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Versicherungen Verkaufstalente und Erbsenzähler

07.11.2005 ·  Arbeitsmarkt: Die Versicherungsbranche braucht Spezialisten. Unter den Angestellten findet man Aktuare, Meteorologen und Historiker. Elf Prozent der Beschäftigten hat einen Hochschulabschluß.

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Versicherer verstehen ihre Branche von jeher als Verkaufsmaschine. Wer viele Verträge abschließt, bekommt viele Einnahmen. Die Gewinne werden dann schon stimmen, lautet das Credo. Aber was braucht ein guter Verkäufer? „Eine einfache Sprache und Kontaktfreude“, sagt Wolfgang Essing, Vertriebsspezialist der Unternehmensberatung Zeb.

„Der Verkäufer muß außerdem Enttäuschungen aushalten können und hartnäckig sein - bis zur Grenze der Aufdringlichkeit.“ Doch nicht jeder bringt solche Fähigkeiten mit. Mancher hat es versucht - Fernsehmoderator Oliver Pocher zum Beispiel oder der Fußballer Franz Beckenbauer. Sie haben das Genre gewechselt.

Professionelle Erbsenzähler

Wie sieht es also mit anderen Tätigkeiten in der Versicherungsbranche aus? Die Zeiten waren schon einmal besser. So planen einige Unternehmen - darunter Axa und Hamburg-Mannheimer -, die Zahl der Beschäftigten zu reduzieren. Aber ungebrochen ist der Bedarf an Spezialisten. So suchen viele Versicherer zum Beispiel Aktuare. Die Versicherungsmathematiker werden gebraucht, um sich auf die neuen Anforderungen der Aufsichtsbehörden vorzubereiten und die immer unüberschaubarer werdenden Risiken zu steuern.

Böswillige bezeichnen diese Berufsgruppe als professionelle Erbsenzähler. Daneben beschäftigten die Versicherer eine breite Palette von Spezialisten mit weniger trockenen Aufgaben. Der Meteorologe arbeitet an Schadensimulationen mit oder der Kunsthistoriker, der den Wert von versicherten Gemälden schätzt. Die größte Gruppe der Akademiker stellen die Juristen.

Versicherungen und Finanzen

Ein neuer Trend ist die Kombination des Versicherungsgeschäfts mit Bankprodukten. Mittlerweile wird gut ein Drittel aller Versicherungen über Banken verkauft. Umgekehrt hat sich die Allianz die Dresdner Bank einverleibt und will ihre Vertreter nun auch zum Verkauf von Girokonten oder Fondssparplänen bewegen. Deshalb strebt die Assekuranz eine Überarbeitung des Berufsbildes Versicherungskaufmann an.

Auch Finanzvertriebe wie AWD und MLP sind daran interessiert, weil sie in beiden Welten - Versicherungen und Banken - zu Hause sind. Die Allianz geht nun voran: Im Herbst 2006 sollen die ersten Lehrlinge mit der Ausbildung zur „Kauffrau für Versicherungen und Finanzen“ beginnen. Sie werden stärker als ihre Vorgänger auf Beratung und Vertrieb einer Vielzahl von Finanzprodukten vorbereitet.

Verdienst variiert stark

Ein immer größerer Anteil unter den Berufsanfängern hat eine längere Schulausbildung hinter sich. Auch der Anteil der Beschäftigten mit einem Hochschulabschluß hat sich stark erhöht. Lag er 1984 noch bei knapp 5 Prozent, sind es heute mehr als 11 Prozent. Die Akademiker können mit einer guten Bezahlung rechnen, die allerdings selten das Niveau der Spitzenverdiener in den Banken erreicht. In der zweiten Führungsebene liegt der Durchschnitt bei 84.000 Euro pro Jahr.

Allerdings seien die Unterschiede groß, sagt Karl-Friedrich Raible von der Unternehmensberatung Kienbaum. Die Spannbreite reicht laut einer Kienbaum-Umfrage je nach Funktion und Arbeitgeber in der zweiten Ebene von knapp 60.000 bis deutlich über 100.000 Euro, in der ersten Ebene von rund 90.000 bis knapp 150.000 Euro pro Jahr.

Quelle: ruh. / F.A.Z., 04.11.2005
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