachbarbezirk mit ausliefern, andere wurden in die Freizeit geschickt.

Der Versuch ist jetzt zu Ende. Aber ob damit auch die Bummelei vorbei ist, bleibt abzuwarten. „Wir werten die Ergebnisse in Ruhe aus und entscheiden in drei bis vier Wochen, ob wir das in irgendeiner Form fortsetzen“, sagt Brinks.

Viele Kunden protestieren. „Dieser Sommer war für die Postkunden eine Katastrophe“, sagt Elmar Müller vom Postnutzer-Verband. „Privatleute und Unternehmen haben sich bei uns beschwert.“ Die Versicherung Allianz etwa, die normalerweise täglich 70 000 bis 100 000 Briefe erhält, bekam montags viel weniger Post als gewöhnlich und dienstags sehr viel.

Kaum noch Konkurrenz auf dem Briefmarkt

Ob Beschwerden die Post zum Umkehren bewegen können, ist offen. Ein Teil des Sparprogramms zumindest soll auf keinen Fall zurückgenommen werden: die Einstellung der Nachtluftpost. Anfang Juli hatte die Post aufgehört, Briefe innerhalb Deutschlands nachts mit dem Flugzeug zu transportieren. Die Folge: Auf Strecken von mehr als 450 Kilometern schafft es der Konzern jetzt nicht mehr, die Briefe von einem Tag auf den anderen zuzustellen. Das merkte der F.A.S.-Test-Adressat in München. Briefe aus Berlin kamen bei ihm immer erst nach zwei Tagen an. Post-Manager Brinks sagt, dass dadurch nur leicht weniger Briefe am ersten Tag zugestellt werden könnten: 0,5 bis 0,6 Prozent. „Das nehmen wir in Kauf.“

Die Gelassenheit ist für die Post keine schwierige Entscheidung. Denn auf dem Briefmarkt hat sie kaum noch Konkurrenz. Wer seine Rechnungen oder die Hochzeitseinladungen per Post versenden will, greift meist auf den einstigen Monopolisten zurück. Denn längst hat die Post die Konkurrenz von Pin mit der Durchsetzung eines Mindestlohns für Briefträger in die Flucht geschlagen. Den Wettbewerber TNT hat sie empfindlich geschwächt.

Jetzt nutzt die Post ihr wiedergewonnenes Quasi-Monopol und spart. „Der Versuch in diesem Sommer ist nur ein Vorgeschmack“, glaubt Postkunden-Lobbyist Müller. Schließlich hat der Postvorstand den Gewerkschaften schon einmal die Folterinstrumente gezeigt. Aus internen Sitzungen drang nach außen: Wenn die Gewerkschaften sich weigern, auf Lohn zu verzichten, will die Post ihre Mitarbeiter in eine Niedriglohn-Gesellschaft ausgliedern. Das wäre der nächste Skandal: Erst zwingt die Post ihre Konkurrenten, hohe Löhne zu zahlen. Dann geht sie selbst mit den Gehältern runter.

Der Kunde ist der Leidtragende des Sparwahns, wie der F.A.S.-Test beweist. Ein Brief stand übrigens bei Redaktionsschluss am gestrigen Samstag immer noch aus. Abgeschickt wurde er am vergangenen Montag in Königstein im Taunus. Die Strecke nach Frankfurt (28 Kilometer) hatte er bis Samstag nicht geschafft.

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