03.11.2006 · Die Allianz hat ihren Gewinn im dritten Quartal verdoppelt und die Prognose leicht angehoben. Der Versicherer rechnet mit einem Überschuß von mehr als sechs Milliarden Euro im Gesamtjahr. Die Kritik der Gewerkschaften am weiterhin geplanten Stellenabbau, dürfte das befeuern.
Die Allianz hat ihren Gewinn im dritten Quartal 2006 verdoppelt und die Prognose für das Gesamtjahr leicht angehoben. Damit dürfte sie abermals massive Kritik von den Gewerkschaften ernten, weil trotz der glänzenden Geschäftsentwicklung rund 7500 Stellen abgebaut werden.
Wie der Münchener Versicherungsriese am Donnerstag abend mitteilte, stieg der Überschuß im Zeitraum Juli bis September auf 1,59 Milliarden Euro nach 794 Millionen im Vorjahr. Von Reuters befragte Analysten hatten mit 1,24 Milliarden gerechnet. Den überraschend deutlichen Anstieg erklärte das Unternehmen mit operativen Verbesserungen in den meisten Sparten und Sondererlösen aus Beteiligungsverkäufen wie dem der britischen Pflegeheimkette Four Seasons Healthcare. Diese Transaktion verbesserte das Ergebnis allein um knapp 300 Millionen Euro.
Ihre Prognosen für das Gesamtjahr hob die Allianz leicht an: Sie rechnet nunmehr mit einem Überschuß von mehr als sechs Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von mindestens 9,5 Milliarden. Erst im Sommer hatten die Münchener ihr Gewinnziel für 2006 auf 5,5 bis sechs Milliarden Euro hoch geschraubt, nachdem zuvor 4,9 Milliarden in Aussicht gestellt worden waren. Operativ waren bislang neun Milliarden Euro eingeplant gewesen. In den ersten neun Monaten hat die Allianz ihren Gewinn aus dem gesamten Vorjahr bereits klar übertroffen und steuert damit auf ein neues Rekordergebnis zu.
Ungeachtet des Gewinnsprungs bekräftigte das Management seine Sparpläne. „Es wäre falsch, sich jetzt zurückzulehnen und sich auf diesem Ergebnis auszuruhen“, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet. Es seien im Versicherungsgeschäft noch Anstrengungen nötig, um die erreichte Marktposition zu stärken. Der Vorstand beklagt, daß der Konzern in den vergangenen Jahren viele Kunden und Marktanteile verloren hat. Daher soll die Profitabilität gesteigert werden, um auf Dauer mit den ausländischen Rivalen wie der französischen AXA oder dem amerikanischen Konzern AIG mithalten zu können. Zusammengelegt werden die Sparten Lebens-, Sach- und Krankenversicherung. Bei der Allianz selbst sollen 5000 Stellen, bei der Tochter Dresdner Bank 2500 wegfallen. Kündigungen soll es zunächst nicht geben.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat in den vergangenen Monaten an mehreren Standorten, die von der Schließung bedroht sind, mit Streiks gegen die Sparpläne demonstriert. Weitere Maßnahmen sind wahrscheinlich. Auch aus der Politik hatte es kritische Stimmen gegeben.
In der Schaden- und Unfallversicherung, der wichtigsten Sparte der Allianz, stieg der operative Ergebnis im dritten Quartal um 74 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Schaden/Kostenquote lag bei 90,2 Prozent. Ab einer Quote unter 100 Prozent sind Schadenszahlungen und Verwaltungskosten aus den Prämieneinnahmen gedeckt. Einer der wichtigsten Gründe für das gute Abschneiden ist, daß die Hurrikane in den Vereinigten Staaten und der Karibik in diesem Jahr vergleichsweise harmlos waren und nur geringe Schäden anrichteten. Vor Jahresfrist hatte der Wirbelsturm „ Katrina“ noch gigantische Schäden verursacht und die Bilanzen zahlreicher Versicherer durcheinander gewirbelt.
Im Bereich Lebens- und Krankenversicherung erhöhte sich das operative Ergebnis derweil um elf Prozent auf 617 Millionen Euro, bei der Dresdner Bank sogar um 38,2 Prozent auf 311 Millionen Euro. In der Vermögensverwaltung blieb das operative Ergebnis mit 294 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.
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