19.09.2005 · Die Versicherung Allianz schafft eine zentrale Vertriebssparte für das Inland und organisiert das Geschäft künftig in vier einheitlichen Regionen. Über mögliche Standortschließungen und Stellenstreichungen schweigt sie bislang.
Die Allianz baut ihr deutsches Versicherungsgeschäft mit rund 40 000 Mitarbeitern grundlegend um. Der Münchner Finanzkonzern bündelt seinen Versicherungsverkauf außerhalb der Bankfilialen in einer neuen Vertriebsgesellschaft. Diese werde bereits zu Jahresanfang 2006 das Geschäft aufnehmen, kündigte die Allianz am Samstag an. Der Marktführer Allianz folgt damit dem Vorbild des französischen Konkurrenten Axa, der seinen Vertrieb in Deutschland ebenfalls ausgliedern will.
Zusammen mit der bereits vor einer Woche angekündigten Schaffung einer neuen Dachgesellschaft für Deutschland soll damit eine deutlich straffere und stärker zentralisierte Struktur im Inlandsgeschäft entstehen. Durch die klarere Gliederung sollten der Kundenservice verbessert und die Kosten gesenkt werden, schrieb der designierte Deutschland-Chef und bisherige Leiter von Allianz Leben, Gerhard Rupprecht, am Wochenende in einem Brief an die Mitarbeiter. Er ließ offen, wie viele Arbeitsplätze bei der geplanten Straffung verlorengehen und ob es zu Standortschließungen kommen wird.
Sachversicherungs-Sparte verliert an Gewicht
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte unterdessen den Verzicht auf Stellenstreichungen: „Das Unternehmen muß schleunigst ein Gesamtkonzept auf den Tisch packen. Wir erwarten davon, daß sie keine Arbeitsplätze abbauen“, sagte Verdi-Vorstand Uwe Foullong am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Unsicherheit demotiviere die Mitarbeiter.
Durch die Ausgliederung des Vertriebs in eine eigene Gesellschaft verschieben sich die Gewichte bei der größten deutschen Assekuranz. Die bislang dominierende, aber einem harten Verdrängungswettbewerb ausgesetzte Sachversicherungs-Sparte verliert durch den Umbau an Gewicht. Dagegen werden die beiden anderen, als wachstumsträchtiger geltenden Bereiche, die Allianz Lebensversicherung und die Allianz Private Krankenversicherung, relativ gestärkt. Der Verkauf von Versicherungspolicen über die Filialen der Frankfurter Allianz-Tochtergesellschaft Dresdner Bank ist von dem Umbau nicht betroffen.
Gleichberechtigter Zugriff auf das Verkäufernetz
Bislang steuert die Sachversicherung den größten Teil des Netzes von Allianz-Agenturen in Deutschland und damit den wichtigsten Vertriebskanal. Zwar vertreiben die von selbständigen Vertretern geführten Vertriebsstellen auch Lebens- und Krankenversicherungen. Doch von den rund 10 000 Agenturen sind etwa 8000 der Sachversicherung zugeordnet. Branchenexperten verweisen darauf, daß die weitgehende Kontrolle des Vertriebs durch die Sachversicherung die beiden anderen Sparten benachteiligt habe. „Beim internen Ringen um die Vertriebskapazitäten war die Sachversicherung bisher immer im Vorteil“, sagt ein Unternehmenskenner.
Durch die Ausgliederung des Vertriebs sollen nun offenbar alle drei Versicherungssparten im Inland gleichberechtigten Zugriff auf das Verkäufernetz erhalten. Der radikale Umbau dürfte aber vor allem in der Sachversicherung auf wenig Begeisterung stoßen. Deren Leiter, Allianz-Vorstand Reiner Hagemann, hat vor zwei Wochen bereits seinen Rücktritt zum Jahresende eingereicht. Unter den Allianz-Mitarbeitern sorgen zudem Spekulationen über mögliche Standortschließungen für Verunsicherung. Der neue Deutschland-Chef Rupprecht hat nur für 2006 eine Bestandsgarantie abgegeben.
Keine Bestandsgarantie
Auch nach der Konkretisierung der Pläne am Wochenende bleibt unklar, wieviele Arbeitsplätze bedroht sind. Doch soll die Regionalstruktur im Inland deutlich gestrafft werden. Statt der bisherigen kleinteiligen und durch zahlreiche Überlappungen gekennzeichneten Organisation werden vier einheitliche Vertriebs- und Verwaltungsregionen geschaffen. Bisher arbeiteten die Niederlassungen von Sach, Leben und Krankenversicherung dagegen weitgehend unabhängig voneinander. Die Aufteilung in nur noch vier Regionen bedeute aber „keinerlei Entscheidung für oder gegen die Standorte, welche zu den Gebieten gehören“, heißt es in dem Mitarbeiterbrief von Rupprecht. Er verweist darauf, daß es auch in Zukunft innerhalb der vier Regionen mehrere Standorte geben werde. Eine Bestandsgarantie gibt er aber nicht.
Komplett in den Konzernverbund integriert werden sollen auch die Frankfurter Versicherungs-AG und die Bayerische Versicherungsbank AG (BVB), zwei bedeutende Tochtergesellschaften der Allianz in Deutschland. Es sei geplant, die Unternehmen auf die Allianz-Sachversicherung zu verschmelzen, schreibt Rupprecht. Allerdings sind bei der BVB die bayerischen Genossenschaftsbanken zur Zeit noch mit rund 10 Prozent beteiligt. Vor einer Verschmelzung müßte der Konzern voraussichtlich deren Anteile übernehmen. Dem Vernehmen nach gibt es darüber bereits Gespräche. Die Allianz will an dem von der BVB geführten erfolgreichen Versicherungsvertrieb über die bayerischen Genossenschaftsbanken festhalten.
Besetzung der Schlüsselpositionen steht fest
Die Besetzung der Schlüsselpositionen in der neuen Deutschland-Dachgesellschaft und der Vertriebsgesellschaft steht unterdessen weitgehend fest. Die Vertriebssparte soll Hansjörg Kramer leiten, bislang Bereichsvorstand für den Vertrieb bei der Allianz-Sachversicherung. Kramer wird auch einen Sitz im achtköpfigen Vorstand der neuen Deutschland-Holding erhalten. In diesem sind auch die Chefs der drei Versicherungssparten vertreten: Für die Allianz Leben ist dies Maximilian Zimmerer.
Der bisherige Finanzvorstand der Leben-Sparte übernimmt deren Leitung von Rupprecht. Thomas Pleines, bislang Chef von Allianz Suisse, löst Hagemann an der Spitze der Sachversicherung ab. Ulrich Rumm, Vorstandschef der Krankenversicherung, wird die Sparte auch weiterhin leiten und im Deutschland-Vorstand vertreten. Dieser wird komplettiert durch Christof Mascher (Chief Operating Officer), Karl-Hermann Lowe (Finanzen) und Ulrich Schumacher (Personal).
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