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Freitag, 10. Februar 2012
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Versandhändler Die Kataloge und das Internet

21.10.2009 ·  Da hat auch der schöne neue Katalog nichts mehr genützt: Nach langem Siechtum wird das größte deutsche Versandhaus Quelle abgewickelt. Ist jetzt der Versandhandel in Aufruhr? Keineswegs. Die Branche erwartet auch künftig deutliche Zuwachsraten. Allerdings steht sie vor gravierenden Umbrüchen.

Von Thiemo Heeg
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Der Branchenprimus ist tot - es lebe der Versandhandel. Auf diese einfache Formel lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung der Versender nach der Quelle-Pleite bringen. "Die Branche bekommt starken Rückenwind aus dem Internet", konstatiert Dieter Junghans, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels. Damit könne man gegen den allgemeinen Trend im Einzelhandel wachsen.

Ganz einfach wird es freilich nicht: Der Versandhandel steht vor gravierenden Strukturbrüchen. Wenn die Prognosen des BVH stimmen, wird die Branche in diesem Jahr 29,1 Milliarden Euro umsetzen, 1,7 Prozent mehr als 2008. Interessanter als diese absolute Wachstumsziffer sind die Verschiebungen des Geschäfts: Erstmals wird 2009 mehr als die Hälfte des Umsatzes online erzielt: 15,4 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil von 53 Prozent. 2008 bewegte sich die Online-Quote noch um die 47 Prozent, bei einem Gesamtvolumen von 13,4 Milliarden Euro. "Die Insolvenz von Quelle ist kein Signal für die Versandhandelsbranche", sagt der stellvertretende BVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. "Dank steigender Umsätze im E-Commerce ist der Versandhandel ein zukunftssicherer Wachstumsmarkt."

Die Loblieder auf die traditionelle Papierdarstellung

Mit den sich verschiebenden Dimensionen tun sich aber Definitionsfragen auf: Was ist eigentlich Versand- und was ist Online-Geschäft? Der Lobbyverband BVH mag nicht mehr streng unterscheiden und setzt auf Pragmatismus: "Ganz gleich ob stationäre Händler, Warenhersteller oder Apotheken - es gibt immer mehr Unternehmen, die eigene Online-Shops eröffnen und dadurch zusätzliche Umsätze erwirtschaften", sagt Junghans. Sein Fazit: "Jedes Unternehmen, das im Internet Handel betreibt, ist ein Versender. Gleichzeitig wird der Versandhandel immer mehr zum Online-Handel."

Für den BVH empfielt sich diese Sichtweise schon deshalb, weil in wenigen Jahren vom Kataloggeschäft nicht mehr viel übrig sein könnte. Derzeit singt man zwar noch Loblieder auf die traditionelle Papierdarstellung. "Trotz Internet-Zeitalter dient der gedruckte Katalog vielen Kunden nach wie vor als verlässliche Informationsquelle", heißt es beim BVH. Bei schriftlichen und telefonischen Bestellungen sei er in rund 80 Prozent aller Fälle das einzige genutzte Medium. Aber auch 69 Prozent der Online-Käufer nutzten gedruckte Kataloge, bevor sie eine Warenbestellung im Internet aufgeben. "Wir sind noch weit davon entfernet, den Katalog als Werbemittel in Frage stellen zu können. Die Frage lautet stattdessen, wie der Katalog der Zukunft aussehen muss", sagt Verbandsmann Junghans.

Darauf hat wohl noch niemand so recht eine Antwort. Viel lieber sehen die Auguren schwarz, wenn es um den künftigen Stellenwert der Kataloge geht. Der Branchendienst "Exciting Commerce" prognostiziert für den Wirtschaftssektor zwar mittelfristig ein ordentliches Wachstum: von 29,1 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 34,2 Milliarden Euro im Jahr 2017. Dann soll das Kataloggeschäft des traditionellen Versandhandels jedoch nur noch 5,3 Milliarden Euro umfassen und sich damit in etwa halbiert haben. Das Resümee klingt hart: "Nach der Quelle-Pleite und den anhaltenden Schwierigkeiten bei Neckermann und bei den Versendern der Otto-Gruppe scheint der Markt dieses Problem von alleine zu lösen."

Amazon hat sein Angebot drastisch ausgeweitet

Die großen Katalogfirmen werden gleich von zwei Konkurrenten in die Zange genommen. Zum einen sind es Online-Portale wie Amazon oder Ebay, die ihnen Geschäfte abjagen. So hat Amazon, früher spezialisiert auf Bücher und CDs, sein Angebot drastisch ausgeweitet und sich in Deutschland auf den sechsten Rang in der Liste der größten Versender hochgearbeitet - hinter Quelle, Weltbild, Otto, Neckermann und Schwab.

Auf der anderen Seite stehen Spezialanbieter wie der Elektronikversender Conrad Electronic oder der Outdoor-Ausrüster Globetrotter. Statt auf die alte Warenhausdevise "Alles unter einem Dach" setzen sie auf Zielgruppenorientierung - mit Erfolg. So sind etwa Conrad und der Weinanbieter Hawesko schon in der Top-20-Liste der größten Versandhändler zu finden.

Tatsächlich lockt schon der ununterbrochene Wachstumstrend im Versandhandel immer neue Anbieter an. Das zeigt schon die Mitgliederliste des Branchenverbandes BVH, die sich von 200 in knapp einem Jahrzehnt auf mittlerweile rund 300 Firmen erweitert hat. Die Folge: wachsender Wettbewerb und Konkurrenzdruck. Nicht zuletzt diese Entwicklung - neben eigenen Fehlern wie Ineffizienz - hat dem Branchenprimus das Geschäft verdorben. Die Branche selbst aber ist lebendiger denn je.

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