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Versicherungen Bügelhilfe statt Bargeld

07.11.2005 ·  Innovation: Assistance-Produkte bieten statt Schecks schnelle Hilfe. Nach dem Prinzip der Gelben Engel bieten Versicherungen tatkräftige Unterstützung im Schadensfall und stoßen damit auf Begeisterung.

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Wenn die Assekuranz von Innovation spricht, verkauft sie meist alten Wein in neuen Schläuchen. Herkömmliche Versicherungen werden neu kombiniert, um sich vom Wettbewerb zu unterscheiden oder um hohe Preise zu verschleiern. Doch gelegentlich gibt es tatsächlich einmal Geistesblitze.

Einen solchen schreibt sich Karl-Walter Gutberlet zu. Der für das Privatkundengeschäft zuständige Allianzvorstand setzt konsequent auf sogenannte Assistance-Leistungen - zunächst als Unfallversicherung für alte Leute und als Wohnungsschutzbrief für Eigenheimbesitzer. „Wir werden einen völlig neuen Markt entwickeln“, frohlockt Gutberlet.

Soforthilfe statt Geld

So völlig neu allerdings ist der Markt auch wieder nicht, räumt Gutberlet ein. Denn Assistance-Leistungen bietet beispielsweise der ADAC seit langem an. Die Mitglieder zahlen eine Versicherungsprämie. Wenn ihr Wagen liegenbleibt, überweist der ADAC nicht Geld für die Kosten - das würde einem Automobilisten, dem nachts der Reifen platzt, wenig helfen. Der Club schickt lieber gleich den Abschleppwagen.

Das Prinzip ist bei den Allianz-Produkten, die inzwischen von der Konkurrenz nachgeahmt werden, ähnlich. Nachdem sich die versicherte Rentnerin im Garten den Arm gebrochen hat, kommt für eine begrenzte Zeit ein Gärtner, um die Rosen zu schneiden. Und zweimal pro Woche bügelt eine Haushaltshilfe die Wäsche.

Der Absatz ist ausbaufähig

Neu ist also nicht das Prinzip, aber Gutberlet hat eine gute Idee auf eine andere Sparte übertragen und sich dabei Gedanken über die Bedürfnisse seiner Kunden gemacht. Das wird honoriert: Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat die Allianz rund 100.000 Versicherungsprodukte mit Assistance-Komponenten verkauft.

Das mag angesichts bescheidener Monatsprämien, ein Wohnungsschutzbrief kostet 5 Euro pro Monat, für die Allianz kein Bombengeschäft sein, zumal Beträge in Millionenhöhe in die Werbung gesteckt werden. Aber der Absatz ist ausbaufähig, das Produkt bindet die Kunden, und es sorgt für Gesprächsstoff.

Bund der Versicherten ist begeistert

Selbst die sonst so argwöhnischen Verbraucherschützer werden bei soviel Fürsorge milde gestimmt. Anfangs wetterte der Bund der Versicherten noch über den Wohnungsschutzbrief: „Wieder einmal ein neues, unsinniges Versicherungsprodukt.“ Inzwischen zeigt sich Lilo Blunck, strenge Geschäftsführerin des BdV, begeistert.

Das ist ungewöhnlich, denn der Verband ist von Mißtrauen gegenüber der Branche erfüllt. In den vergangenen Monaten hat Blunck insbesondere die Lebensversicherer vor Gericht das Fürchten gelehrt. Doch in diesem Fall urteilt sie ungewöhnlich: „Der Mensch, der sich diese Unfallpolice für Senioren ausgedacht hat, ist ein Genie.“

Quelle: ruh. / F.A.Z., 04.11.2005
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