10.08.2005 · Der Allianz-Konzern hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal um mehr als die Hälfte gesteigert. Wegen der überraschend guten Ergebnisse zog das Unternehmen die Bekanntgabe der wichtigsten Daten vor.
Der Finanzkonzern Allianz hat seinen Gewinn im zweiten Quartal sprunghaft gesteigert und dabei die Erwartungen von Analysten bei weitem übertroffen. Der Nettogewinn sei vergleichbar gerechnet um 65 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen in München am Dienstag abend überraschend mit.
„Zu dieser positiven Geschäftsentwicklung tragen alle Geschäftssegmente bei“, hieß es. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn von 1,087 Milliarden Euro erwartet. Den vollständigen Quartalsbericht will der Konzern am Freitag veröffentlichen. Offenbar wegen der überraschend guten Ergebnisse zog das Unternehmen die Bekanntgabe der wichtigsten Daten nun aber vor.
An der Börse kletterte der Kurs der Allianz-Aktie zeitweise um fast vier Prozent auf 110,43 Euro, den höchsten Stand seit anderthalb Jahren. Von den Rekordkursen von mehr als 400 Euro auf dem Höhepunkt des Börsenbooms im Jahr 2000 ist die Allianz aber immer noch weit entfernt.
„Die Zahlen sind fantastisch“
Analyst Lucio di Geronimo von der HVB hob hervor, daß die Ertragssteigerung aus dem operativen Geschäft und nicht aus einmaligen Verkäufen von Beteiligungen komme. „Die Zahlen sind fantastisch. Was soll ich mehr sagen?“, ergänzte er. Er verwies auf die erneut verbesserte Schaden-Kosten-Quote im Sachversicherungsgeschäft von 89,8 Prozent im zweiten Quartal nach 92,1 Prozent im Auftaktquartal. „Offensichtlich haben sie die Dinge unter Kontrolle“, sagte er.
Das Sachversicherungsgeschäft ist traditionell der wichtigste Ertragsbringer der Allianz. Die Schaden-Kosten-Quote ist ein wichtiger Indikator für die Ertragskraft im reinen Versicherungsgeschäft. Bei Quoten bis 100 Prozent sind Schäden und Kosten allein durch Prämieneinnahmen gedeckt - also noch ohne die meist milliardenschweren Einnahmen aus Kapitalanlagen. Mit ihrer Quote liegt die Allianz besser als ihre deutschen Konkurrenten Ergo und AMB Generali, die im Sachversicherungsgeschäft mit 91,3 Prozent (Ergo) und 97,4 Prozent (AMB) im ersten Halbjahr aber ebenfalls deutliche operative Erträge erwirtschaftet haben.
Merck-Finck-Analyst Konrad Becker sagte, vom einem Preiskampf etwa in der Kfz-Versicherung sei in der Bilanz der Allianz nichts zu sehen. „Es kann sein, daß das passiert. Aber Auswirkungen auf die Allianz sehe ich nicht“, sagte er. Die Zahlen seien ein Indiz dafür, daß die langfristige Profitabilität des Münchener Konzerns besser geworden sei.
Mit ihrem Quartalsgewinn lag die Allianz noch deutlich über der höchsten Prognose der 19 von Reuters befragten Analysten. Auch aus seinen verschiedenen Geschäftssparten berichtete der Finanzkonzern von durchweg positiven Entwicklungen. So habe sich die Schaden-Kosten-Quote im Sachversicherungsgeschäft im zweiten Quartal auf 89,8 Prozent nach 92,1 Prozent im Auftaktquartal verbessert. Die Quote ist ein zentraler Indikator für die Ertragskraft des reinen Versicherungsgeschäfts. Bei Quoten bis 100 Prozent sind Schäden und Kosten allein durch die Prämieneinnahmen gedeckt - also noch ohne die meist milliardenschweren Erträge aus Kapitalanlagen.
Zweistelliges Wachstum bei Lebensversicherungen
Im Lebensversicherungsgeschäft und in der Vermögensverwaltung verzeichne das Unternehmen weiter zweistellige Wachstumsraten, teilte die Allianz mit. Im Bankgeschäft mit der Tochter Dresdner Bank sei eine vorübergehende Schwäche im Handelsergebnis durch eine Senkung der Kosten und eine günstige Entwicklung bei der Risikovorsorge für faule Kredite ausgeglichen worden. Die Handelsergebnisse vieler Banken hatten im zweiten Quartal stark unter der Belastung der Anleihemärkte durch die Herabstufung der Anleihen der großen amerikanischen Autokonzerne GM und Ford auf „Ramsch“-Status gelitten.
Der operative Gewinn des gesamten Allianz-Konzerns wuchs im zweiten Quartal um 18,8 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro, während der Umsatz - also die Beitragseinnahmen - um 6,6 Prozent wuchs. In dem sprunghaft gestiegenen Nettogewinn sind nach Angaben des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr niedrigere Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen bei zugleich auch niedrigeren Abschreibungen auf die Investments enthalten. Zudem sei die Steuerquote niedriger ausgefallen. Das Vorjahresergebnis hat die Allianz um die damals noch verbuchten regelmäßigen Abschreibungen auf Firmenwerte bereinigt, so daß der Zuwachs des Nettogewinns nach der Änderung der Bilanzierung in diesem Jahr vergleichbar gerechnet ist.
Durch den starken Ertragszuwachs kletterte auch das Eigenkapital der Allianz im bisherigen Jahresverlauf kräftig. In der ersten Jahreshälfte sei das Eigenkapital der Gruppe ohne Anteile Dritter um mehr als ein Fünftel auf nunmehr 36,8 Milliarden Euro angestiegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,68 | −1,18% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2445 | −0,35% |
| Rohöl Brent Crude | 105,15 $ | −1,59% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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