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Versicherer Versicherer im Anlagenotstand

21.02.2005 ·  Die im historischen Vergleich extrem niedrigen Zinsen machen den deutschen Lebensversicherern zunehmend zu schaffen. Experten raten zu einem höheren Aktienanteil.

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Die im historischen Vergleich extrem niedrigen Zinsen machen den deutschen Lebensversicherern zunehmend zu schaffen. Zwar haben die meisten Versicherer ihre Überschußbeteiligung für dieses Jahr nicht gesenkt, womit sich der Durchschnitt der festgeschriebenen Gesamtverzinsungen für 2005 auf gut 4,3 Prozent stabilisiert hat.

Sollte das derzeitige Zinstief am Kapitalmarkt aber von längerer Dauer sein, dürfte im nächsten Jahr mit einem weiteren Rückgang der Gesamtverzinsung in Richtung 4 Prozent zu rechnen sein, sagen Branchenexperten.

Mehr als nötig

Deutsche Lebensversicherer haben ihre Kapitalanlagen im Durchschnitt zu 89 Prozent in Anleihen, zu 9 Prozent in Aktien und zu 2 Prozent in Immobilien angelegt. Werden alte Anleihen fällig, müssen die Gelder selbst im langfristigen Bereich zu Renditen von deutlich weniger als 4 Prozent wiederangelegt werden. Bei dem derzeitigen Anlagemix, sagt Carsten Zielke, Versicherungsanalyst der WestLB, werfen die Portfolios der Versicherer nur mehr eine laufende Verzinsung von 4,2 Prozent ab.

Dem stehe die erwähnte Überschußverzinsung von durchschnittlich 4,3 Prozent gegenüber. Zwar verfüge die Branche schätzungsweise über 5 bis 10 Prozent mehr an Kapitalanlagen, als zur Deckung der versicherungstechnischen Rückstellungen nötig sei, so daß de facto eine Rendite von 4,4 bis 4,6 Prozent zur Deckung bereitstehe. Hieraus müßten die Unternehmen aber auch ihre laufenden Kosten finanzieren. Insofern sei eine Gegenüberstellung von zu erzielender Verzinsung und Überschußbeteiligung schon angemessen.

Höhere Aktienquote

Um wieder eine höhere Verzinsung am Kapitalmarkt sicherzustellen, kommt die Versicherungswirtschaft nach Meinung Zielkes an einer höheren Aktienquote nicht mehr vorbei. 10 bis 15 Prozent wären das Optimum, glaubt der WestLB-Mann. Jeder zusätzliche Prozentpunkt käme Aktienkäufen im Volumen von rund 6 Milliarden Euro gleich. Doch von höheren Aktienquoten ist derzeit in der Branche nicht die Rede. Im Gegenteil: Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner verkündete unlängst sogar, daß die Allianz ihre weit überdurchschnittliche Aktienquote von knapp 13 Prozent auf 10 Prozent zurückführen wolle, was weitere Aktienverkäufe im Wert von 4 Milliarden Euro zur Folge hätte.

Die Branche ist derzeit in Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde sogar dabei, den Anreiz für Aktienkäufe noch weiter zu senken: Im Zuge der Umsetzung der neuen Solvabilitätsvorschriften hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zusammen mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein Solvency-II-Modell entwickelt, das Versicherer zwingen würde, Aktienanlagen mit einem Risikokapital von 37,4 Prozent zu unterlegen. Dies würde sich mit Risikokapitalquoten von 13 Prozent für Immobilien und - je nach Laufzeit - von 2 bis 10 Prozent für Anleihen vergleichen. „Aus ökonomischer Sicht ist dies nicht nachvollziehbar“, sagt Zielke, zumal die Renditeannahmen für Aktien und Immobilien sich nur um 0,5 Prozentpunkte unterscheiden würden.

Anpassung der Zinsgarantien

Daß die Versicherungsbranche inzwischen selbst den Glauben an eine Stabilisierung ihrer Zinsgarantien zu verlieren scheint, zeigt ein Vorstoß von Bernhard Schareck. In einem Interview mit der „Financial Times Deutschland“ sagte der Präsident des GDV, er sei für die „Konstruktion eines Adjustierungsmechanismus“, der eine Anpassung der Zinsgarantien auf Rentenversicherungsverträge ermögliche.

Der an die Politik und das Bafin adressierte Vorstoß ist sehr brisant, da die Zinsgarantie der Kern des Geschäftsmodells der Lebensversicherer ist. Bisher müssen sie bis zum Vertragsablauf einen bestimmten Zins festschreiben. Schareck begründet seine Initiative damit, daß Versicherer die Möglichkeit haben müßten, auf die steigende Lebenserwartung und neue medizinische Möglichkeit zu reagieren. Er räumte aber auch ein, daß das aktuell größte Problem der Lebensversicherer die niedrigen Zinsen seien. (dri.)

Quelle: dri., F.A.Z., 22.02.2005, Nr. 44 / Seite 21
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