25.02.2005 · Deutsche Versicherung auf dem roten Teppich Hollywoods: Eine Allianz-Tochtergesellschaft versichert Filmproduktionen und zählt auch viele der Oscar-Kandidaten zu ihren Kunden. Kein wirklich billiges Geschäft.
Von Norbert Kuls, New YorkLauren Bailey wird am Sonntag die Verleihung der Oscars nicht aus dem Blickwinkel eines normalen Kinogängers verfolgen. Dabei ist Bailey weder Filmstar noch Filmkritiker. Sie arbeitet vielmehr in einer Branche, an die man angesichts der glamourösen Oscar-Zeremonie nicht im ersten Moment denkt.
Dennoch spielt Bailey eine wichtige Rolle bei Filmproduktionen in Hollywood. Sie ist die Leiterin der Unterhaltungssparte beim kalifornischen Schaden- und Sachversicherer Fireman's Fund. Und diese Tochtergesellschaft des Münchner Finanzdienstleisters Allianz AG ist Marktführer bei der Versicherung von Filmproduktionen.
Teures Geschäft
Mit einem Marktanteil von deutlich über 50 Prozent liegt sie weit vor Rivalen wie Chubb oder St. Paul Travelers. „Wir haben dieses Jahr 16 der am Oscar-Wettbewerb teilnehmenden Filme versichert“, sagte Bailey dieser Zeitung. Dazu gehören alle fünf für den besten Film nominierten Werke: The Aviator, Finding Neverland (Wenn Träume fliegen lernen), Million Dollar Baby, Ray und Sideways. Insgesamt haben die von Fireman's Fund versicherten Filme 61 der 113 Nominierungen aller Kategorien erhalten.
Begonnen hat dieses Geschäft in der Stummfilmzeit mit Policen für Feuerschäden bei Kulissen und Requisiten. Mittlerweile ist die Palette der Versicherungsprodukte für die Filmindustrie stark gewachsen, obwohl der Markt im Vergleich zu anderen Segmenten der Assekuranzbranche klein ist. Zu den Produkten gehören Policen für Arbeitsunfälle, fehlerhaften Film oder Geschäftsausfälle, wenn sich Dreharbeiten verzögern. Das ist unerläßlich, damit die Finanziers der Filme überhaupt Geld bereitstellen. Ein Tag Ausfall kann 500.000 Dollar kosten, wenn man die Kosten für Schauspieler, Statisten, Ausrüstung oder Studiomiete addiert.
Auch weniger dramatisches kann teuer werden
Die Policen für die Besetzung der Schauspieler sorgt für die höchsten Versicherungssummen. „Der schlimmste Fall, der eintreten kann, ist der Tod eines Schauspielers“, sagt Bailey. Auch weniger dramatische Vorkommnisse können teuer werden. Als sich die ursprünglich als Hauptdarstellerin für den Film Batman vorgesehene Schauspielerin Sean Young (Wall Street) zehn Tage vor Drehbeginn den Arm brach, zahlte Fireman's Fund für die Suche nach einem Ersatz mit gleichwertigen Starqualitäten. Die Wahl fiel damals auf Kim Basinger. Die Versicherung gegen fehlerhaftes Material erlaubte es dem Regisseur Woody Allen, das Metropolitan Museum ein zweites Mal zu mieten, um eine Szene seines Films Manhattan nachzudrehen.
Fireman's Fund mußte auch zahlen, als ein Taifun in den Philippinen ein für das Vietnamkriegsepos Apocalypse Now gebautes Dschungeldorf inklusive Ausrüstung zerstörte. Die Versicherungssumme von 1,5 Millionen Dollar erlaubte es den Produzenten, das Dorf wiederaufzubauen und weiterzudrehen - wobei das Dorf zum Höhepunkt des Films vorsätzlich abgefackelt wurde.
Geändertes Geschäft
Manchmal nehmen Versicherungen sogar Einfluß auf Handlung und Drehorte eines Films. Wenn Regisseure zur Hurrikan-Saison in einer Gegend filmen wollen, die für Wirbelstürme bekannt ist, werden schon in der Planungsphase weniger risikoreiche Alternativen vorgeschlagen, erzählt Bailey.
Die fortschreitende Digitalisierung der Filme verändert jetzt auch das Assekuranzgeschäft. Es geht nicht mehr so häufig um die Versicherung von Requisiten oder Explosionen in Action-Filmen. Am Computer hergestellte Bilder minimieren solche Risiken. Selbst Schauspieler sind bereits digital ersetzt worden. Aber Verzögerungen und Ausfälle bei den Produktionen dürfte es weiterhin geben. Nach Angaben von Bailey war die Unterhaltungsnische in den vergangenen fünf Jahren sehr profitabel. Die Zahl der Anbieter war geschrumpft, nachdem verschiedene Konkurrenten aufgrund falscher Preispolitik den Markt verlassen hatten.
Nicht auf dem roten Teppich
Als Wachstumsmarkt erscheinen auch Reality-TV-Serien wie Fear Factor, in denen Kandidaten halsbrecherische und damit durchaus versicherungswürdige Sprünge aus Hubschraubern wagen. In diesem Markt will sich Bailey aber nicht engagieren. Der Grund: Produktionen mit versteckter Kamera oder solche, bei denen normale Leute verletzt oder blamiert werden können, seien anfällig für juristische Auseinandersetzungen.
Die Managerin legt im übrigen Wert darauf, sich vom Glamour der Filmbranche nicht blenden zu lassen. Einladungen zur Oscar-Verleihung und ein Gang über den roten Teppich sind für Mitarbeiter der Versicherungen ohnehin nicht üblich. Aber die Tätigkeit setzt sich zweifellos von der normalen Welt der Sachversicherer ab. Manche Mitarbeiter scheinen sogar Kritikerqualitäten zu entwickeln. Bailey: „Unser Antragsprüfer, der das Drehbuch zu ,Million Dollar Baby' gelesen hat, wußte gleich, daß das ein fabelhafter Film werden würde.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,27 | −1,21% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2445 | −0,35% |
| Rohöl Brent Crude | 105,15 $ | −1,59% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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