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Versandhandel Quelle macht weiter

10.09.2009 ·  Das Licht bei Quelle geht nicht aus. Commerzbank und Bayern LB haben der Verlängerung der Finanzierung für Quelle bis zum Jahresende schon zugestimmt. Die dritte Bank, der Forderungsfinanzierer Valovis, pokert aber noch.

Von Rüdiger Köhn
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Das Licht bei Quelle geht nicht aus. Auch wenn das Vertragswerk für die weitere Finanzierung des in Insolvenz befindlichen Versandunternehmens Primondo mit seiner Kernmarke aus Fürth noch nicht unterschrieben ist, gilt die Vereinbarung mit den finanzierenden Banken bereits als sicher. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Commerzbank und die Bayern LB bereits in ihren Vorstandssitzungen am Dienstag der Verlängerung einer Finanzierung bis Jahresende zugestimmt haben. Die dritte Bank im Konsortium - die Valovis als Forderungsfinanzierer von Quelle - werde ebenfalls zustimmen, aber wohl bis zur letzten Minute noch um die Verteilung der Risiken pokern, war aus Finanzkreisen zu hören.

Am Mittwoch ist die Brückenfinanzierung des Bankenkonsortiums über 300 Millionen Euro abgelaufen. Eine neue Kreditlinie, die etwa in gleichem Umfang oder etwas höher ausfallen könnte, muss für die nächsten Monate vereinbart werden, damit Primondo/Quelle im wichtigen Weihnachtsgeschäft weiter arbeiten und der geplante Verkauf an Investoren - nach Möglichkeit als Ganzes - ohne Störungen erfolgen kann.

Es müsse nicht gezittert werden, hieß es im Bankenumfeld. Alle Beteiligten seien an einer Lösung interessiert. Diese hatten sich bereits auf eine weitere Unterstützung geeinigt - unter der Maßgabe, dass alle drei Institute mitziehen (F.A.Z. vom 31. August). Auch die Valovis Bank sei daran interessiert. Denn das Scheitern einer Finanzierung würde das sofortige Aus von Quelle bedeuten. Und: An der grundsätzlichen Linie, das Unternehmen weiter zu begleiten, habe sich nichts geändert, hieß es in Finanzkreisen. Es laufe alles weitgehend im Plan, war im Unternehmensumfeld zu hören.

Valovis ist der Forderungsfinanzierer von Primondo. Sie übernimmt die Forderungen der meist erst später und in Raten zahlenden Kunden von Quelle und stellt für das operative Geschäft Finanzmittel zur Verfügung. Bis zum Schluss sollen die Kreditgeber über die Verteilung der Risiken verhandelt haben. Valovis will erreichen, dass diese unter den drei Banken gleich verteilt werden. So sollen sich Commerzbank und Bayern LB auch an den weniger gut besicherten Teilen des Kredits (Junior Note) beteiligen.

Erwartet wird, dass an diesem Donnerstag Klarheit besteht. Dann kann sich der Prozess bis zur Unterzeichnung des Kreditvertrages immer noch hinziehen. Das sei jedoch eine Frage von Tagen, nicht von Wochen. Als Grundlage kann zudem der erste Vertrag dienen. Die Vorbereitungen für die erste Überbrückung Anfang Juni mit einem 700 Seiten umfassenden Werk hat sich über Wochen hingezogen, weshalb sich die Lage bei Quelle zugespitzt hatte und wegen des von der Valovis Bank gekappten Liquiditätszuflusses ausgetrocknet war.

Mittlerweile haben sich die Voraussetzungen für eine neue Finanzierung grundlegend geändert. Vergangene Woche wurde das Insolvenzverfahren für Primondo/Quelle eröffnet, wie auch das des Mutterkonzerns Arcandor. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat ein Sanierungs- und Fortführungskonzept mit einem drastischen Stellenabbau entwickelt, das aber Quelle als Ganzes überlebensfähig betrachtet. Es gibt Kaufinteresse seitens mehrerer Investoren. Die weitere Brückenfinanzierung ist für das Versandunternehmen von existentieller Bedeutung, da so das Weihnachtsgeschäft geordnet ablaufen kann. Zahlen nennt das Unternehmen nach wie vor nicht. Doch soll sich die Auftragslage weiter stabilisiert haben, ist zu hören. Unmittelbar nach dem Insolvenzantrag am 9. Juni hat es Bestelleinbrüche von bis zu 50 Prozent gegeben.

Während die Finanzierungsfrage mit höchster Priorität behandelt wurde, muss Insolvenzverwalter Görg nun mit Nachdruck das Sanierungskonzept mit dem Abbau von 3700 der 10 500 Arbeitsplätze umsetzen. Die meisten Beschäftigten werden binnen drei Monaten ihren Job verlieren. Details über den Sozialplan und die Modalitäten zur Schließung der 109 Technik-Center sollen noch in diesem September festgelegt und kommuniziert werden. Rund 40 Prozent des Stellenabbaus betreffen die Technik-Center. Fünf von ihnen sollen bereits geschlossen worden sein.

Die vor allem in ländlichen Regionen vertretenen Quelle-Shops sollen von 1450 auf 1000 Standorte reduziert, zudem das Netz der Sammelbesteller verkleinert werden. Grund dieser Maßnahmen ist, die Infrastruktur in der Verwaltung und mit den betreuenden Außendienstmitarbeitern erheblich zu verschlanken und damit zusätzlich die Fixkosten zu senken. Diese gravierenden Einschnitte sind erforderlich, um die Überlebenschancen für Quelle zu verbessern. Es müsse abgespeckt werden, damit Quelle in der Fläche erhalten bleiben könne, sagte Görg im August.

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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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