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Veröffentlicht: 22.02.2013, 16:42 Uhr

Verspätete Lieferung Immer noch keine ICE-Züge in Sicht

Die Bahn braucht dringend neue ICEs, denn für Wintertage mit Schnee und Eis hat sie keine Reserven. Doch Siemens lässt die Bahn weiter auf die Auslieferung warten. Noch nicht mal ein fester Zeitplan steht.

von und
© dapd Probleme mit Schnee und Eis: Die Bahn wird noch länger zu kämpfen haben.

Die Deutsche Bahn braucht wegen der steigenden Nachfrage im Fernverkehr dringend neue ICE-Züge; sie wird aber noch etliche Monate auf die Auslieferung warten müssen. Voraussichtlich können die von Siemens gebauten Hochgeschwindigkeitszüge frühestens im Sommer, wenn nicht gar erst im Herbst übergeben werden. Wie schwerwiegend das Problem ist, zeigt die Stellungnahme von Siemens: „Wir sind mit allen Partnern - dem Kunden Deutsche Bahn, dem Eisenbahnbundesamt und unseren Zulieferern - im engsten Austausch, um einen neuen Zeitplan zu erstellen“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

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Mit anderen Worten: Es gibt noch keinen Zeitplan. Siemens wollte die Züge eigentlich schon 2011 liefern. Nicht nur die Deutsche Bahn leidet unter den Verspätungen. Offenbar musste Siemens auch der französischen SNCF eingestehen, dass die ICE für den Kanaltunnelverkehr des Betreibers Eurostar statt 2015 frühestens 2016 geliefert werden.

Keine Reserven für Wintertage

Die Deutsche Bahn ist dringend auf die Fahrzeuge angewiesen, weil sie nicht über Reserven verfügt und vor allem an Wintertagen Verspätungen und Zugausfälle drohen. Ein Bahnsprecher sagte der F.A.Z., es gebe „zurzeit keine belastbaren Aussagen seitens Siemens zum Liefertermin der neuen Züge“. Die Züge seien im Moment nicht zulassungsfähig, weil es Siemens noch nicht gelungen sei, Software-Fehler zu beseitigen, die zu Störungen zwischen Zug und Leit- und Sicherungstechnik führten.

„Die Lösung des Problems liegt allein bei Siemens und ist für die Deutsche Bahn ein großes Ärgernis“, sagte der Sprecher. Um die Belastungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten, habe die Bahn inzwischen die Wartung und Instandhaltung (mehr Ultraschall-Anlagen, neue ICE-Werke) und die Wintervorbereitung (mehr Abtauanlagen, geringere Höchstgeschwindigkeit bei Schnee und Eis) verbessert. Dies habe bislang in diesem Winter einen weitgehend stabilen Betrieb ermöglicht.

Rund 116 Millionen Euro zurückgestellt

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher hatte Bahnchef Rüdiger Grube noch im Herbst zugesichert, dass die Züge rechtzeitig zum Winterfahrplan im Dezember ausgeliefert werden würden. Schon für die erste Verzögerung nach 2011 hat der Konzern einen 17. Zug als Kompensation in Aussicht gestellt. Allein im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2012/2013 (30. September) wurden noch einmal rund 116 Millionen Euro zurückgestellt.

Als der Beginn der Auslieferung von 16 Zügen zuletzt im November abermals verschoben werden musste, hofften Bahn und Siemens noch, in ein bis zwei Monaten die Schwierigkeiten - zu lange Bremsverzögerungen - in den Griff zu bekommen.

Diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Ein wichtiger Grund dafür sind die andauernden Schwierigkeiten mit der Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt. Wie zu hören ist, wird derzeit ein neuer Gutachter gesucht, der das gesamte Zugsystem mitsamt vier Bremssystemen abnehmen soll. Um diesen „Obergutachter“ hat es in den vergangenen Monaten Diskussionen gegeben. Dessen Ergebnisse führten im Herbst dazu, dass die ICE-3-Züge nicht abgenommen wurden.

Suche nach einem neuen Gutachter

Einvernehmlich suchen die Beteiligten nun einen neuen Gutachter. Selbst wenn er bald gefunden werden sollte, dauert es Monate, bis das Gutachten für die Doppelzüge (im Fachjargon Doppeltraktion) fertig ist, die die Bahn in der Regel einsetzt. Für die „Einfachtraktion“ mit 200 Metern Länge gibt es bereits eine Zulassung.

Die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Gutachter rührt auch daher, dass ihm Erfahrungen mit Hochgeschwindigkeitszügen abgesprochen werden. Er soll nicht nur die Zulassung abgelehnt, sondern auch gravierendere Veränderungen der Bremssysteme verlangt haben. Das ging nicht nur Siemens, sondern auch der Bahn zu weit.

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Gutachter sind rar, was insgesamt ein Schlaglicht auf die Situation des Eisenbahnbundesamtes und die Zulassungsverfahren in Deutschland wirft. Es gibt nur sechs vom EBA zertifizierte Prüfer, zwei weitere befinden sich in der Ausbildung. Der Gutachter, der im Mai vergangenen Jahres die Einfachzüge geprüft und deren Zulassung empfohlen hatte, verfügt über die erforderlichen Kenntnisse, konnte wegen anderer Verpflichtungen die im Herbst anstehende Prüfung der Doppeltraktion nicht durchführen.

Unabhängig davon war es im vergangenen Jahr ohnehin eng für die Beteiligten. „Siemens und die Deutsche Bahn wussten, dass der Zeitplan zur Auslieferung der Züge per Dezember 2012 knapp war“, sagte ein Sprecher. „Er schien aber zum Zeitpunkt der Lieferzusage und bis zu den letzten Testfahrten erreichbar. Wir hatten beide erwartet, dass die Züge die Zulassung rechtzeitig erhalten können.“

Quelle: F.A.Z.

 

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