Der Versicherungskonzern Allianz wird den größten Teil seines Anteils am Kosmetik-Konzern Beiersdorf an ein Konsortium unter Federführung der Tchibo Holding verkaufen. Die Investorengruppe wird knapp 40 Prozent der Allianz-Anteile für rund 4,4 Milliarden Euro übernehmen. Die Transaktion steht unter Vorbehalt der Kartellbehörde. Die Aktien wurden im Schnitt zu einem Preis von 130 Euro verkauft. Der Aktienkurs der Allianz verlor nach Bekanntgabe des Verkaufs leicht an Wert; die Beiersdorf-Aktie verlor im Tagesverlauf sogar rund 10 Prozent.
Mit dieser Transaktion stockt Tchibo seinen Anteil an Beiersdorf von derzeit 30,3 auf 49,9 Prozent auf. 10 Prozent wird die in Besitz des Hamburger Stadtstaats befindliche Hamburger Gesellschaft für Vermögensund Beteiligungsverwaltung (HGV) übernehmen. Bis zu 10 Prozent wird die Beiersdorf AG zurückkaufen. 3 Prozent davon wird die Troma, die Altersund Hinterbliebenenstiftung der Beiersdorf AG, übernehmen. Das Aktienrückkaufprogramm erfolge öffentlich, sagte Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch auf Anfrage. Einzelheiten dazu lägen noch nicht vor. Man könne dabei eine "gewisse Prämie" einrechnen.
Die Allianz beabsichtige, mit ihrem gesamten Anteil an diesem Rückkaufprogramm teilzunehmen. Mit 49,9 Prozent hat Tchibo dann praktisch die Mehrheit an Beiersdorf, auf alle Fälle in der Hauptversammlung. Die Allianz wird ein Paket bis zu 4 Prozent weiter halten. Weitere 10 Prozent hält die Familie Claussen, rund 16 Prozent der Aktien liegen im Streubesitz.
Um das Unternehmen für Tchibo und damit für Hamburg zu sichern, hatte sich der Hamburger Senat in den vergangenen Wochen in die Verkaufsverhandlungen eingeschaltet. Wie Bürgermeister Ole von Beust jetzt versichert, werde die Übernahme durch die HGV den Hamburger Haushalt weder in diesem noch im kommenden Jahr belasten, weil die HGV die Beiersdorf-Anteile nur parken werde. In der HGV hat die Stadt Hamburg ihre 26 Beteiligungen gebündelt, darunter den zweitgrößten deutschen Hafen-Umschlagsbetrieb, die Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG, den zweitgrößten deutschen Verkehrsbetrieb, die Hamburger Hochbahn AG, den größten kommunalen Wasserversorger, die Hamburger Wasserwerke, sowie die Messegesellschaft und die Grundstücksgesellschaften Saga und Sprinkenhof. Die Zahlung des Kaufpreises sei erst in vier Monaten fällig. Derzeit würden unter Führung der HGV mit "Partnerunternehmen und Investoren" Gespräche über das Aufteilen des Engagements geführt. Offenbar ist daran gedacht, ein kleineres Paket in Besitz der Stadt zu halten.
Die Tchibo Holding knüpft mit ihrer Entscheidung an das über 30 Jahre bestehende Engagement bei dem traditionsreichen Hersteller von Körperpflegemittel und Klebebändern an, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Tchibo werde dafür voraussichtlich "erstmals in seiner Geschichte" einen Bankkredit aufnehmen. Ammer betonte, man werde eng mit der Beiersdorf AG zusammenarbeiten, die langfristig mit einer "klaren" Aktionärsstruktur ihre ohnehin schon starke Stellung auf den Weltmärkten ausbauen könne. Ammer unterstrich, daß die Strukturen des Beiersdorf-Konzerns erhalten bleiben sollten. Damit gab er indirekt auch zu verstehen, daß man die Beiersdorf-Tochtergesellschaft Tesa nicht verkaufen wolle. Dies hatte vor allem die Familie Claussen, Abkömmlinge des Firmengründers Oskar Troplowitz, befürchtet und aus diesem Grunde vorgeschlagen, sich gegen Abgabe von Beiersdorf-Aktien mehrheitlich an Tesa zu beteiligen.
Die Entscheidung im Ringen um Beiersdorf, Seite 14.
FAZ.NET Bieterwettstreit um Beiersdorf auf unseren Seiten www.faz.net/beiersdorf
